Kulturministerin fordert trotz Stopps weiterhin Anbau der Nationalbibliothek in Leipzig
Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) lässt nicht locker: Trotz der klaren Entscheidung des Kulturstaatsministers des Bundes, Wolfram Weimer, gegen den geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, besteht die Politikerin weiterhin auf der Realisierung des Projekts. In einer aktuellen Stellungnahme betonte Klepsch die Notwendigkeit des Anbaus, um das kulturelle Erbe Deutschlands auch in Zukunft verlässlich zu sichern und zu bewahren.
Überraschende Entscheidung des Bundes stoppt Planungen
Erst in der vergangenen Woche hatte die Deutsche Nationalbibliothek überraschend mitgeteilt, dass Kulturstaatsminister Weimer sich gegen den lang geplanten Erweiterungsbau entschieden habe. Dieser Neubau sollte dringend benötigten Platz schaffen, um Bücher und andere Medien sammeln und fachgerecht aufbewahren zu können. Die Magazinkapazitäten am Standort Leipzig sind nach Angaben der Bibliothek nahezu vollständig erschöpft, was die Lagerung weiterer Bestände erheblich erschwert.
Bereits rund sieben Millionen Euro sind in die detaillierte Planung des Erweiterungsbaus geflossen, was die wirtschaftliche Dimension des Vorhabens unterstreicht. Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte, dass der Neubau vorerst nicht realisiert werden soll. Als Grund nannte er die unsichere Haushaltslage des Bundes, die eine solche Investition derzeit nicht zulasse. Eine endgültige Entscheidung über das Projekt stehe allerdings noch aus.
Digitalisierung versus physische Sammlung: Ein grundsätzlicher Konflikt
Kulturstaatsminister Weimer verfolgt einen anderen Ansatz: Er strebt an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden. Derzeit müssen Verlage laut gesetzlicher Vorgabe prinzipiell zwei physische Exemplare jedes Werkes an die Bibliothek liefern. Weimer setzt sich dafür ein, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird – und dieses, wenn möglich, ausschließlich in digitaler Form.
Diese Maßnahme wird vom Bundesministerium als Beitrag zum Bürokratieabbau und zur Modernisierung der Sammlungspraxis bewertet. Die Deutsche Nationalbibliothek hatte kürzlich einen aktuellen Planungsstand zum angestrebten Erweiterungsbau übermittelt. Obwohl die Kosten dabei nochmals deutlich gesenkt werden konnten, liegen sie immer noch bei beträchtlichen 100 Millionen Euro, wie der Sprecher des Kulturstaatsministers erklärte.
Klepsch und Bibliotheksverband positionieren sich klar
Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch betonte dagegen nachdrücklich die Bedeutung der Nationalbibliothek für die gesamte deutsche Kulturlandschaft. „Die Digitalisierung und das gedruckte Buch dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – wir brauchen beides“, erklärte sie in ihrer Stellungnahme. Für Klepsch ist der Erweiterungsbau essenziell, um sowohl die physische als auch die digitale Sammlung angemessen unterbringen zu können.
Unterstützung erhält die Ministerin vom Vorsitzenden des Bibliotheksverbands Sachsen, Lars Rohwer. Auch er tritt entschieden für den Anbau der Nationalbibliothek ein und verweist darauf, dass zu dem geplanten Projekt ein integrierter Datenspeicher gehöre. Somit handele es sich beim Erweiterungsbau um eine zukunftsweisende Investition in den historischen Gründungsstandort der Nationalbibliothek, die sowohl traditionelle als auch moderne Archivierungsmethoden vereine.
Der Konflikt zwischen Bundes- und Landesebene in dieser kulturpolitischen Frage bleibt damit vorerst ungelöst. Während der Bund aus finanziellen Gründen und mit Verweis auf die Digitalisierung auf den Neubau verzichten möchte, beharrt Sachsen auf der Notwendigkeit der baulichen Erweiterung zur Sicherung des nationalen Kulturerbes.



