Titanic-Rettungsweste erzielt Rekordpreis bei britischer Auktion
Mehr als ein Jahrhundert nach der Tragödie des als unsinkbar geltenden Luxusliners Titanic sorgt ein außergewöhnliches Relikt für Aufsehen. Bei einer Auktion im englischen Devizes wurde am Wochenende eine originale Rettungsweste aus dem Jahr 1912 für die beeindruckende Summe von rund 770.000 Euro versteigert. Damit übertraf der tatsächliche Erlös die vorherigen Schätzungen des Auktionshauses Henry Aldridge and Son bei weitem, die zwischen 290.000 und 400.000 Euro lagen.
Historisches Stück mit bewegender Geschichte
Die besondere Bedeutung dieser Schwimmweste liegt nicht nur in ihrem Alter von über 114 Jahren, sondern vor allem in ihrer dokumentierten Geschichte. Es handelt sich um eines der wenigen erhaltenen Originale, deren einstiger Träger eindeutig identifiziert werden kann. Die cremefarbene Weste wurde von der damals 22-jährigen Laura Mabel Francatelli getragen, die als Passagierin der ersten Klasse den Untergang der Titanic überlebte.
Die aus zwölf mit Kork gefüllten Segeltuchtaschen bestehende Weste mit Schulterstützen und Seitengurten trug Francatelli, bevor sie an Bord des Rettungsboots Nr. 1 stieg. Zusammen mit anderen Überlebenden signierte sie das historische Stück nach ihrer Rettung, was seine Authentizität und emotionale Bedeutung zusätzlich unterstreicht.
Familienbesitz und Museumsausstellungen
Nach Angaben verschiedener Medienberichte blieb die Titanic-Rettungsweste fast ein Jahrhundert lang im Besitz der Familie Francatelli, bevor sie vor etwa zwanzig Jahren von einem privaten Sammler erworben wurde. In den folgenden Jahren war das historische Stück in bedeutenden Ausstellungen zu sehen, darunter im weltweit größten Titanic-Museum in Pigeon Forge im US-Bundesstaat Tennessee und zuletzt im Museum Titanic Belfast in Nordirland.
Die Auktion am Samstag wurde von einem nicht identifizierten Telefonbieter gewonnen, der den Zuschlag für die Rekordsumme erhielt. Neben der Schwimmweste wurden weitere Titanic-Relikte versteigert, darunter ein Sitzkissen aus einem der Rettungsboote, das für gut 448.000 Euro an die Besitzer zweier Titanic-Museen verkauft wurde.
Anhaltendes Interesse an Titanic-Geschichte
Auktionator Andrew Aldridge kommentierte die Rekordpreise mit den Worten: „Diese Rekordpreise verdeutlichen das anhaltende Interesse an der Geschichte der Titanic und den Respekt vor den Passagieren und der Besatzung, deren Geschichten durch diese Erinnerungsstücke verewigt wurden.“
Der bisherige Rekordauktionspreis für ein Titanic-Erinnerungsstück liegt bei rund 1,8 Millionen Euro, die 2024 für eine goldene Taschenuhr gezahlt wurden. Diese Uhr war einst dem Kapitän des Rettungsschiffs RMS Carpathia geschenkt worden, das etwa 700 Überlebende der Titanic-Katastrophe barg.
Die Tragödie des Luxusliners ereignete sich in der Nacht des 14. April 1912, als die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York mit einem Eisberg kollidierte und innerhalb von drei Stunden sank. Etwa 1500 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben, während rund 700 Personen, darunter Laura Mabel Francatelli, überlebten.
Die versteigerte Rettungsweste stellt nicht nur ein seltenes historisches Artefakt dar, sondern auch ein bewegendes Zeugnis der menschlichen Überlebensgeschichte und der anhaltenden Faszination, die die Titanic-Katastrophe mehr als ein Jahrhundert später noch immer ausübt.



