Italiens Küstenwache geht mit aller Härte gegen die verbreitete Unsitte vor, Liegeplätze an freien Stränden mit Handtüchern, Sonnenschirmen oder Liegestühlen zu blockieren. Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Tagen Kontrollen durchgeführt und dabei Gegenstände beschlagnahmt, die ohne Anwesenheit ihrer Besitzer den Strand blockierten. Ein Bußgeld von bis zu 200 Euro droht, und wer wiederholt auffällt, muss mit einer Strafanzeige rechnen.
Die sogenannten „Spiagge libere“ sind in diesem Sommer so begehrt wie nie. Urlauber und Einheimische kämpfen um die begehrten Plätze in der ersten Reihe direkt am Wasser. Manche stehen im Morgengrauen auf, andere legen ihre Sachen bereits am Vorabend ab und kennzeichnen ihr Revier mit Sonnenschirmen, Tüchern und Spielzeug. Teilweise werden Schirme mit Ketten und Schlössern an festen Strandmöbeln oder Bäumen gesichert – ein Ärgernis für alle, die später kommen und noch einen Platz suchen.
Diese Form der Platzreservierung ist nicht nur unhöflich, sondern auch illegal. Die Küstenwache weist seit Jahren auf die Rechtslage hin, doch Appelle an die Vernunft zeigen offenbar kaum Wirkung. Nun ziehen die Behörden die Konsequenzen und schreiten aktiv ein.
Kontrollaktion in Ligurien
Ein besonders deutliches Beispiel lieferte die Küstenwache in Riva Trigoso, einem Ortsteil von Sestri Levante in Ligurien. In einer Aktion im Morgengrauen räumten die Beamten den größten freien Strand der Region vollständig leer. Zurückgelassene Handtücher, Sonnenschirme, Badeutensilien und sogar Liegen wurden eingesammelt und entfernt. Der Schock bei den betroffenen Badegästen war groß, als sie am Morgen an den Strand kamen und ihre Sachen nicht mehr vorfanden.
Einige Urlauber gaben gegenüber örtlichen Medien an, von der neuen Kontrollstrategie nichts gewusst zu haben. Es gebe keine Hinweisschilder, die auf das Verbot aufmerksam machen. Die Küstenwache entgegnet jedoch, dass die Regel nicht neu ist und jeder Strandbesucher sich über die geltenden Bestimmungen informieren könne. Freie Strände seien öffentliches Gut und damit für alle da – nicht nur für diejenigen, die als Erste ihre Utensilien platzieren.
Langjähriges Verbot, neue Durchsetzung
Das Verbot, öffentliche Strände durch Gegenstände zu besetzen, existiert in Italien bereits seit langem. Es wurde jedoch in den vergangenen Jahren kaum durchgesetzt, was zu einer weit verbreiteten Praxis der „Platzreservierung“ geführt hat. Die neue Härte der Küstenwache kommt nicht von ungefähr: Die Zahl der freien Küstenabschnitte ist in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. Immer mehr Strände werden an private Betreiber vergeben, die Liegen und Sonnenschirme vermieten. Wer kein Geld ausgeben will, hat immer weniger Möglichkeiten – und die Konkurrenz um die verbleibenden freien Bereiche wächst entsprechend.
Der Trend zur Kommerzialisierung der Strände sorgt auch anderweitig für Zündstoff. Viele Strandbäder verlangen stattliche Preise für die Nutzung von Liege und Schirm, was den Unmut vieler Badegäste schürt. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch der neue Konflikt in Apulien, wo private Betreiber gegen das Mitbringen von Speisen und Getränken durch ihre Gäste protestieren.
Streit in Apulien um eigene Verpflegung
In der Region Apulien an der Adriaküste haben sich mehrere Strandbadbetreiber öffentlich beschwert. Sie ärgern sich darüber, dass viele Gäste ihre eigenen Proviant mitbringen und dann in den überteuerten Strandrestaurants und Bars keinen Cent ausgeben. Die Betreiber argumentierten, dass solche Gäste die Strandausstattung quasi ausnutzten und baten um eine Regelung.
Der Präsident der Region Apulien, Antonio Decaro, stellte sich jedoch in einer Stellungnahme klar auf die Seite der Gäste. „Das Meer ist ein Gemeingut“, sagte Decaro und betonte, dass niemand Strandgäste zum Konsum zwingen dürfe. Insbesondere bei den hohen Preisen für Sonnenschirme und Liegen sei es mehr als verständlich, dass viele Urlauber auf eigene Verpflegung setzten. Ob und wie die Strandbäder auf diese Positionierung reagieren, bleibt abzuwarten.
Bilanz für Urlauber
Für den Sommer 2026 bedeutet das: Wer an Italiens freien Stränden einen Platz ergattern möchte, muss physisch anwesend sein oder zumindest keine Gegenstände zurücklassen. Die Küstenwache hat angekündigt, die Kontrollen fortzusetzen und auszuweiten. Besonders betroffen sind Regionen mit hohem Touristenaufkommen wie Ligurien, Apulien und die Toskana. Die Botschaft ist eindeutig: Der Strand gehört allen – und niemand darf sich dauerhaft ein Stück davon abstecken.



