Zverev wettert gegen ATP-Masters-Format: 'Das ist Unsinn'
Zverev wettert gegen ATP-Masters-Format: 'Das ist Unsinn'

Montreal – Alexander Zverev hat vor seinem Auftritt beim ATP-Masters in Montreal kein Blatt vor den Mund genommen. Der 29-Jährige attackierte das aktuelle Format der Masters-1000-Turniere, die seit 2023 über knapp zwei Wochen laufen. „Wenn man uns zwingt, während der Grand-Slam-Turniere zweieinhalb bis drei Wochen unterwegs zu sein, und dasselbe gilt dann auch für die Masters-Turniere, man kann uns nicht zwingen, zu spielen. Tut mir leid, das ist Unsinn", wetterte der Olympiasieger von 2021.

Die Kritik kommt wenige Tage vor Turnierbeginn in Montreal, wo ausgerechnet die beiden Superstars Jannik Sinner und Novak Djokovic ihre Teilnahme abgesagt haben. Für Zverev ist das keine Überraschung. „Das ist keine Raketenwissenschaft", sagte er mit Blick auf die Terminbelastung. Die langen Turnierwochen hinterließen Spuren – nicht nur bei ihm, sondern in der gesamten Spitzengruppe. Schließlich umfasst die Masters-Serie neun Turniere auf drei Kontinenten, von Indian Wells über Monte Carlo bis Shanghai. Die Reisestrapazen sind enorm.

Bonus-System: 50.000 Euro sind für Top-Stars Peanuts

Ein zentraler Punkt in Zverevs Kritik ist die Prämienregelung der ATP. Wer alle neun Masters-Turniere einer Saison bestreitet, erhält am Jahresende einen Bonus. Doch dieser finanzielle Anreiz verpufft laut Zverev bei den absoluten Topverdienern. „Glaubst du, Novak interessiert es, ob er einen größeren Bonus bekommt? Ich schätze, der Typ hat – wenn ich raten müsste – weit über 400 Millionen auf seinem Bankkonto. Ich bin mir nicht sicher, ob ihm 50.000 mehr oder weniger etwas ausmachen würden", erklärte der Deutsche.

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Die Rechnung ist offensichtlich: Während 50.000 Euro für viele Spieler auf der Tour eine Menge Geld sind, spielen sie für Spieler wie Djokovic oder Sinner kaum eine Rolle. Zverevs Argumentation zielt daher auf eine grundlegende Reform der Turnierstruktur ab, bei der die Gesundheit der Athleten im Mittelpunkt stehen müsse.

Masters-1000: Von einer Woche auf fast zwei

Bis 2023 waren die neun Masters-Turniere auf eine Woche angesetzt. Danach weitete die ATP die Dauer auf annähernd zwei Wochen aus. Was nach mehr Erholung klingt, führt aus Sicht der Spieler zu längeren Aufenthalten am Turnierort, mehr Unterbrechungen und schwerer planbarer Regeneration. Gerade zwischen den Grand Slams, die ohnehin zwei Wochen dauern, wird die Belastung dadurch enorm. Die letzten beiden Grand Slams des Jahres – Wimbledon und die US Open – liegen nur wenige Wochen auseinander; dazwischen finden mit Montreal, Cincinnati und gegebenenfalls weiteren Turnieren gleich mehrere große Events statt.

Zverev spricht hier aus leidvoller Erfahrung. Der gebürtige Hamburger hat in seiner Karriere immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt und musste mehrfach längere Pausen einlegen. Die langen Turniere machen es seiner Ansicht nach schwerer, den Körper zu regenerieren und rechtzeitig wieder in Form zu kommen. Genau deshalb richtet sich seine Kritik nicht nur an die ATP, sondern auch an die Turnierverantwortlichen, die von längeren Events profitieren.

Zverev will trotz Kritik in Montreal spielen

Doch anstatt sich wie Sinner oder Djokovic zu schonen, steht Zverev in Montreal auf dem Platz. Sein Ziel: Vor den US Open Ende August Wettkampfpraxis sammeln. Nach seinem historischen French-Open-Sieg im Mai – dem ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere – und der Niederlage gegen Sinner in Wimbledon will der 29-Jährige auch in New York angreifen. Die Masters-Turniere dienen ihm dabei als wichtige Standortbestimmung, selbst wenn er das Format kritisiert.

Ob die ATP auf die Kritik der Spieler reagieren wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Mit Zverev hat sich einer der prominentesten Spieler der Tour klar positioniert. Sein Fazit ist unmissverständlich: Das aktuelle System sei nicht tragfähig – und eine Anpassung überfällig. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Spielerorganisationen den Druck erhöhen und die Turnierstruktur tatsächlich reformiert wird.

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