Die Bezirksleiterin von IG Metall Baden-Württemberg, Barbara Resch, hat die Arbeitgeber in ihrem Zuständigkeitsbereich vor einer Konfrontationspolitik gewarnt. „Die Beschäftigten lassen sich nicht erpressen“, sagte Resch in einer Stellungnahme, die am Montag in Stuttgart veröffentlicht wurde. Damit reagierte sie auf jüngste Äußerungen mehrerer Unternehmen, die im Gegenzug für betriebliche Bündnisse zur Beschäftigungssicherung tiefgreifende Einschnitte bei Arbeitszeiten und Zuschlägen verlangen.
Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall stehen viele Betriebe angesichts der schwachen Konjunktur und des Strukturwandels unter erheblichem Druck. Die Arbeitnehmervertreter verwiesen dagegen auf die guten Gewinne der vergangenen Jahre. Resch betonte, die Beschäftigten hätten durch ihren Einsatz den Wohlstand des Landes gesichert.
Ein Signal an die Arbeitgeber
Mit ihrer Aussage sendet die Gewerkschaft ein klares Signal an die Arbeitgeber: Einschüchterungsversuche werden nicht akzeptiert. Resch machte deutlich, dass die IG Metall sehr wohl bereit sei, über flexible Arbeitszeitmodelle oder neue Formen der Entgeltumwandlung zu sprechen. Sie ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass eine Lösung nicht unter dem Druck von Stellenstreichungen erfolgen könne. Besonders kritisch sieht sie die Strategie, betriebliche Bündnisse mit der Drohung von Standortschließungen zu verknüpfen. Das sei eine Form von Erpressung, die das Vertrauen in den Belegschaften zerstöre. Stattdessen fordert die IG Metall Investitionen in Zukunftstechnologien, Qualifizierungsprogramme und eine verbindliche Personalplanung.
Die IG Metall hat bereits in der Vergangenheit auf betriebliche Bündnisse gesetzt, um Arbeitsplätze zu sichern. Diese Bündnisse dürften jedoch nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen. Resch verwies darauf, dass die Unternehmen in der Krise Kurzarbeit und staatliche Hilfen in Anspruch genommen hätten, ohne dass die Beschäftigten daraus einen bleibenden Vorteil gezogen hätten. Nun sei es an der Zeit, dass die Arbeitgeber Verantwortung übernähmen.
Ein Klima der Angst
Die Gewerkschaft beobachtet mit Sorge, dass viele Beschäftigte angesichts der öffentlichen Diskussion über Werksschließungen verunsichert sind. Resch kritisierte, dass die Arbeitgeber Ängste schürten, um in den Verhandlungen Zugeständnisse durchzudrücken. Dabei seien es die Beschäftigten, die durch ihren täglichen Einsatz die Unternehmen durch die Krisen der vergangenen Jahre getragen hätten. Die IG Metall fordere daher einen Modernisierungspakt für die Industrie, der sowohl wirtschaftliche als auch soziale Aspekte berücksichtige. Dazu gehörten verbindliche Absprachen zum Erhalt von Arbeitsplätzen, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Schutz für Beschäftigte, deren Tätigkeiten von Automatisierung bedroht seien.
Barbara Resch: Die starke Frau an der Spitze
Barbara Resch ist die Bezirksleiterin von IG Metall Baden-Württemberg. In ihrer Funktion vertritt sie einen der größten Bezirke der Gewerkschaft. Sie gilt als erfahrene Tarifpolitikerin, die für klare Worte bekannt ist. In der Öffentlichkeit tritt sie regelmäßig als Anwältin der Beschäftigten auf. Ihre politische Linie ist geprägt von der Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung zusammen gedacht werden müssen. Diese Haltung macht sie zu einer fordernden Gesprächspartnerin für Arbeitgeber, aber auch zu einer verlässlichen Stimme in der Gewerkschaft.
Ausblick auf die Tarifrunde
In den kommenden Wochen werden die Tarifgespräche weitergehen. Die IG Metall hat bereits angekündigt, ihre Forderungen mit Nachdruck zu vertreten. Resch ließ keinen Zweifel daran, dass die Gewerkschaft notfalls auch zu Warnstreiks bereit ist. Die Entscheidung darüber liege bei den Mitgliedern, die sich in den Betrieben organisiert hätten. Die Wochen bis zur nächsten Verhandlungsrunde werden zeigen, ob die Arbeitgeber das Signal verstehen. Klar ist: Die Beschäftigten lassen sich nicht erpressen – und diese Botschaft ist in den Betrieben angekommen.



