Der Kölner Podcaster Ben Berndt hat mit seinem Format „ungeskriptet“ Millionen Zuschauer erreicht. Seinen Erfolg erklärt er damit, dass er kein Journalist sei, sondern ein freundlicher Gastgeber. Selbst für den thüringischen AfD-Chef Björn Höcke bot er eine Bühne – und löste damit eine Kontroverse aus.
Höcke-Interview: Millionen Klicks und Streit mit der Medienaufsicht
Das im April veröffentlichte Video-Podcast-Interview mit Björn Höcke wurde auf YouTube 6,1 Millionen Mal angesehen, etwa 118.000 Kommentare gingen ein, und auf Plattformen wie Spotify hörten es mehrere hunderttausend Menschen. Damit knackte Berndt die Eine-Million-Abonnenten-Marke auf YouTube und erhielt einen Award. Der Erfolg brachte ihm jedoch Ärger mit der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen ein. Sie forderte ihn auf, den Podcast nachträglich zu überarbeiten, da er auf journalistische Sorgfaltspflicht verzichtet habe, indem er Höcke ohne Einordnung habe reden lassen. Berndt kündigte an, rechtliche Schritte bis zum Bundesgerichtshof zu prüfen.
Selbstverständnis: Gastgeber statt Journalist
Berndt versteht sich nicht als Journalist. „Ich unterhalte mich einfach mit Menschen, so wie wir das seit Jahrtausenden tun“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Viele Journalisten hielten sich für neutraler, als sie seien. Ein Quoten-AfDler in jeder Redaktion würde dem Journalismus guttun, da die AfD die erfolgreichste Partei in Deutschland sei, aber in Redaktionen unbeliebt. Sein Vorbild ist der US-Podcaster Joe Rogan, der auch Politiker wie Donald Trump interviewte. Berndt orientierte sich beim Studioaufbau und der Mikrofonauswahl an Rogan.
Vom Kampfsportler zum Medienphänomen
Berndt, der früher Kampfsport in Krav Maga betrieb und sich als „kleinen, dicken Klugscheißer“ beschreibt, der zum Käfigkämpfer wurde, sagt, der Sport habe ihn gelehrt, Konflikte auszuhalten. Nach einem dualen Studium bei der Lufthansa machte er sich mit einem Start-up selbstständig. Sein Podcast begann vor gut vier Jahren in seiner Küche, inzwischen hat er ein eigenes Studio in einem Kölner Vorort. Die Gästeliste ist schillernd: von Clanchef Arafat Abou-Chaker über Rocksänger Philipp Burger (Frei.Wild) bis zu Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang und Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann.
Kontroverse um rechtes Spektrum und Werbeeinnahmen
Die frühere SPD-Chefin Saskia Esken warf Berndt vor, ein Rechter und Wegbereiter der AfD zu sein, und forderte Unternehmen auf, seinen Podcast auf die schwarze Liste zu setzen. Berndt entgegnete, man habe Esken eingeladen, sie habe aber abgesagt. Der Boulevardjournalist Kai Diekmann hingegen lobte Berndts Ansatz: Das Gespräch mit Höcke biete einen unverstellten Blick auf dessen Denken und entlarve ihn mehr als choreografierte Interviews. Die Medien hätten versäumt, die schlimmsten Passagen zu destillieren. Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der Funke-Mediengruppe, ließ sich von Berndts Format inspirieren, betonte aber die Notwendigkeit journalistischer Einordnung.
Zukunftspläne: Musk, Putin und ein neues Studio
Berndt arbeitet an einem neuen, größeren Studio. Auf seiner Wunschliste für Gäste stehen Elon Musk, Wladimir Putin, Joe Rogan und Benjamin Netanjahu. „Ich arbeite dran, dass das irgendwann passiert“, sagte er. Am meisten Spaß machten ihm Gespräche, wenn beide Seiten Lust darauf hätten – „dann ist das wie Kindergeburtstag“.



