Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel hat am Montagabend in einem türkischen Hochzeitssaal in Berlin-Neukölln Wahlkampf für die Berliner Spitzenkandidatin Kristin Brinker gemacht. Rund 500 Anhänger feierten die Parteichefin im Grand Palas an der Nobelstraße, einem Veranstaltungsort, der normalerweise für Hochzeiten türkischer und arabischer Großfamilien genutzt wird. Die Location war mit weißen Tischdecken, glitzernden Kronleuchtern und orientalischer Wanddeko geschmückt, während auf dem Hof Müllgeruch und brütende Hitze herrschten.
AfD-Mitglieder feiern Weidel mit rhythmischem Klatschen
Die Berliner AfD hatte ihre 2000 Mitglieder zur offiziellen Wahlkampfveranstaltung eingeladen. Wer sich zuerst meldete, erhielt das begehrte Ticket. Landessprecher Roland Gläser, der mit Weidel im Bundestag sitzt, sagte: „Wenn Alice Weidel da ist, kommen alle.“ Die Gäste bekamen kostenlos drei Gänge und alkoholfreie Getränke; Alkohol musste bezahlt werden. Im Publikum saß eine Mischung aus älteren Herren, oft mit Jackett, und vielen jungen Leuten, etwa ein Drittel Frauen. Am Pressetisch saßen rechte Influencer und AfD-nahe Medien.
Mit rhythmischem Klatschen und Gejohle begrüßten die Mitglieder ihre Frontfrau. Der Abgeordnete Alexander Bertram, als Kronprinz der Landeschefin geltend, erwähnte die Schwierigkeiten der Partei, in Berlin Räume zu finden. Diesmal habe Landesvorsitzende Kristin Brinker einen „mutigen Unternehmer“ gefunden, der die Location zur Verfügung stellte. Man lasse sich aus Berlin „nicht verdrängen“.
Brinker kündigt „Epoche des gesunden Menschenverstandes“ an
Das Selbstbewusstsein angesichts von Umfragewerten von 28 Prozent bundesweit und 18 Prozent in Berlin war den AfD-Mitgliedern anzumerken. Brinker wurde als „künftige Regierende Bürgermeisterin“ eingeführt. „Mit denen geht es immer weiter bergab“, sagte sie mit Blick auf die anderen Parteien, „mit uns geht es immer weiter bergauf“. Sie wetterte gegen den „Linksterrorismus“ und warf dem Senat vor, auf dem „linken Auge blind“ zu sein. Sie beschwor die „Sehnsucht der Menschen nach einem kompletten Neuanfang“. Und weiter: „Spätestens, wenn wir in Regierungsverantwortung sind, werden wir die Probleme lösen.“
Sie sammelte Lacher mit Hohn auf Gendersprache und beklagte die vielen Einbürgerungen. „Wir alle halten den Kopf hin“, sagte Brinker: „Aber jetzt ist es vorbei.“ Sie kündigte eine „Epoche des gesunden Menschenverstandes“ an, die Berlin wieder stark machen werde. „Kai Wegner wird abgestraft werden, und das ist auch richtig so.“ Sie warf dem Regierenden Bürgermeister vor, für 300.000 Euro mit einem eigenen Wagen der Senatskanzlei am CSD teilzunehmen. Mit der AfD werde es Wohnungen zuerst für Berliner geben, nicht für Asylbewerber.
Weidel: „Wir stecken Leute in den Flieger“
Weidel bedankte sich beim Betreiber des Grand Palas, dass „wir hier sein dürfen“, obwohl man ja „in der besten Demokratie“ lebe. Es klang drohend, als sie ankündigte, dass „sich die Zeiten ändern“ würden. Es sei in Berlin mutig, mit einem AfD-Logo an Infoständen zu stehen. Sie lobte Brinker, weil diese jedem zuhöre und andere Meinungen stehen lasse. Gräben in der Gesellschaft zuzuschütten, werde auch die Aufgabe der AfD als Regierungspartei sein. Kurz darauf warf sie der Regierung jedoch „extremistische Politik“ und „grüne Schwachsinnspolitik“ vor.
Weidel versprach: „Wir wollen das Land wieder reich sehen, dass Frauen und Kinder in Berlin wieder sicher über die Straßen laufen können.“ Berlin sei eine weltoffene Stadt, die AfD sei die Partei der Menschen, die sich integriert hätten. Wer Deutschland liebe, sei willkommen. Aber die Grenze sei da, wo Gesetze gebrochen und Sozialsysteme ausgenutzt würden. „Wir stecken Leute in den Flieger“, versprach Weidel und polemisierte gegen Familienzusammenführung mit „Zweit- und Drittfrauen, ganzen Harems“.
AfD-Chefin fordert Neuwahlen im Bund
Sie versprach den Wiedereinstieg in die Kernkraft, den Stopp der Energiewende, keine Sozialleistungen für „Kostgänger und Wirtschaftsflüchtlinge“, freie Auswahl beim Tanken und eine Steuer-Flat-Tax von 25 Prozent für alle. Sie lästerte über „Bürokraten“, die die freie Wirtschaft bremsen wollten. „Wir werden sie achtkantig rausschmeißen“, kündigte sie an. Unternehmen und der freie Wettbewerb sollen entscheiden. Den anderen Parteien gehe es nicht mehr um die Menschen, „um euch“, rief Weidel und forderte Neuwahlen im Bund im nächsten Jahr. Die AfD-Mitglieder applaudierten mit glänzenden Augen und skandierten „Alice, Alice“.



