Andy Burnham: Vom Arbeiterkind zum britischen Premierminister
Andy Burnham: Vom Arbeiterkind zum Premier

Andy Burnham wird aller Voraussicht nach am Montag britischer Premierminister. Der 56-Jährige hat einen langen Weg von der nordenglischen Kleinstadt bis zur Downing Street zurückgelegt. Sein Aufstieg begann mit einer nachgestellten Schulwahl im Jahr 1987, bei der er als Labour-Kandidat antrat und gewann – nicht zuletzt, weil Unterstützer das Mikrofon seines Gegners abklemmten. „Andy gewann haushoch. Allerdings hätte er das wahrscheinlich so oder so geschafft, denn es war eine ausgesprochene Labour-Gegend“, erinnert sich sein damaliger Englischlehrer Steve Harrington.

Vom Arbeiterkind zum Cambridge-Absolventen

Burnham wuchs als mittlerer von drei Brüdern in Newton-le-Willows auf. Sein Vater war Fernmeldetechniker, seine Mutter Rezeptionistin. Als erster seiner Familie besuchte er eine Universität – Cambridge, wo er englische Literatur studierte. Dort fühlte er sich oft als Außenseiter, wie er später in seinem Buch „Head North“ schrieb. Er zeigte seinen Arbeiter-Hintergrund offen, trug Fußballtrikots zu Vorlesungen und beeindruckte mit Shakespeare-Zitaten. Seine niederländischstämmige Kommilitonin Marie-France van Heel, die er 2000 heiratete, galt als „das coolste Mädchen des College“. Das Paar hat drei Kinder.

Der Einstieg in die Politik

Nach dem Studium zog Burnham 1992 nach London und arbeitete als Journalist. Auf Anraten einer Kollegin bewarb er sich als Assistent bei der Labour-Abgeordneten Tessa Jowell – sein Einstieg in die Politik. 1997 half er bei Tony Blairs Wahlkampf, den dieser mit einem Erdrutschsieg gewann. In den folgenden Jahren stieg Burnham schrittweise auf: zunächst als parlamentarischer Assistent, dann als Junior-Minister. Unter Gordon Brown wurde er Chief Secretary to the Treasury, später Kultur- und Gesundheitsminister. Nach der Wahlschlappe 2010 wechselte er in die Opposition.

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Der Wendepunkt: Hillsborough

Burnham gilt als warmherzig und bodenständig, aber auch stur. Diese Sturheit wurde 2009 zur Stärke, als Angehörige der Hillsborough-Katastrophe seine Rede niederschrien. Er setzte sich unermüdlich für eine Neuaufarbeitung ein, die ein massives Polizeiversagen offenlegte. „Meine Abkehr von Westminster begann an jenem Tag in Anfield“, sagte er später. Das von ihm vorangetriebene „Hillsborough Law“ zwingt Amtsträger zu wahrheitsgemäßen Aussagen bei Untersuchungen und steht kurz vor der Verabschiedung.

Aufstieg zum „King of the North“

Seine Kandidaturen für den Labour-Vorsitz 2010 und 2015 scheiterten. 2017 wurde er Bürgermeister von Greater Manchester und fand seine Berufung. Während der Covid-Lockdowns 2020 setzte er sich lautstark für stärkere Finanzhilfen für Nordengland ein und wurde zur nationalen Figur. In Anlehnung an „Game of Thrones“ erhielt er den Spitznamen „King of the North“. „Er brachte die Hilflosigkeit zum Ausdruck, das Gefühl, dass die Regierung vielleicht nicht wirklich verstand, wie es ist, an einem Ort wie Manchester zu leben“, sagte Joshi Herrmann, Gründer der Onlinezeitung „The Manchester Mill“, dem Sender NPR.

Erfolge als Bürgermeister

Als Bürgermeister stellte Burnham den privatisierten Busverkehr wieder unter öffentliche Kontrolle, was zu besserem Angebot und niedrigeren Preisen führte. Er holte zusätzliche Kompetenzen in Bereichen wie Wohnen, Ausbildung und Gesundheit in die Region. Diese „Devolution“ möchte er nun als Premier landesweit umsetzen, mit einer Zweigstelle seines Amtssitzes in Manchester: „Number 10 North“. Seine Ideologie nennt er „Manchesterism“, einen „aspirationalen Sozialismus“, bei dem die öffentliche Hand sich um Wohnraum, Energie, Wasser und Nahverkehr kümmert, um soziale Mobilität zu ermöglichen. Greater Manchester gilt als eine der am schnellsten wachsenden Metropolregionen des Landes.

Herausforderungen als Premier

Wenn Burnham wie geplant am Montag Regierungschef wird, wird ihn ein Problem begleiten: Ein Hauch von Illegitimität, da er sein Amt einem parteiinternen Putsch gegen Keir Starmer verdankt. „Ich glaube, er wird eher früher als später vors Land treten und Neuwahlen ausrufen wollen“, sagte ein langjähriger Freund dem Guardian. „Er wird sein eigenes Mandat wollen.“

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