Einem Medienbericht des „Spiegel“ zufolge hat der AfD-Landtagskandidat Simon Lansmann aus Sachsen-Anhalt Verbindungen zu der seit 2023 verbotenen Neonazi-Gruppe „Artgemeinschaft“. Der 43-jährige Ultrarechte aus der Altmark soll am 20. Juni auf seinem landwirtschaftlichen Anwesen in Ipse bei Gardelegen eine völkische Sommersonnenwendefeier abgehalten haben, bei der mehrere Gäste aus dem Umfeld der verbotenen Organisation teilnahmen.
Polizei kontrollierte Zufahrt – Gäste aus dem Neonazi-Milieu
Die Polizei kontrollierte demnach die Zufahrt zu dem als privat deklarierten Fest und stellte mehrere Besucher fest, die zum Dunstkreis der „Artgemeinschaft“ zählen. Das Bundesinnenministerium hatte die Gruppe 2023 wegen ihrer „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“ verboten. Das Treffen legt den Verdacht nahe, dass die verbotene Artgemeinschaft weitergeführt wird, sagte der Rechtsextremismusforscher Gideon Botsch von der Universität Potsdam dem Magazin.
Bei der Feier soll ein völkisches Ritual abgehalten worden sein, später erklang auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Betriebs ein Kampflied der Hitlerjugend (HJ). AfD-Kandidat Lansmann bestätigte das Fest, bestritt aber, dass es sich um ein illegales Treffen gehandelt habe. Über einen Anwalt ließ er mitteilen, es sei zwar „nicht auszuschließen“, dass an jenem Abend ein HJ-Lied gesungen wurde, dies sei jedoch nicht Teil eines „organisierten Programms“ gewesen.
Verbindungen in mehrere Bundesländer
Das Fest des 43-Jährigen beschäftigt inzwischen Sicherheitsbehörden mehrerer Bundesländer. Aus Brandenburg soll ein AfD-Mann angereist sein, der früher als Mitglied der Neonazi-Gruppe geführt wurde, aus Nordrhein-Westfalen ein völkischer Aktivist, der wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Waffengesetz im Visier der Ermittler ist, und aus Sachsen-Anhalt eine Szenegröße, die dem Umfeld von Ralf Wohlleben zugerechnet wird, einem Waffenbeschaffer der Neonazi-Terrorzelle NSU.
Lansmann distanziere sich von der Ideologie der „Artgemeinschaft“ und von „nationalsozialistischem Liedgut“. Auf seinem Anwesen habe keine Fortführung einer verbotenen Organisation stattgefunden, er sei auch nicht an einer solchen beteiligt. „Das Treffen legt den Verdacht nahe, dass die verbotene Artgemeinschaft weitergeführt wird“, sagte Gideon Botsch. Bei der Feier in der Altmark seien anscheinend Netzwerke zusammengetroffen, die bis ins Umfeld des Rechtsterrorismus hineinreichten. Einige der mutmaßlichen Besucher hätten in der Vergangenheit zum „härtesten Kern des gewaltorientierten Neonazismus“ gehört.
Partnerin stand auf Mitgliederliste der Artgemeinschaft
Wie das Magazin weiter schreibt, habe auch Lansmanns Partnerin, die mit ihm eine Rinderzucht betreibt, einst auf einer Mitgliederliste der „Artgemeinschaft“ gestanden. Auf Nachfrage teilte sie über einen Anwalt mit, diese sei „für ihr heutiges Leben ohne Bedeutung“, einer Nachfolgeorganisation gehöre sie nicht an.
Der AfD-Kandidat und seine Partnerin seien im Mai auch Gäste eines Dorffestes in Questenberg im Südharz gewesen, das wegen seiner germanisch anmutenden Symbolik auch Rechtsextremisten anlocke. Dort habe Lansmann am örtlichen Gasthaus ein Mitglied der „Artgemeinschaft“ geherzt. Später sei aus dem Hinterzimmer des Wirtshauses Musik der Band „Weißer Arischer Widerstand“ erklungen. Ein Mann mit Gitarre habe gesungen: „Adolf Hitler, unser Führer! Adolf Hitler, unser Held!“ Der Anwalt des AfD-Landtagskandidaten schrieb dem Magazin, Lansmann sei zum Essen im öffentlichen Gastraum gewesen. Was „in einem Hinterzimmer stattfand“, sei ihm „nicht bekannt“.
Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt vor den Landtagswahlen am 6. September mit mehr als 40 Prozent in Umfragen vorn – als mit Abstand stärkste politische Kraft. Im Landtag in Magdeburg könnte es demnach sogar eine AfD-Alleinregierung geben.



