Generationen verbinden sich auf der Bühne: Püttiwood probt für Stadtjubiläum in Parchim
In der Parchimer Kulturmühle am Fischerdamm herrscht am Montagabend äußerlich Ruhe. Das Museum und die Touristinformation haben geschlossen, das Theater hat spielfrei. Doch im vierten Stock brennt Licht auf der Probebühne, wo es alles andere als still ist. Die Bürgerbühne „Pütter Bretter“ und der Theaterjugendclub proben intensiv für ihr neues gemeinsames Stück, das Ende Mai Premiere feiern wird.
Professionelle Anleitung für Laien-Schauspieler
Angeleitet werden die Hobby-Schauspieler von den Theater-Profis Marlene Eiberger und Bastian J. Simon. Die beiden Ensemble-Mitglieder führen im Stück „Das Festkomitee“ Regie und vermitteln der Truppe schauspielerische Grundlagen. Theater-Dramaturgin Katja Mickan erklärt: „Das Stück ist an Alan Ayckbourns „Ten Times Table“ von 1977 angelehnt, spielt jedoch nicht im britischen Pendon, sondern in Parchim – passend zum 800. Stadtgeburtstag.“
Bastian Simon betont die besondere Zusammensetzung der Gruppe: „Es ist spannend, wie bunt die Truppe in diesem Jahr ist.“ Marlene Eiberger ergänzt: „Durch die Kooperation mit dem Theaterjugendclub ist die Gruppe richtig bunt gemischt. Die jüngsten Mitstreiter sind 13 Jahre alt, die Älteste 90. Trotz des Generationenunterschieds harmonieren alle hervorragend miteinander.“
Generationenkonflikt als zentrales Thema
Der Generationenunterschied beziehungsweise ein Generationenkonflikt ist auch im Stück selbst thematisiert. Corinna, selbst Teil der Gruppe, hat das Werk umgeschrieben und angepasst. „Dass sie das Stück für uns angepasst hat, ist für uns eine Luxussituation“, sind sich Eiberger und Simon einig.
In den Text sollen auch die persönlichen Erfahrungen und Ansichten der Mitglieder einfließen. Schauspieler und Theaterpädagoge Bastian Simon schildert: „Uns interessiert, wie die einzelnen Menschen hier den Generationenkonflikt erleben und ob ihnen einzelne Situationen im Text begegnen.“ Die Gruppe hat sich bewusst für eine größere Besetzung entschieden.
Im Stuhlkreis tauschen sich die Teilnehmer intensiv aus. Eine Teilnehmerin bemerkt, dass sich ältere Menschen im Alltag manchmal nicht abgeholt fühlen und die Interaktion mit jungen Menschen vermissen. Eine andere thematisiert die Risiken im Umgang mit sozialen Medien, von denen sie befürchtet, dass sie jungen Menschen nicht ausreichend bewusst sind.
„Püttiwood“ als gemeinschaftliches Projekt
Zum ersten Mal in dieser Spielzeit traf sich die Gruppe im Oktober. „Einen gemeinsamen Termin zu finden war gar nicht so einfach“, erzählt Marlene Eiberger. Bastian Simon ergänzt: „Geklappt hat es aber dennoch.“ Seither probt „Püttiwood“ regelmäßig einmal pro Woche, immer montags von 17 bis 19 Uhr.
Der Name „Püttiwood“ ist eine kreative Kreation aus dem Begriff Pütter Bretter und Hollywood. Eiberger erklärt die Namensschöpfung: „Denn schließlich sind es nicht nur die Pütter Bretter, sondern auch der Theaterjugendclub. Beide Gruppen haben gemeinsam überlegt, und dieser Name ist dabei herausgekommen.“
Vom sicheren Raum zur Entfaltung
„Inzwischen sind die Proben und das Theater ein sicherer Raum für die Teilnehmer geworden“, betont das Leitungsteam. Vor allem die Jugendlichen zeigten anfangs deutliche Schüchternheit. „Davon ist mittlerweile nichts mehr zu merken“, stellt der Theaterpädagoge fest. Marlene Eiberger fügt hinzu: „Alle vertrauen sich hier gegenseitig und entdecken auch neue Seiten an sich selbst. Es macht einfach großen Spaß.“
Von Neulingen bis zu erfahrenen Darstellern
Eine der tragenden Rollen hat Max übernommen, der bereits seit mehreren Spielzeiten Teil der Pütter Bretter ist. „Obwohl ich schon seit zehn Jahren dabei bin, nehme ich jedes Mal etwas Neues mit“, sagt der junge Mann nach der Probe. Auch Yvon, Doris, Mandy und Marén sind mit Engagement bei den Proben dabei.
Als am Ende der Probe die Lichter in der Kulturmühle ausgehen, sind sowohl die Hobby-Schauspieler als auch die Profis zufrieden mit dem Fortschritt. Bis zur Premiere bleibt zwar noch einiges zu tun, doch die Motivation ist ungebrochen.
Premiere zum Stadtjubiläum
Die Premiere von „Das Festkomitee (Next Generation)“ findet am 30. Mai in der Kulturmühle statt – passend zum Beginn der Festwoche in Parchim vom 30. Mai bis 7. Juni. Eine weitere Vorstellung ist für den 31. Mai geplant. Das generationsübergreifende Projekt verspricht nicht nur unterhaltsames Theater, sondern auch einen lebendigen Dialog zwischen Jung und Alt.



