Mehr als fünf Millionen Urlauber besuchen Teneriffa jedes Jahr – doch viele bleiben in den Touristenzentren im Süden und verpassen die natürlichen Schätze der Insel. Die größte der Kanarischen Inseln, die rund 300 Kilometer vor der afrikanischen Küste liegt, bietet mit ihren 2.034 Quadratkilometern eine enorme Vielfalt. Besonders drei Orte stechen aus der Menge hervor: der Teide-Nationalpark, das Anaga-Gebirge und das malerische Bergdorf Masca.
Der Teide: Vulkan im Weltnaturerbe
Mit einer Höhe von 3.715 Metern ist der Teide der höchste Berg Spaniens und zugleich der dritthöchste Vulkan der Erde, wenn man von seinem Fuß auf dem Meeresgrund ausgeht. Der Nationalpark, der sich über rund 190 Quadratkilometer erstreckt, wurde 2007 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Über 40 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen das Gebiet mit seinen schwarzen Lavafeldern und schroffen Felskegeln. Besonders beeindruckend ist die Mondlandschaft um die Roques de García. Die Seilbahn bringt Besucher in acht Minuten auf 3.555 Meter – von dort sind es noch etwa 200 Höhenmeter bis zum Gipfel. Für die Gipfelbesteigung ist eine kostenlose Genehmigung erforderlich, die online beantragt werden muss; die Zahl der Besucher ist täglich begrenzt. Oben genießt man einen spektakulären Blick, der an klaren Tagen bis zur Insel Gran Canaria reicht. Der Nationalpark beherbergt zudem eines der bedeutendsten Observatorien der Welt, da der Himmel dort besonders dunkel ist.
Das Anaga-Gebirge: Urzeitwald im Biosphärenreservat
Im Nordosten Teneriffas erhebt sich das Anaga-Gebirge, das erst 2015 von der UNESCO zum Biosphärenreservat ausgezeichnet wurde. Hier wachsen uralte Lorbeerwälder, deren Ursprung bis in die Zeit der Dinosaurier zurückreicht. Die Passatwolken liefern ganzjährig Feuchtigkeit und sorgen so für eine üppige, grüne Vegetation. Der bekannteste Wanderweg ist der „Sendero de los Sentidos“, der sich auf rund sechs Kilometern durch den Nebelwald und über Bergrücken bis zum Weiler Chamorga schlängelt. Unterwegs begegnen Wanderern endemische Arten wie der Kanarenkiefer oder der blauäugigen Teneriffa-Eidechse. Auch die Dörfer im Anaga-Gebirge haben ihren Charme bewahrt: Taganana, ein kleines Fischerdorf, liegt in einer Bucht unterhalb steiler Klippen und ist für seine Fischrestaurants bekannt. El Bailadero, das höchstgelegene Dorf, bietet einen weiten Blick über die umliegenden Täler.
Masca: Ein Bergdorf wie gemalt
Das Dorf Masca liegt im Teno-Gebirge im Westen Teneriffas und zählt gerade einmal rund 90 Einwohner. Umgeben von bis zu 600 Meter hohen Felswänden und der tief eingeschnittenen Masca-Schlucht, scheint der Ort am Ende der Welt zu liegen. Obwohl er heute über eine schmale Bergstraße erreichbar ist, wirkt die Atmosphäre unverfälscht. Ein Wanderweg führt von Masca hinab durch die Schlucht – sie gilt als eine der anspruchsvollsten Touren der Insel. Die Gehzeit bis zum Kieselstrand Playa de Masca beträgt etwa zwei bis drei Stunden; der Rückweg ist nicht möglich, weshalb Ausflugsboote die Wanderer am Strand abholen. Alternativ legen Boote von Los Gigantes ab, um die Schlucht aus dem Wasser zu bewundern. Die benachbarten Klippen Los Gigantes ragen spektakulär senkrecht aus dem Meer auf – ein Paradies für Fotomotive.
So kombinieren Sie die drei Orte
Wer Teide, Anaga und Masca in einem Urlaub sehen möchte, benötigt mindestens drei volle Tage. Ein Mietwagen ist empfehlenswert, da die öffentlichen Verkehrsmittel die Randgebiete nur selten bedienen. Vom Süden aus erreicht man den Teide in etwa einer Stunde, Anaga liegt im Nordosten und Masca im Nordwesten – eine Route macht Kreiselverkehr möglich. Tagesgäste sollten früh aufbrechen, denn an den Parkplätzen der Wanderwege herrscht oft reger Andrang. Wer es bequem mag, bucht eine organisierte Tagestour mit Abholung vom Hotel. Bei der weiteren Planung hilft ein Blick auf die Webcams: Sie zeigen live die Sicht vom Teide und die Nebelgrenze im Anaga-Gebirge.
Die drei Ziele sind nicht nur die schönsten Orte Teneriffas, sondern auch ein Spiegelbild der Insel: gewaltige Natur, gelebte Geschichte und atemberaubende Ausblicke – Reisende, die diese Orte besuchen, erleben die Kanaren von ihrer intensivsten Seite.



