Die Fitness-Serie Hyrox erlebt einen weltweiten Aufschwung. Was 2017 mit 650 Teilnehmern in Hamburg begann, soll laut den Machern in diesem Jahr auf 1,8 Millionen Aktive anwachsen. Mitgründer Moritz Fürste, zweimaliger Hockey-Olympiasieger, blickt bereits auf 2032 und die olympische Bühne. Die Kombination aus Krafttraining und Laufen trifft offenbar einen Nerv – und das nicht nur in Deutschland.
Die Idee hinter der Hybrid-Racing-Serie
Hyrox wurde 2017 von Moritz Fürste und dem Sporteventmanager Christian Toetzke ins Leben gerufen. Die Grundidee: Menschen, die regelmäßig im Fitnessstudio trainieren und Kraft- sowie Cardiosport betreiben, eine Wettkampfbühne zu geben. „Unsere These war: Genau dort gibt es in der Welt des Sports eine Lücke“, sagte Fürste der Deutschen Presse-Agentur. Der 44-Jährige, der mit der Hockey-Nationalmannschaft 2008 in Peking und 2012 in London Gold holte und 2016 in Rio Bronze, wollte eine Bühne für alle schaffen, die über Bodybuilding hinaus einen hybriden Wettkampf suchen.
Der Ablauf: Acht Kilometer und acht Kraftstationen
Das Prinzip ist simpel, aber anspruchsvoll: Die Teilnehmer laufen achtmal einen Kilometer und absolvieren dazwischen jeweils eine von acht Kraftstationen. Das Zeitlimit gibt es nicht, doch die Stundengrenze gilt als magische Schallmauer. Die Übungen sind festgelegt und erfordern Ausdauer, Kraft und Koordination. Im Einzelnen stehen an:
- SkiErg: 1000 Meter am Skiergometer
- Sled Push: einen Schlitten mit Gewichten 50 Meter nach vorn schieben
- Sled Pull: den Schlitten 50 Meter an einem Seil ziehen
- Burpee Broad Jumps: 80 Meter weite Sprünge aus dem Liegestütz
- Rudern: 1000 Meter am Rudergerät
- Farmers Carry: 200 Meter Gehen mit Gewichten in beiden Händen
- Sandbag Lunges: 100 Meter Ausfallschritte mit Sandsack auf den Schultern
- Wall Balls: 100 Medizinball-Würfe aus der Hocke an die Wand
Die Wettkämpfe finden ausnahmslos in Hallen statt. Das schützt vor Wetterkapriolen und schafft eine eigene Atmosphäre. DJ-Musik und Lichteffekte sorgen für Event-Charakter, wie Fürste betont. „Die Entwicklung in dieser Form haben wir uns damals auch nur erträumen können, aber nicht erahnen“, erklärt er im Rückblick.
Weltweite Expansion und Teilnehmerzahlen
Was einst als kleine Veranstaltung an der Alster begann, ist längst eine globale Serie. Allein im August 2025 stehen Rennen in Chengdu und Shenzhen (China), im japanischen Chiba, in Istanbul, Bangkok, Kapstadt und im australischen Perth an. Im September folgt Washington, D.C. Insgesamt werden laut Veranstalter in diesem Jahr mehr als 100 Wettkämpfe weltweit angeboten. Die Prognose für 2025 liegt bei 1,8 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern; für 2027 planen die Verantwortlichen bereits mit 2,5 Millionen.
Das Wettkampfformat bietet verschiedene Divisionen: Open, Pro, Doubles, Pro Doubles, Staffel sowie Adaptive für Sportler mit Behinderung. Zudem gibt es Wertungen nach Altersklassen. Für die Elite-Klasse werden Weltmeistertitel vergeben, für die man sich in der Regel über Qualifikationsrennen qualifizieren muss.
Kosten, Ausrüstung und Community
Die Startgebühr liegt zwischen 89 und 130 Euro, ein optionales Fotopaket kann hinzugebucht werden. Die Sportgeräte werden vor Ort gestellt – die Teilnehmer brauchen lediglich Sportschuhe und Sportkleidung. Die Organisatoren setzen außerdem auf den Social-Media-Effekt: „Wenn Menschen weltweit Fotos von Hyrox auf Social Media posten, sind sie natürlich auch unsere Multiplikatoren und unser Marketing“, so Fürste. Diese Community-Bildung trägt maßgeblich zum rasanten Wachstum bei.
Der Weg Richtung Olympia
Fürste, der auch als Markenbotschafter gilt, hat mit Hyrox ein klares Fernziel: „Wir haben das klare Ziel, für die Spiele 2032 erstmals bei der Bewerbungsperiode mitzumachen.“ Er sieht Hybrid Racing als eine Sportart, die Olympia brauche – als Zuschauerspektakel und Ergänzung zu den traditionellen Disziplinen. „Wir glauben, dass Hybrid Racing, wozu Hyrox gehört, ein zeigbarer und Zuschauerspektakel-Sport ist, den Olympische Spiele brauchen“, sagt er. Seit Oktober 2024 gehört Hyrox dem Triathlon-Weltverband World Triathlon an – ein erster wichtiger Schritt in Richtung olympische Anerkennung.
Ein Trend mit Zukunft?
Die Verbindung aus Laufen und Krafttraining ist nicht neu, aber Hyrox hat sie in ein standardisiertes, global vermarktbares Format gegossen. Die Zahlen sprechen für sich: von 650 auf 1,8 Millionen Teilnehmer in acht Jahren. Ob die Olympischen Spiele 2032 wirklich Einzug halten, bleibt abzuwarten – der Boom jedenfalls zeigt, dass der Bedarf an hybriden Wettkampfformaten enorm ist.



