Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat in einem Geheimbrief an die AfD-Führung ein brisantes Kooperationsangebot unterbreitet. Der Brief, der BILD exklusiv vorliegt, ist von den BSW-Chefs Amira Mohamed Ali, Fabio De Masi und Generalsekretär Oliver Ruhnert persönlich unterzeichnet. Er geht weit über eine bloße Debatteneinladung hinaus und skizziert erstmals ein konkretes Regierungsmodell, bei dem die AfD nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zwei Ministerpräsidenten stellen könnte.
BSW rechnet mit Brandmauer ab
Schon zu Beginn des Briefs distanziert sich das BSW klar von der bisherigen Abgrenzungspolitik gegenüber der AfD. „Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat die ‚Brandmauer‘ gegenüber der AfD von Beginn an kritisiert. Sie ist undemokratisch und löst keine Probleme. Die AfD profitiert von ihr, weil sie eine Ohrfeige für ihre Wähler ist und weil dadurch die eigentlichen Gemeinsamkeiten zwischen der AfD und den Regierungsparteien verborgen bleiben“, heißt es in dem Schreiben.
Konkretes Regierungsmodell: Tolerierung statt Koalition
Die zentrale Passage des Briefes beschreibt detailliert, wie die Regierungsbildung aussehen soll: „Nach den Landtagswahlen ist unser Wahlziel die Abwahl der Amtsinhaber und ihre Ersetzung durch überparteiliche Ministerpräsidenten, die in den Landtagen mit wechselnden Mehrheiten regieren, unter Einbindung der AfD.“ Politisch ist dies eine klare Machtofferte an die AfD. Das BSW spricht zwar nicht ausdrücklich von einer Koalition, skizziert aber ein Modell, bei dem die AfD entscheidend an der Regierungsbildung beteiligt wäre – mithilfe einer Mehrheit, die das BSW im Landtag mitorganisiert. Je nach Wahlausgang könnte dies bedeuten, dass ein von der AfD gestellter oder getragener Ministerpräsident mit Unterstützung des BSW gewählt wird, ohne dass das BSW selbst einer klassischen Koalition beitritt. Das BSW würde die AfD-Regierung tolerieren.
Angebot auch auf Bundesebene
Obwohl das BSW im Bundestag nicht vertreten ist und die notwendige Stimmenzahl knapp verfehlt hat, bietet die Partei auch auf Bundesebene eine Zusammenarbeit an, knüpft diese aber an Bedingungen: „Wir würden bei einem nachträglichen Einzug in den Bundestag durch eine Neuauszählung, die zwingend geboten ist und die Sie unterstützt haben, Untersuchungsausschüsse zur Nord-Stream-Sprengung, Corona-Zeit oder zu den Maskendeals von Jens Spahn (CDU) ermöglichen.“ Der große Vorteil für die AfD sei dabei, dass das BSW bei Abstimmungen grundsätzlich immer streng in der Sache entscheide „und nicht danach, wer in den Parlamenten die Anträge stellt“.
Gemeinsame Wahlkampfduelle geplant
Das BSW sucht demonstrativ die Nähe zur AfD. Die Parteiführung schlägt Alice Weidel sogar ein gemeinsames Wahlkampfduell mit Sahra Wagenknecht vor und will „eine kontroverse Debatte zwischen den bekanntesten Gesichtern zweier Parteien, die aus unterschiedlichen Gründen vom Mainstream bekämpft werden“. Dafür stellt das BSW seine „Wahlkampfbühnen“ zur Verfügung und träumt von einer „Veranstaltung in Magdeburg und einer in Schwerin – zwei Duelle mit Hin- und Rückspiel“.
Wagenknecht: „Herbst 2026 hat etwas von 1989“
BILD fragte bei Wagenknecht nach, ob sie bei den Duellen mitmacht. Ihre Antwort: „Das BSW lädt zum Anti-Brandmauer-Gipfel.“ Die Idee: „Der Herbst 2026 hat etwas von 1989! Zieht das BSW in den Landtag von Magdeburg ein, gibt es eine echte Chance für einen demokratischen Neubeginn.“
Signal an die politische Konkurrenz
Aus einem Debattenangebot wird eine Machtoption für die AfD. Für die politische Konkurrenz dürfte der Brief vor allem eines sein: ein Signal, dass das BSW nach den Wahlen bereit ist, der AfD an die Macht zu verhelfen. Damit entfacht das BSW die politische Debatte über die AfD neu.



