Kulturkampf um Washingtoner Kultureinrichtung: Trump ordnet zweijährige Renovierung des Kennedy Centers an
Die umfangreichen Umbauten am Weißen Haus reichen dem US-Präsidenten offenbar nicht aus. Jetzt soll Washingtons größte Kultureinrichtung – das renommierte Kennedy Center – für eine umfassende Renovierung geschlossen werden. Das Kuratorium hat einstimmig für die Maßnahme gestimmt, wie das Kulturhaus mitteilte.
Zweijährige Schließung und Millioneninvestition
Die Kultureinrichtung wird für die Umbauarbeiten rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. Die Arbeiten sollen nach dem amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli beginnen. Der US-Kongress hat auf Bestreben von Präsident Donald Trump insgesamt 257 Millionen US-Dollar – umgerechnet etwa 223 Millionen Euro – für das Projekt freigegeben.
Trumps Übernahme und Umbenennung
Bereits kurz nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr hatte Trump das Kennedy Center unter seine Kontrolle gebracht. Der Präsident kündigte damals einen Kampf gegen „anti-amerikanische Propaganda“ in der Kulturwelt an. Er entließ mehrere Mitglieder des Kuratoriums, übernahm persönlich den Vorsitz und beauftragte seinen Vertrauten Richard Grenell mit der Neuausrichtung der Institution.
Später wurde das Kulturhaus unter öffentlichem Protest in „Trump Kennedy Center“ umbenannt. Zur Begründung hieß es, die Einrichtung sei zu „woke“ gewesen – ein Begriff, der in konservativen Kreisen für als zu linksliberal empfundene Ideologien verwendet wird.
Versprechen der weltbesten Einrichtung
Auch baulich will Trump den prunkvollen Komplex am Potomac-Fluss nach seinen Vorstellungen umgestalten. Nach Fertigstellung werde es „die weltweit beste Einrichtung ihrer Art“ sein, versprach er auf seiner Plattform Truth Social bereits im Februar. Nach Trumps Darstellung befindet sich der Komplex in einem sehr schlechten Zustand und sei dringend renovierungsbedürftig.
Proteste und kulturelle Konsequenzen
Das nach Präsident John F. Kennedy (1917–1963) benannte Haus zeigt traditionell Theater, Tanz und Musik. Nach der Umbenennung im Dezember und der Anbringung von Trumps Namen an der Fassade sagten mehrere Künstler ihre Auftritte aus Protest ab. Die Maßnahmen lösten in der Kulturszene erhebliche Kontroversen aus.
Kulturkampf um Steuergelder
Kritiker sehen Trumps Übernahme der auch mit Steuergeld geförderten Einrichtung als Teil eines umfassenderen Kulturkampfs. Konservative Kräfte versuchen dabei systematisch abzuschaffen, was sie als zu linksliberale Ideologie betrachten. Die Renovierung des Kennedy Centers wird somit nicht nur als bauliche Maßnahme, sondern als symbolischer Akt in diesem kulturellen Konflikt interpretiert.
Die zweijährige Schließung bedeutet einen erheblichen Einschnitt für das kulturelle Leben in der amerikanischen Hauptstadt. Während Trump die Renovierung als notwendige Modernisierung darstellt, befürchten Kritiker eine dauerhafte politische Instrumentalisierung der traditionsreichen Kultureinrichtung.



