Der Spiegel hat am 3. August 2026 einen interaktiven Rechner zum Heizen mit Gas und Öl vorgestellt. Das Tool erlaubt es Mietern, Vermietern und Eigentümern, die mögliche Kostenentwicklung für ihre individuelle Situation zu berechnen. Hintergrund ist das neue Heizungsgesetz, das den Einbau fossiler Heizungen wieder zulässt.
Die Autoren Henning Jauernig und Bernhard Riedmann warnen allerdings vor Euphorie: Öl- und Gasheizungen könnten zur Kostenfalle werden. Der Rechner soll helfen, genau diese Gefahr sichtbar zu machen, indem er verschiedene Szenarien durchspielt. Der Artikel ist allerdings nur für Abonnenten des Spiegel zugänglich.
Der Rechner kommt in einer Phase großer Verunsicherung. Viele Hauseigentümer müssen sich entscheiden, ob sie ihre alte Heizung ersetzen oder auf eine neue Technik umrüsten. Genau diese Entscheidung will der Spiegel mit dem interaktiven Tool erleichtern.
Das neue Heizungsgesetz im Überblick
Das Heizungsgesetz, auch als Gebäudeenergiegesetz bekannt, wurde in der vergangenen Legislaturperiode heftig debattiert. Nachdem zunächst ein weitgehender Einbau-Stopp für neue Öl- und Gasheizungen geplant war, sieht die novellierte Fassung nun wieder Ausnahmen vor. Damit hat sich die Rechtslage grundlegend geändert.
Für Hausbesitzer bedeutet das: Sie dürfen sich wieder für eine fossile Heizung entscheiden. Allerdings ist diese Entscheidung mit Unsicherheiten verbunden. Der Spiegel-Rechner zeigt auf, dass die langfristigen Kosten erheblich von den derzeitigen Preisen abweichen können. Die Autoren empfehlen, die Ergebnisse als Entscheidungshilfe zu nutzen.
So arbeitet der Rechner
Die Anwendung ist so gestaltet, dass sie von Laien ohne technisches Fachwissen genutzt werden kann. Das Tool unterscheidet drei Zielgruppen: Mieter, Vermieter und Eigentümer. Nach der Auswahl der eigenen Rolle führt ein kurzer Fragebogen durch die relevanten Abfragen. Erfasst werden unter anderem die Wohnfläche, der Heizungstyp und der jährliche Verbrauch.
Auf dieser Grundlage berechnet der Rechner eine Schätzung der zukünftigen Heizkosten. Die Darstellung erfolgt in einer übersichtlichen Grafik, die den zeitlichen Verlauf abbildet. Auf diese Weise können Nutzer erkennen, ab wann eine Gasheizung besonders teuer werden könnte. Auch der Vergleich mit alternativen Heizungsarten ist möglich.
Die Autoren betonen, dass es sich um eine Modellrechnung handelt, nicht um eine verbindliche Prognose. Die tatsächlichen Kosten hängen von vielen Faktoren ab, etwa der Preisentwicklung auf dem Energiemarkt oder dem individuellen Verbrauchsverhalten. Dennoch bietet der Rechner eine wertvolle Orientierung.
Warum die Kostenfalle droht
Der Spiegel macht in seiner Analyse deutlich, dass die Erlaubnis für Öl- und Gasheizungen nicht wie eine langfristige Zusage verstanden werden sollte. Die Energiemärkte sind volatil, und die politischen Rahmenbedingungen können sich ändern. Wer heute investiert, geht ein finanzielles Risiko ein.
Der Rechner illustriert, dass die laufenden Kosten für Gas und Öl in den kommenden Jahren deutlich steigen könnten. Auch mögliche Zusatzkosten durch staatliche Abgaben sind in den Szenarien berücksichtigt. Die Autoren raten deshalb, verschiedene Varianten durchzurechnen.
Besonders wichtig ist der Zeithorizont. Eine Heizung hat eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. Was heute wirtschaftlich erscheint, kann sich über diesen Zeitraum als teure Fehlinvestition erweisen. Der Rechner hilft, solche längerfristigen Effekte besser zu verstehen.
Wer von dem Angebot profitiert
Das Tool ist besonders für Eigentümer relevant, die eine alte Heizung ersetzen müssen. Auch Vermieter, die eine neue Heizung einbauen wollen, erhalten Aufschluss über die zu erwartenden Kosten. Mieter können prüfen, welche Nebenkosten auf sie zukommen, wenn der Vermieter modernisiert.
Der Artikel hinter der Bezahlschranke enthält zusätzliche Erklärungen zu den Ergebnissen und gibt konkrete Hinweise für die Interpretation. Ohne ein Abo ist nur die Einleitung sichtbar. Der Rechner selbst ist in den Artikel integriert und erfordert eine aktive Eingabe der Nutzer.
Der Spiegel weist darauf hin, dass der Rechner keine individuelle Energieberatung ersetzt. Jedes Gebäude hat eigene Charakteristika, die das Ergebnis beeinflussen können. Vor einer Investitionsentscheidung sollte deshalb immer ein Fachbetrieb hinzugezogen werden.
Fazit
Das neue Heizungsgesetz erweitert die Entscheidungsmöglichkeiten für Verbraucher, birgt aber auch Tücken. Der Spiegel-Rechner leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung, indem er die langfristigen Kosten von Gas- und Ölheizungen abschätzbar macht. Wer vor einer Investition steht, sollte die Zahlen genau prüfen.
Der interaktive Ansatz des Rechners ist eine zeitgemäße Art, komplexe Zusammenhänge zu vermitteln. Er zeigt, dass die vermeintlich einfache Rückkehr zur Gasheizung in den kommenden Jahren deutlich teurer werden kann, als es auf den ersten Blick erscheint. Genau diese Erkenntnis ist wertvoll für alle, die über eine neue Heizung nachdenken.



