Die Zukunft des insolventen Lebensmittelhändlers Feneberg nimmt konkrete Formen an. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, übernimmt die REWE Group offenbar zahlreiche Filialen des traditionsreichen Allgäuer Unternehmens. Für die Beschäftigten in Bad Wörishofen und anderen Standorten bedeutet das möglicherweise den Erhalt ihrer Arbeitsplätze – allerdings unter neuer Regie. Auch die Logistik-Tochter LHE, die für den Warenfluss der Filialen zuständig ist, steht bei den Verhandlungen im Fokus.
Ein traditionsreicher Name mit ungewisser Zukunft
Feneberg ist ein seit Jahrzehnten bekanntes Handelsunternehmen im Allgäu und darüber hinaus. Das Unternehmen betreibt Supermärkte in mehreren bayerischen Landkreisen und hat seinen Sitz in Kempten. Infolge von wirtschaftlichen Schwierigkeiten musste das Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Der Geschäftsbetrieb läuft während des Verfahrens weiter, doch die Unsicherheit bei den rund 2.000 Mitarbeitern ist groß.
Die Übernahme durch einen großen Konzern wie REWE gilt als Rettung für viele Standorte. REWE gehört zu den führenden Lebensmittelhändlern in Deutschland und hat bereits mehrfach insolvente Ketten übernommen. Branchenkenner sehen darin eine Chance, das Filialnetz in attraktiven Lagen auszubauen. Für Feneberg bedeutet es das Ende einer Ära als eigenständiges Unternehmen.
REWE: Neuer Partner für Filialen und Logistik
Nach Informationen der Augsburger Allgemeinen hat sich REWE als Käufer für einen Großteil der Feneberg-Filialen durchgesetzt. Die Verträge sollen bereits unterschrieben sein, die Details werden jedoch noch ausgearbeitet. Neben den Supermärkten übernimmt REWE auch Teile der Logistik. Die LHE – die Logistik Handels- und Einkaufsgesellschaft – ist eine Tochterfirma, die für Feneberg die Warenverteilung organisiert. Sie beschäftigt ebenfalls mehrere Hundert Menschen.
Insider berichten, dass REWE die LHE in ihr eigenes Logistiknetz integrieren will. Das könnte bedeuten, dass die Standorte erhalten bleiben, aber unter veränderten Bedingungen. Für die Mitarbeiter der LHE ist das ein Hoffnungsschimmer, allerdings ist noch unklar, ob alle Arbeitsplätze gesichert werden können. Die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter laufen auf Hochtouren.
Was bedeutet das für Bad Wörishofen?
In Bad Wörishofen betreibt Feneberg eine Filiale, die für die Nahversorgung der Stadt wichtig ist. Sollte REWE die Übernahme wie geplant umsetzen, bliebe der Standort bestehen. Die Erfahrung aus früheren Übernahmen zeigt, dass REWE die meisten Filialen weiterführt und in das eigene Vertriebskonzept integriert. Das Sortiment wird dann auf das REWE-Angebot umgestellt, was für Kunden eine größere Auswahl bedeuten kann.
Gleichzeitig gibt es auch Risiken: Nicht alle Standorte sind für den neuen Betreiber wirtschaftlich interessant. In Einzelfällen könnte es zu Schließungen kommen. Für die Beschäftigten in Bad Wörishofen heißt es daher: Abwarten und auf die offiziellen Aussagen des Insolvenzverwalters und von REWE achten. Die Stadtverwaltung beobachtet die Entwicklung genau und steht im Austausch mit dem Unternehmen und dem Landkreis.
Insolvenzverfahren: So geht es weiter
Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung oder mit Sachwalter schreitet nach Plan voran. Zunächst muss die Gläubigerversammlung der Übernahme zustimmen. Danach werden die Vermögenswerte – Filialen, Lager und Warenbestände – offiziell übertragen. REWE hat angekündigt, die Mitarbeiter übernehmen zu wollen. In der Praxis bedeutet das: Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen werden neu verhandelt, auch wenn REWE als tarifgebundenes Unternehmen bekannt ist.
Ein Sprecher des Unternehmens ließ verlauten, dass man sich um eine „möglichst reibungslose Integration“ bemühe. Man wolle die Kundenbindung erhalten und die Standorte stärken. Die Mitarbeiter wurden in Betriebsversammlungen über den Stand der Dinge informiert. Viele von ihnen hoffen, dass die Übernahme schnell über die Bühne geht, um endlich Planungssicherheit zu haben.
Herausforderungen für den regionalen Handel
Die Insolvenz von Feneberg ist kein Einzelfall. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel steht unter enormem Druck. Konkurrenz durch Discounter, hohe Energiekosten und verändertes Einkaufsverhalten setzen regionalen Ketten zu. Feneberg hatte in den vergangenen Jahren versucht, durch Modernisierung und eine eigene Bio-Linie gegenzusteuern, konnte die Umsatzrückgänge aber nicht auffangen.
Die Übernahme durch REWE sichert zwar viele Arbeitsplätze, verändert aber auch die Marktstruktur. Kritiker beklagen eine zunehmende Konzentration im Einzelhandel. Für Verbraucher bedeutet das oft weniger Vielfalt und mehr Monokultur. Dennoch überwiegt in Bad Wörishofen die Erleichterung, dass der Supermarkt wahrscheinlich geöffnet bleibt.
LHE: Logistik-Kompetenz als Trumpf
Die LHE ist kein unbedeutender Player. Sie versorgt nicht nur Feneberg, sondern hat auch andere Handelskunden. Mit einem modernen Lager in Bad Wörishofen und einer Flotte von Lkw ist sie ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Ein Übernahme durch REWE könnte die Kapazitäten bündeln und den Standort langfristig sichern.
Experten gehen davon aus, dass REWE die Logistik-Tochter in ihr eigenes Netz integrieren wird. Das würde bedeuten, dass die Mitarbeiter von der LHE in die REWE-Gruppe wechseln. Ob alle Arbeitsplätze erhalten bleiben, hängt von der zukünftigen Auslastung ab. Die Betriebsratsgremien haben bereits Gespräche mit dem potenziellen Käufer geführt.
Ausblick: Sichere Versorgung oder neue Abhängigkeit?
Für die Kunden in Bad Wörishofen ändert sich zunächst wenig. Die Feneberg-Filiale bleibt geöffnet, Waren sind verfügbar. Sollte REWE die Übernahme finalisieren, wird das Schild an der Tür irgendwann ausgetauscht. Die genauen Termine stehen noch nicht fest. Die Stadt und die lokalen Medien werden die Entwicklungen weiterverfolgen.
Fest steht: Die Übernahme durch REWE ist für Feneberg die wahrscheinlichste Rettung. Ohne diesen Schritt wäre eine Zerschlagung des Unternehmens droht. So besteht die Aussicht, dass die rund 2.000 Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben – auch wenn der Name Feneberg von den Ladenschildern verschwinden könnte. Die kommenden Monate werden zeigen, wie gut die Integration gelingt.



