Linksextremismus: Straftaten steigen um 40 Prozent – Verfassungsschutz warnt
Straftaten von Linksaußen steigen um 40 Prozent

Die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Laut dem aktuellen Verfassungsschutzbericht wurden 2025 insgesamt 8133 Delikte registriert – ein Anstieg von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Gewalttaten legten sogar um rund 61 Prozent auf 856 Fälle zu. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach bei der Vorstellung des Berichts von einer „erheblichen Gefahr“, die von der extremen Linken ausgehe.

Erstmals „Linksterrorismus“ im Verfassungsschutzbericht

Der 460 Seiten umfassende Bericht widmet sich auf gut 60 Seiten dem Linksextremismus. Erstmals verwendet die Behörde darin den Begriff „Linksterrorismus“. „Noch nie zuvor hat die Behörde auf Landes- oder Bundesebene diesen Begriff gewählt“, heißt es. Der Verfassungsschutz argumentiert, dass es Linksextremisten und Linksterroristen vor allem um die „gewaltsame Bekämpfung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ gehe, wobei die Bevölkerung leidtragend sei.

Ein Beispiel für die neue Qualität der Gewalt ist der Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin im Januar, der zum längsten Stromausfall seit dem Zweiten Weltkrieg führte. Rund 50.000 Haushalte waren teils tagelang ohne Strom und Heizung, 2200 Unternehmen konnten nicht arbeiten. Die Täter werden einer mutmaßlich linksextremen „Vulkangruppe“ zugerechnet.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Zahlen und Fakten: Szene wächst, Gewaltbereitschaft steigt

Die Zahl der Linksextremisten in Deutschland stieg um rund zehn Prozent auf insgesamt 42.200 Personen. Davon sind 11.600 dem gewaltorientierten Spektrum zuzuordnen. Die 856 Gewalttaten mit linksextremistischem Hintergrund stehen 1598 rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten gegenüber. Extremismusexperte Hendrik Hansen von der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung betont: „Das Gewaltpotenzial war auch in den vergangenen Jahren hoch, es hat sich nur nicht in entsprechendem Maße artikuliert.“

Hansen sieht die gestiegenen Zahlen als Verstärkung eines bekannten Trends. In den 2010er-Jahren habe die linksextremistische Gewalt regelmäßig höher gelegen als die rechtsextremistische. Nach einem Rückgang ab 2020 zeige sich nun wieder eine stärkere Mobilisierung. „Jetzt sehen wir im letzten Jahr wieder eine stärkere Mobilisierung und eine größere Bereitschaft, zur Gewalt zu schreiten“, so Hansen.

Ko-Radikalisierung als Treiber

Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg ist nach Einschätzung von Experten die sogenannte Ko-Radikalisierung. Auch im rechtsextremistischen Milieu stiegen die Fallzahlen – um rund 17 Prozent. Die Gewalt gegen Linksextremisten nahm von 106 auf 165 Fälle zu. Gleichzeitig sieht die linksextremistische Szene Gewalt als letztes Mittel im Kampf gegen den erstarkenden Rechtsextremismus. „Die Szene ist überzeugt, dass sich der Aufstieg rechter Kräfte wie der AfD nicht mehr mit demokratischen Mitteln aufhalten lässt – sondern nur mit Härte“, erklärt Hansen.

Die registrierten Delikte gegen vermeintliche oder tatsächliche Rechtsextremisten stiegen auf 6027, darunter 528 Gewalttaten – nahezu eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Hansen warnt: „Wenn dieser Trend anhält, wäre das sehr bedenklich.“ Er appelliert, Linksextremismus und Rechtsextremismus nicht gegeneinander auszuspielen: „Der 360-Grad-Blick ist zwingend notwendig.“

Einfluss von Demonstrationen und Polizeieinsätzen

Innenminister Dobrindt führt den Anstieg auch auf „viele politische Demonstrationen“ zurück, bei denen es zu Körperverletzungen gegen Polizei und Widerstand gegen die Staatsgewalt gekommen sei. Er verwies auf den AfD-Parteitag in Riesa und die Gründung der Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Gießen, wo es zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Hunderte Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet. Auch zum AfD-Parteitag in Erfurt wurden 2500 Personen aus der linksextremistischen Szene erwartet, doch die befürchteten Ausschreitungen blieben weitgehend aus.

Hansen mahnt zur Besonnenheit: „Es ist sehr wichtig, Linksextremismus und Rechtsextremismus nicht gegeneinander auszuspielen, sondern beides mit dem gleichen Ernst zu betrachten.“ In der Sicherheitspolitik bestehe die Gefahr, bei starken Ausschlägen Personal umzuschichten und andere Bereiche zu vernachlässigen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration