Kulturstaatsminister Weimer: Nur Moratorium für Leipziger Bibliotheksbau - Kein endgültiger Stopp
Nach heftigen Protesten und tagelanger Kritik hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nun klargestellt, dass der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig noch nicht endgültig gestoppt ist. Der parteilose Politiker betonte in Berlin, dass es sich lediglich um ein Moratorium handelt, während die Bauverwaltung des Bundes die Planungsunterlagen noch abschließend prüft und die langfristige Finanzierung nicht gesichert ist.
„Das daraus resultierende Moratorium bedeutet aber nicht, dass das Vorhaben gestrichen ist“, erklärte Weimer deutlich. Diese Klarstellung erfolgt nachdem die Bibliothek vergangene Woche mitgeteilt hatte, Weimer habe sich gegen die Realisierung des Erweiterungsbaus entschieden.
Platzmangel und bereits investierte Millionen
Der geplante fünfte Erweiterungsbau sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien aufbewahren zu können - ein zentraler Auftrag der Deutschen Nationalbibliothek mit ihren Standorten in Leipzig und Frankfurt am Main. Nach Darstellung der Leitung sind die Magazinkapazitäten in Leipzig nahezu erschöpft.
In die Planung des Erweiterungsbaus flossen bereits rund sieben Millionen Euro. Der Bau selbst hätte nach Weimers Darstellung Gesamtkosten von mehr als 100 Millionen Euro verursacht.
„Breiter Konsens“ für die Bewahrung des kulturellen Erbes
Der Generaldirektor der Nationalbibliothek, Frank Scholze, wurde in Weimers Mitteilung mit den Worten zitiert: „Wir begrüßen die Entscheidung des Staatsministers sehr, den nächsten Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Baus zu gehen.“ Es sei gesetzlicher Auftrag und gesamtgesellschaftliche Verantwortung, das kulturelle Erbe im „Gedächtnis der Nation“ zu bewahren.
„Dass hierzu inzwischen ein breiter Konsens mit dem Staatsminister und der Öffentlichkeit besteht, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft unseres Landes“, erklärte Scholze weiter.
Verpflichtung gegenüber dem schriftlichen Kulturerbe
Weimer selbst betonte: „Selbstverständlich ist und bleibt der Bund der Deutschen Nationalbibliothek als Schatzkammer unseres schriftlichen Kulturerbes verpflichtet, ebenso wie ihrem Standort in Leipzig.“ Bei der Umsetzung des Sammelauftrags werde man künftig auch die Möglichkeiten der Digitalisierung stärker einsetzen.
Aber man werde „gemeinsam auch in Zukunft den Erhalt eingehender physischer Medienwerke sicherstellen“. Diese Aussage korrigiert frühere Äußerungen, wonach Weimer über einen Sprecher hatte erklären lassen: „Grundsätzlich strebt Staatsminister Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden.“
Die Klarstellung des Kulturstaatsministers kommt nach tagelanger öffentlicher Kritik und Protesten gegen den vermeintlichen Stopp des Erweiterungsbaus. Die Deutsche Nationalbibliothek bleibt damit weiterhin im Fokus der kulturpolitischen Debatte um die Bewahrung des nationalen Schriftguts.



