Der Bundesparteitag der AfD in Erfurt kann trotz massiver Proteste und Sitzblockaden wie geplant um 10 Uhr beginnen. Das bestätigte die Thüringer Polizei am Samstagmorgen. Demnach befindet sich ein Großteil der Delegierten bereits in den Messehallen, während rund 15.000 Demonstranten in und um Erfurt unterwegs sind.
Blockaden auf Autobahnen und Landstraßen
Das Aktionsbündnis „Widersetzen!“ hatte angekündigt, den Parteitag mit Sitzblockaden zu verhindern. In den frühen Morgenstunden besetzten Aktivisten die A71, eine Landstraße westlich von Erfurt und weitere Zufahrtsstraßen. Einige seilten sich von einer Brücke ab, ein Lkw wurde quer gestellt. Das Bündnis sprach von acht bestehenden Blockaden. Die Polizei meldete sieben Aufzüge mit rund 4000 Teilnehmern, die größte Blockade auf der A71 mit 1000 Personen.
Gericht hebt Versammlungsverbote auf
Das Land Thüringen hatte weitgehende Versammlungsverbote erlassen, die das Verwaltungsgericht Erfurt am Freitagabend jedoch aufhob. Die Aktivisten hatten bereits zuvor angekündigt, die Verbote zu ignorieren. Die Polizei zeigte sich mit erhöhter Präsenz aus mehreren Bundesländern vor Ort, um die Blockaden zu räumen und die Anreise der Delegierten zu ermöglichen.
Viele Delegierte bereits vor Ort
Viele der hunderten AfD-Delegierten hatten ihre Anreise in die Nacht verlegt. Bereits um 7:28 Uhr meldete die „Thüringer Allgemeine“ unter Berufung auf den Thüringer AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff, dass mindestens die Hälfte der Delegierten in der Messehalle eingetroffen sei. Auch „Stern“-Reporter Martin Debes bestätigte, dass die Halle bereits gut gefüllt sei. Die Polizei erklärte, der Parteitag könne wie geplant beginnen.
Vereinzelte Gewalt und Zusammenstöße
Während der Großteil der Versammlungen friedlich verlief, kam es vereinzelt zu Rangeleien. Ein „Bild“-Reporter berichtete von vermummten Linksextremisten, die Mülltonnen umwarfen und Pyrotechnik zündeten. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Zudem wurde ein AfD-Bürgerbüro attackiert, und es gab Farbbeutelwürfe gegen Beamte.
Strategie des Bündnisses „Widersetzen!“
Das Bündnis „Widersetzen!“, das bereits in Riesa und Gießen ähnliche Aktionen durchführte, organisierte die Proteste. Reisebusse aus ganz Deutschland fuhren nach Thüringen – allein aus Leipzig sollen 30 Busse gestartet sein. Die Demonstranten verließen die Busse vor Erfurt und marschierten in „Demonstrations-Fingern“ zu neuralgischen Verkehrsknotenpunkten, um die Anfahrtswege der Delegierten zu blockieren.
Die Polizei geht davon aus, dass der Parteitag pünktlich starten kann. Die Lage bleibt jedoch angespannt, und die Beamten sind weiterhin im Einsatz, um die Blockaden aufzulösen und die Ordnung aufrechtzuerhalten.



