Tempelhofer Feld: Wahlkampf um Wohnungsbau auf grüner Oase
Tempelhofer Feld: Zankapfel im Berliner Wahlkampf

Tempelhofer Feld: Symbol der Luftbrücke und grüne Lunge Berlins

Das Tempelhofer Feld, ein ehemaliger Flughafen im Herzen Berlins, ist mehr als zwei Kilometer lang und breit und umfasst rund 300 Hektar. Es zählt zu den größten innerstädtischen Freiflächen Europas und liegt zwischen den Bezirken Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg. Etwa 230 Hektar sind offene Wiesenflächen, durchzogen von den alten Start- und Landebahnen. Seit der Öffnung 2010 wird das Gelände bei gutem Wetter von zahlreichen Menschen zum Grillen, Joggen, Skaten, für urbane Gärten und Konzerte genutzt. In den Wintermonaten ist es oft weitgehend leer – ein riesiger ungenutzter Platz in der Großstadt.

Historisch war das Feld zunächst preußisches Militärgelände, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zum Flughafen ausgebaut und war während der Berliner Luftbrücke 1948/49 ein Symbol der Versorgung West-Berlins. Das denkmalgeschützte Flughafengebäude zählt zu den größten Bauwerken Europas. 2008 wurde der Flughafen geschlossen.

Volksentscheid 2014: Bebauungsverbot als Gesetz

Vor fast 15 Jahren, im September 2011, wurde in Berlin-Neukölln die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“ gegründet. Sie forderte den Verzicht auf eine Bebauung des riesigen Geländes. 2014 wurde genau das mit einem Volksentscheid als Gesetz beschlossen. Dieses Gesetz verbietet bis heute eine Bebauung und schreibt den Erhalt als Freifläche fest. Angesichts fehlender Wohnungen in Berlin werden die Forderungen nach einer Änderung dieses Gesetzes seit Jahren immer lauter. In Umfragen der letzten Zeit sprechen sich inzwischen Mehrheiten eher für als gegen eine Teilbebauung aus. Im Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September spielt das Thema eine große Rolle.

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Positionen der Akteure: Randbebauung versus vollständiger Erhalt

Der Berliner Senat aus CDU und SPD verfolgt ein Modell der „maßvollen Randbebauung“. Diskutiert werden mehrere Bereiche entlang der äußeren Ränder, etwa am Tempelhofer Damm und an der Oderstraße. Vorgaben sind eine dichte, flächensparende Bauweise, ein hoher Anteil geförderter Wohnungen sowie klimaneutrale Baukonzepte. Die innere Freifläche soll unangetastet bleiben. In einem Vorschlag von Architekten zu einem Ideenwettbewerb ist von rund 20.000 Wohnungen die Rede.

Die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“, die den Volksentscheid initiiert hat, lehnt jede Form der Bebauung strikt ab. Ihr Konzept setzt auf die Weiterentwicklung innerhalb der bestehenden Nutzung: Ausbau von Gemeinschaftsgärten, Förderung von Sport- und Freizeitangeboten sowie kulturelle Nutzungen ohne dauerhafte bauliche Eingriffe. Sie argumentiert, dass bereits eine Randbebauung einen Präzedenzfall schaffen und langfristig zu weiterer Bebauung führen könnte.

Architekten und Stadtplanung: Kompakte Quartiere auf 10–15 Prozent der Fläche

Architekturbüros und Universitäten wie die TU Berlin entwerfen kompakte Quartiere mit fünf- bis siebengeschossiger Bebauung, die auf etwa 10 bis 15 Prozent der Gesamtfläche begrenzt sind. Ein Teil der Flächen soll gezielt an Baugruppen und Genossenschaften vergeben werden, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Einige Entwürfe sehen vollständig autofreie Quartiere mit Fokus auf Fahrrad- und Fußverkehr vor. Die Gebäude sollen so angeordnet werden, dass Frischluftströme möglichst wenig beeinträchtigt werden, etwa durch offene Baukörper und große Grünachsen.

Umwelt- und Naturschutz: Ökologische Bedeutung als Frischluftschneise

Verbände wie der BUND Berlin oder die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz verweisen auf die hohe ökologische Bedeutung des Feldes. Dort leben Feldlerchen, seltene Insektenarten und spezialisierte Pflanzen, die offene, ungestörte Flächen benötigen. Wichtig sei außerdem das Feld als Frischluftschneise: Nachts kühlt die offene Fläche stark ab und transportiert kühlere Luft in angrenzende dicht bebaute Quartiere. Sie fordern den vollständigen Verzicht auf Bebauung und eine Ausweitung von Schutzflächen.

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Parteien im Wahlkampf: Uneinigkeit bei SPD und Linken

Die CDU unterstützt eine Bebauung. Die SPD ist bei der Frage nicht einig: Ein Teil der Partei befürwortet eine begrenzte Randbebauung mit Fokus auf sozialen Wohnungsbau, ein anderer ist dagegen. Die Grünen betonen die Klimafunktion des Feldes, sind aber teilweise offen für eingeschränkte Bebauung unter strengen ökologischen Bedingungen. Auch die Linke ist eher gespalten – manche Politiker lehnen das Bauen grundsätzlich ab, andere würden sozialen Wohnungsbau am Rand akzeptieren. Die AfD fordert den Bau von Wohnraum auf Teilen des Feldes.

Ausblick: Entscheidung nach der Wahl am 20. September

Am 20. September wird das Berliner Abgeordnetenhaus neu gewählt. Vom Ausgang der Wahl hängt vieles ab. In den Koalitionsverhandlungen der Parteien zur Bildung eines neuen Senats dürfte das Thema eine große Bedeutung haben. Diskutiert werden auch ein neuer Volksentscheid oder ein anderes Beteiligungsverfahren. Die Frage, ob das Tempelhofer Feld teilweise bebaut oder vollständig als Freifläche erhalten bleibt, bleibt somit eines der zentralen Streitthemen im Berliner Wahlkampf.