Nachfrage nach Biolebensmitteln wächst trotz hoher Preise
Nachfrage nach Biolebensmitteln wächst trotz Preisen

Der Umsatz mit Biolebensmitteln ist im zweiten Quartal 2026 erneut gewachsen: Der deutsche Einzelhandel erzielte zwischen April und Juni mit ökologisch erzeugten Produkten einen Umsatz von 4,75 Milliarden Euro. Wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) mitteilte, entspricht das einem Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im gesamten ersten Halbjahr lagen die Erlöse bei mehr als 9,6 Milliarden Euro. Damit setzt sich der Trend fort, dass Verbraucher trotz Inflation und hoher Lebensmittelpreise verstärkt zu Bio-Produkten greifen.

Der BÖLW wies darauf hin, dass das Umsatzwachstum nicht um die Preissteigerungen bereinigt wurde. Das Wachstum liege jedoch deutlich über den Preisaufschlägen. „Biolebensmittel stehen auch in Krisenzeiten ganz oben auf der Einkaufsliste der Deutschen: Da gehören sie auch hin“, erklärte BÖLW-Chefin Tina Andres. Die Organisation vertritt als Dachverband die Interessen der gesamten Bio-Lebensmittelwirtschaft – von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Handel.

Drogeriemärkte als Wachstumstreiber

Besonders dynamisch entwickeln sich die Drogeriemärkte. Ketten wie dm und Rossmann haben ihr Sortiment an Biolebensmitteln in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Neben klassischen Produkten wie Obst, Gemüse und Milchprodukten führen sie inzwischen auch Bio-Snacks, vegane Fertiggerichte, Babykost und Tee. Diese Ausweitung zahlt sich aus: Die Umsätze der Drogeriemärkte mit Bio-Produkten stiegen im zweiten Quartal um fast 20 Prozent – ein Wachstum, das deutlich über dem Gesamtmarkt liegt.

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Dennoch ist ihr Anteil am gesamten Bio-Lebensmittelhandel mit rund 12,5 Prozent noch vergleichsweise moderat. Angesichts der hohen Filialdichte und der stetig wachsenden Bio-Nachfrage dürfte dieser Anteil weiter zunehmen. Drogeriemärkte profitieren davon, dass sie Kunden auch außerhalb des Lebensmitteleinkaufs erreichen und Bio als Teil eines nachhaltigen Lebensstils positionieren.

Bio-Fachhandel: Stagnation beim Umsatz

Im Gegensatz dazu steht der Bio-Fachhandel unter Druck. Sein Umsatz stagnierte im zweiten Quartal bei 0,82 Milliarden Euro. Der BÖLW führt dies zum einen auf die insgesamt verhaltene Konsumstimmung zurück. Zum anderen verändert sich das Einkaufsverhalten: Immer mehr Verbraucher kaufen Bio-Produkte im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel oder eben in Drogerien. Das spiegelt einen grundlegenden Strukturwandel im Markt wider, der den spezialisierten Fachhandel vor wachsende Herausforderungen stellt.

Die Vollsortimenter, also Supermarktketten wie Rewe und Edeka, verzeichneten im zweiten Quartal immerhin einen Umsatzzuwachs von fünf Prozent bei Bio-Produkten. Laut BÖLW hat sich hier der konsequente Ausbau der Bio-Eigenmarken ausgezahlt. Diese Eigenmarken liegen preislich oft unter den Markenprodukten und senken so die Einstiegshürde für Verbraucher, die beim Einkauf aufs Geld achten müssen.

Datengrundlage und Marktforschung

Die Zahlen des BÖLW basieren auf einer Erhebung, die der Verband gemeinsam mit der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AIG) durchgeführt hat. Als Grundlage dienten unter anderem Daten der Marktforschungsinstitute Yougov und NIQ Nielsen. Die Erhebung erfasst den gesamten Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland, einschließlich Drogerien und Fachgeschäfte.

Die Entwicklung zeigt: Biolebensmittel sind längst im Massenmarkt angekommen. Trotz Inflation und angespannter Haushaltsbudgets betrachten viele Verbraucher Bio-Produkte offenbar als festen Bestandteil ihres Einkaufskorbs. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt neben der Preisentwicklung auch davon ab, ob Handel und Politik die Weichen für einen weiteren Ausbau des ökologischen Landbaus stellen. Der BÖLW fordert seit Jahren eine verlässliche Förderung der Bio-Branche, um die wachsende Nachfrage mit heimischer Erzeugung decken zu können.

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