Die Binnenschifffahrt auf den großen Flüssen kämpft seit Wochen mit den massiv gesunkenen Wasserständen. Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) schlägt deshalb Alarm: Die Lage auf dem Rhein werde sich aller Voraussicht nach weiter verschärfen, sagte er. Auch an der Donau sei die Situation schwierig. Der Minister fordert eine nationale Taskforce, die mit kurzfristigen Maßnahmen die Transportlage verbessern soll.
Krischer verlangt zudem, die Niedrigwasser-Problematik unverzüglich auf die Tagesordnung der für Donnerstag geplanten Sonder-Verkehrsministerkonferenz zu setzen. Die Videoschalte der Verkehrsminister von Bund und Ländern war bislang allein dem Thema Bahn-Trassenpreise gewidmet. Der Grünen-Politiker hält eine Erweiterung der Agenda für unerlässlich, um die Auswirkungen des Niedrigwassers auf die Logistik zu bewältigen. Ohne ein koordiniertes Vorgehen drohten Engpässe in der Versorgung, warnte er.
Nationale Taskforce soll Transportkette stabilisieren
„Es sieht alles danach aus, dass sich die Lage für die Rhein-Schifffahrt verschärft. Auch an der Donau ist die Situation schwierig. Wir brauchen kurzfristig eine nationale Taskforce für Maßnahmen, um die Transportlage zu verbessern“, sagte Krischer wörtlich. An vielen Uferabschnitten des Rheins sind breite Sandbänke sichtbar, die bei normalem Wasserstand unter Wasser liegen. Die Frachtschiffe müssen ihre Ladung zunehmend reduzieren, was die Transportkosten deutlich erhöht.
Mittelfristig müssten längst vereinbarte Infrastrukturprojekte endlich umgesetzt werden, forderte der Minister. Er nannte in diesem Zusammenhang den weiteren Ausbau der Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln. Der Bund müsse dafür die nötigen finanziellen Mittel freigeben. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung könne den baureifen zweiten Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf nicht realisieren, weil die Bundesregierung im Haushalt 2025 die Mittel gestrichen habe.
Fahrrinnen-Ausbau: Wichtige Maßnahmen stocken
„Wir erwarten, dass der Bund die Mittel kurzfristig zur Verfügung stellt, damit gebaut und weiter geplant werden kann“, sagte Krischer. Der Bund müsse seiner Verantwortung für die Bundeswasserstraße Rhein gerecht werden. Der Ausbau der Fahrrinne soll den Fluss auch bei Niedrigwasser sicher und effizient befahrbar machen. Nach Angaben des NRW-Verkehrsministeriums ist geplant, an einzelnen Stellen große Steine zu entfernen, die in die Fahrrinne ragen. Dadurch könnten Schiffe bei niedrigem Wasserstand mit größerer Ladung fahren, ohne auf Grund zu laufen.
Der erste Bauabschnitt zwischen Duisburg und Krefeld ist bereits abgeschlossen. Für den dritten Abschnitt zwischen Düsseldorf und Köln laufen die Planungsarbeiten noch. Sobald alle Ausbaumaßnahmen umgesetzt sind, würde die Binnenschifffahrt deutlich an Zuverlässigkeit gewinnen. Solange der Bund die Finanzierung verweigert, bleiben die Fortschritte jedoch aus.
Wirtschaftliche Folgen des Niedrigwassers
Die Binnenschifffahrt ist ein wichtiger Pfeiler der deutschen Transportwirtschaft. Insbesondere der Rhein verbindet die Industriezentren mit den Seehäfen. Sinken die Pegelstände, können die Schiffe nur noch mit reduzierter Tonnage fahren. Das erhöht die Kosten pro transportierter Tonne und belastet Unternehmen entlang der Flüsse. Auch die Donau ist in vielen Abschnitten von der Trockenheit betroffen, sodass die Schifffahrt dort ebenfalls eingeschränkt ist.
Krischer forderte die Verkehrsminister der Länder auf, sich geschlossen hinter die Forderung nach einer verlässlichen Finanzierung der Bundeswasserstraßen zu stellen. Die Sonder-Verkehrsministerkonferenz am Donnerstag sei der richtige Ort, um die Weichen für eine schnelle Unterstützung zu stellen. Ohne ein gemeinsames Vorgehen drohe die Binnenschifffahrt in der aktuellen Krise weiter an Bedeutung zu verlieren. Der Minister kündigte an, sich mit Nachdruck für eine nationale Lösung einzusetzen.



