Zwei Szenarien: Wie Fußball-Weltherrscher Infantino stürzen könnte
Zwei Szenarien: Wie Infantino als FIFA-Chef stürzen könnte

Bis zum 18. November 2026 können Kandidaten ihre Bewerbung für die Wahl zum FIFA-Präsidenten einreichen. Bis dahin sollten mögliche Unterstützerkreise gesichert sein. Ein offizieller Gegenkandidat zu Gianni Infantino existiert bisher allerdings nicht. Victor Montagliani, der Präsident des für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständigen Kontinentalverbands CONCACAF, werden entsprechende Ambitionen nachgesagt. Ob er tatsächlich antritt, ist offen.

Der gescheiterte WM-Investorenplan hat die Kritik an dem 56-jährigen Schweizer zuletzt weiter anwachsen lassen. Nachdem Infantino jahrelang als unantastbar galt, wird nun offen über ein mögliches Ende seiner Ära gesprochen. Längst sind Abschiedsszenarien im Umlauf, die bis vor wenigen Monaten kaum vorstellbar schienen. Über die Frage, wer ihm nachfolgen könnte, wird hinter den Kulissen bereits debattiert.

Vor drei Jahren ließ sich Infantino in der ruandischen Hauptstadt Kigali mit dem Applaus der Delegierten per Akklamation als FIFA-Präsident bestätigen. „Alle, die mich lieben, ich weiß, das sind viele, und alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar – ich liebe euch alle", sagte er damals. Seit 2016 steht der Mann aus dem Wallis an der Spitze des Fußball-Weltverbands. Nun steht die nächste Wahl an: Am 18. März 2027 soll er auf dem 77. FIFA-Kongress im marokkanischen Rabat den Statuten zufolge ein letztes Mal für vier Jahre gewählt werden – sofern alles geordnet zugeht. Doch genau daran gibt es zunehmend Zweifel.

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Der WM-Investorenplan belastet den Präsidenten

Der umstrittene Plan, private Investoren an der Weltmeisterschaft zu beteiligen, ist gescheitert. Die Folge ist ein massiver Vertrauensverlust in der internationalen Fußballgemeinschaft. Die Europäische Fußball-Union UEFA hat scharfe Erklärungen abgegeben und sogar mit Boykott gedroht. Das schürt Spekulationen, dass eine von der UEFA angeführte Opposition eine vorzeitige Ablösung Infantinos anstrebt. Die BBC hat dazu ausgearbeitet, welche zwei Wege zu einem Sturz führen könnten. Beide Szenarien sehen eine Einbeziehung der FIFA-Gremien vor, unterscheiden sich jedoch in den Hürden und Fristen.

Szenario 1: Das FIFA-Council beruft eine Krisensitzung ein

Das FIFA-Council ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Organisation zwischen den FIFA-Kongressen. Es besteht aus 37 Mitgliedern. Um eine Krisensitzung einzuberufen, müssten mindestens 19 der Mitglieder dafür stimmen, wie die BBC schreibt. Das Treffen müsste dann innerhalb von zwei Wochen stattfinden. In einer solchen Sitzung könnte eine Rücktrittsaufforderung an Infantino ausgesprochen werden. Dieser könnte sie jedoch schlicht ablehnen. Formal wäre er nicht zum Rücktritt gezwungen. Selbst wenn eine Mehrheit der Council-Mitglieder gegen ihn stimmen würde, hätte Infantino die rechtliche Möglichkeit, im Amt zu bleiben. Dennoch wäre ein derartiges Vorgehen ein beispielloses Misstrauenssignal gegen den amtierenden Präsidenten und würde den Druck auf ihn deutlich erhöhen.

Szenario 2: Ein außerordentlicher FIFA-Kongress stimmt ab

Die zweite Möglichkeit wäre die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung des FIFA-Kongresses, dem obersten Organ des Weltverbands. Dafür ist ein Fünftel der Stimmen der 211 FIFA-Mitgliedsverbände nötig – also 43 Verbände. Die Anfrage muss schriftlich eingehen, innerhalb von drei Monaten muss das Treffen dann stattfinden. Anschließend könnte ein Misstrauensvotum gegen Infantino gestellt werden. Zwar regeln die Statuten die konkreten Folgen einer solchen Abstimmung nicht, ein erfolgreiches Votum würde Infantinos Position jedoch massiv schwächen und ihn politisch beschädigen. Die Schwelle von 43 Verbänden ist hoch, aber nicht unerreichbar. Insbesondere wenn die UEFA geschlossen auftritt und weitere Verbände mobilisiert, könnte sie genügend Stimmen zusammenbringen, um einen außerordentlichen Kongress zu erzwingen.

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Warum Infantino trotzdem nicht wackeln muss

Ein offizieller Herausforderer gibt es bis heute nicht. Zudem ist die Kritik von FIFA-Mitgliedern an Infantinos Plänen nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einem Votum für dessen Abgang. Viele Verbände stehen weiterhin loyal hinter dem 56-Jährigen. Infantino hat in den vergangenen Jahren die Einnahmen des Weltverbands deutlich gesteigert und sich damit Rückhalt gesichert. Zudem hat er in der Vergangenheit bewiesen, dass er Widerstände aussitzen kann. Bis zum 18. November bleibt Zeit für mögliche Bewerber, sich in Position zu bringen. Ob es zu einer echten Kampfabstimmung kommt, ist derzeit völlig offen. Fest steht nur: Der handfeste Widerstand aus Europa macht Infantinos geplante Wiederwahl zu einer spannenderen Angelegenheit, als es noch vor wenigen Monaten den Anschein hatte.