Berlin – Für viele Rentner in Deutschland kommt der Steuerbescheid einer bösen Überraschung gleich: Fast jeder zweite Ruheständler muss nach der Steuererklärung Geld an das Finanzamt überweisen. Das zeigt eine Auswertung des Steuererklärungsanbieters Smartsteuer. Demnach mussten 41 Prozent der ausgewerteten Rentner Steuern nachzahlen. Im Schnitt wurden 1.326 Euro fällig. Immerhin: Bei der Hälfte der Betroffenen lag die Nachzahlung bei maximal 499 Euro. Rund 45 Prozent konnten sich dagegen über eine Erstattung freuen – durchschnittlich 1.383 Euro. Bei 14 Prozent glich sich alles aus: weder Nachzahlung noch Erstattung.
Zusatzeinkommen als Steuerfalle
Besonders auffällig: Fast jeder zweite Rentner (48,5 Prozent) hatte neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte – etwa aus einem Job, Vermietung oder einer selbstständigen Tätigkeit. Genau das kann schnell zur Steuerfalle werden. „Auf die gesetzliche Rente führt niemand vorab Steuern ab – anders als beim Arbeitslohn, wo die Lohnsteuer direkt vom Gehalt einbehalten wird. Die volle Steuerlast wird erst mit dem Bescheid fällig“, sagt Steueranwalt und Smartsteuer-Geschäftsführer Stefan Heine der Funke Mediengruppe.
Am häufigsten verdienten die betroffenen Rentner zusätzlich in einem Arbeitsverhältnis (knapp 38 Prozent). Dahinter folgen Mieteinnahmen (gut 10 Prozent) sowie Einkünfte aus Gewerbe oder Selbstständigkeit (jeweils rund vier Prozent).
Zahl der steuerpflichtigen Rentner steigt
Nach Angaben von Smartsteuer steigt die Zahl der steuerpflichtigen Rentner kontinuierlich. „Jede Rentenerhöhung hebt den steuerpflichtigen Teil der Rente an, der einmal festgelegte Freibetrag bleibt aber gleich. So überschreiten immer mehr Rentner den Grundfreibetrag und werden überhaupt erst steuerpflichtig“, sagt Heine.
Der Bund der Steuerzahler fordert deshalb eine Reform der Rentenbesteuerung. „Die Steuerpflicht darf nicht allein deshalb entstehen, weil die Inflation durch Rentenerhöhungen ausgeglichen wird“, erklärt der Verband. Rentenerhöhungen dürften nicht vollständig steuerpflichtig werden.
Regionale Unterschiede
Auch regional gibt es große Unterschiede. Die höchsten durchschnittlichen Steuererstattungen erhielten Rentner in Hamburg (1.733 Euro), Baden-Württemberg (1.561 Euro) und Hessen (1.543 Euro). Bei den Nachzahlungen führt ebenfalls Hamburg die Liste an: Dort wurden im Schnitt 1.772 Euro fällig. Es folgen Bremen (1.655 Euro) und Rheinland-Pfalz (1.527 Euro).
Diese Zahlen verdeutlichen, dass viele Rentner ihre Steuerlast unterschätzen. Experten raten daher, bereits im Vorjahr Rücklagen zu bilden oder eine Lohnsteuerermäßigung zu beantragen, wenn neben der Rente ein Job ausgeübt wird. Der Steuerzahlerbund empfiehlt zudem eine regelmäßige Überprüfung der Steuerbescheide, um mögliche Fehler auszuschließen.



