Prignitzer Theatermacher veröffentlicht zwei literarische Werke
Hans Serner, der gemeinsam mit seiner Frau Claudia in Lindenberg in der Gemeinde Groß Pankow das renommierte Marion-Etten-Theater betreibt, hat sich erneut als Buchautor bewiesen. Der in der Prignitz bekannte Künstler präsentiert gleich zwei neue literarische Werke, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Während das eine auf einer historischen Raubritter-Legende aus Kyritz basiert, lässt sich das andere von der weltberühmten Tagebuchautorin Anne Frank inspirieren.
Die Bassewitz-Saga: Eine Legende neu interpretiert
Die Geschichte vom Raubritter Kurt von Bassewitz, der im Jahr 1411 mit dem Schwert „an der Knatter“ hingerichtet worden sein soll, kennt in Kyritz jedes Kind. Hans Serner hat diese überlieferte Legende nun in einer 54-teiligen Bildergeschichte neu aufgearbeitet. „Es gibt in alten Chroniken lediglich den Hinweis, dass Kyritz zweimal einen Überfall abgewehrt hat. Mehr gibt es da eigentlich nicht“, erklärt Serner im Gespräch. Ein Ritter von Bassewitz tauche erst viel später in den historischen Aufzeichnungen auf.
Die Sage sei im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut worden, was dem Autor bei seiner Erzählung beträchtliche kreative Freiheiten ermöglichte. „Da ist sehr wenig überliefert“, betont Serner. „Bei der Sage stellen sich mir auch einige Fragen.“ So kehrte Bassewitz der Legende zufolge angeblich erst 30 Jahre nach seinem ersten gescheiterten Angriff zurück und soll durch einen selbst gegrabenen Tunnel in die Stadt eingedrungen sein. „Das hätte er zeitlich niemals geschafft“, ist Serner überzeugt.
Interessant wird die Geschichte für den Autor durch historische Quellen, die belegen, dass in Kyritz der Prignitzer Silbertaler geprägt wurde – eine Währung, die in der gesamten Region als Zahlungsmittel diente. „Und da wird es für mich interessant“, berichtet Serner. Er habe sich gefragt, was einen Mecklenburger in die Prignitz gezogen haben könnte. Die Antwort liegt für ihn nahe: das viele Geld, das in Kyritz gelagert wurde.
Bildergeschichte mit lakonischem Humor und moralischer Botschaft
Serner erzählt die Geschichte in selbst gemalten Bildern und kurzen Versen, die von einem charakteristischen lakonischen Humor geprägt sind. Die Handlung gipfelt in einem dramatischen Finale: Eine Hausfrau übergießt den Räuber mit heißem Brei, am Ende wird sein Kopf triumphierend hochgehalten. Den Abschluss bildet eine Predigt des Pfarrers von der Kanzel, die der Geschichte eine moralische Dimension verleiht.
„Damit dient die Geschichte eher der Disziplinierung der Kyritzer“, ist Serner überzeugt. „Nach dem Motto: Schuster, bleib' bei Deinen Leisten, kümmere Dich nicht um fremdes Gut.“ Das berühmte Bassewitz-Schwert, mit dem der Raubritter angeblich hingerichtet wurde, wird heute zusammen mit einer historischen Bibel im Kyritzer Rathaus verwahrt.
Pigelpugel und die Suche nach der Bedeutung der Kunst
Das zweite Buch des Autors beinhaltet gleich zwei Geschichten. „Pigelpugel, der Ausreißer“ erzählt von einem Clown, der in die Welt hinauszieht. „Das ist eine Selbstfindungsgeschichte. Pigelpugel fragt sich, wofür ein Clown eigentlich gut ist“, erläutert Serner. Im Kern gehe es um die grundlegende Bedeutung der Kunst: „Will man nur gefallen, oder für wen macht man das?“ So viel sei verraten: Pigelpugel findet seine Aufgabe – und auch wieder den Weg nach Hause zurück.
Anne Franks Erbe: Eine stille Hommage in Bildern
Die zweite Erzählung in diesem Band trägt den Titel „Der Ausflug“ und wurde von Anne Frank (1929–1945) inspiriert. Das deutsch-jüdische Mädchen, dessen Tagebuch weltberühmt wurde, verfasste während der Zeit, in der sich die Familie in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazis versteckte, zahlreiche autobiografische Texte und Geschichten. 1988 erschien das Buch „Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus“, das diese Werke versammelt.
Eine Erzählung aus diesem Taschenbuch – „Blurry, der Weltentdecker“ – hat Hans Serner zu einer eigenen Bildergeschichte angeregt. „Der Ausflug“ erzählt die Geschichte eines Teddybären, der von zu Hause ausreißt, um die Welt zu sehen, ausschließlich anhand von Schwarz-Weiß-Bildern – ohne eine einzige Textzeile. Am Ende kehrt er enttäuscht von seinen Erfahrungen zurück.
„Ich wollte aus rechtlichen Gründen auf den Text von Anne Frank verzichten“, erklärt Serner. „Denn ich hätte wohl den Verlag und die Erben um Genehmigung bitten müssen.“ Doch der Autor kommt auch ohne Worte aus. Entstanden ist eine eigenständige Geschichte, die lediglich Motive der Erzählung von Anne Frank aufgreift. „Ich versuche, diesen leisen Humor, den sie hatte, behutsam zu übernehmen.“
Die Bücher im Handel erhältlich
Interessierte können sich selbst ein Bild von Serners literarischem Schaffen machen: „Bassewitzsaga“ (ISBN: 978-3-95996-310-7) und „Pigelpugel, der Ausreißer & Der Ausflug“ (ISBN: 978-3-8192-6161-9) sind im Buchhandel oder online erhältlich. Beide Werke zeigen die vielfältige künstlerische Bandbreite des Prignitzer Theatermachers, der historische Legenden ebenso einfühlsam behandelt wie zeitlose Fragen nach der Bedeutung von Kunst und Menschlichkeit.



