Brandanschlag auf linkes Wohnprojekt in Cottbus: Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes
Brandanschlag in Cottbus: Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes

Nach einem mutmaßlich rechtsextrem motivierten Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle79“ in Cottbus haben Mordkommission und Staatsschutz die Ermittlungen wegen des Verdachts des versuchten Mordes aufgenommen. Bei der Tat in der Nacht zum Donnerstag wurde glücklicherweise niemand verletzt. Die Polizei sucht nun nach zwei unbekannten Tätern.

Tatablauf und erste Erkenntnisse

Laut Polizeiangaben meldeten Zeugen gegen 1:15 Uhr, dass zwei maskierte Männer mehrere Flaschen mit brennbarem Inhalt auf das Gebäude des Wohnprojekts geworfen hätten. Die Täter werden als schwarz gekleidete Männer im Alter zwischen 15 und 20 Jahren beschrieben. Die Bewohner berichten von Brandspuren an der Fassade, größere Schäden entstanden nicht. „Es ist Sommer, viele hatten die Fenster offen“, erklärte Bewohnerin Fabi Buchholz gegenüber der taz. Sie sieht die Gefahr für die Anwohner als sehr hoch an: „Die Täter haben bewusst in Kauf genommen, Menschen zu verletzen oder zu töten.“

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Die Polizei begründet den Mordverdacht mit dem Zeitpunkt der Tat. „Um die Zeit muss man davon ausgehen, dass die Leute schlafen“, sagte Polizeisprecher Sascha Erler der taz. Die endgültige rechtliche Bewertung obliege jedoch der Staatsanwaltschaft. Da es sich bei der „Zelle79“ um ein alternatives Wohnprojekt handelt, gehen die Ermittler von einer politisch motivierten Tat aus. Bereits zum sechsten Mal wurde das Projekt öffentlich bekannt angegriffen.

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Hintergrund: Angriffe auf „Zelle79“

Die „Zelle79“ ist ein linkes alternatives Wohnprojekt in Cottbus. Während der laufenden Christopher-Street-Day-Aktionswochen hatten die Bewohner unter anderem eine Regenbogenflagge sowie ein Banner mit der Aufschrift „Liebe Cottbuser*innen, wir gendern trotzdem!“ am Gebäude angebracht. Dies könnte das Motiv für den Anschlag gewesen sein. Als Reaktion auf den Brandanschlag sichert die Polizei das Wohnprojekt derzeit zusätzlich mit einem Streifenwagen. „Wir stehen mit den Bewohnern im Austausch, um das Sicherheitsgefühl zu stärken“, so Polizeisprecher Erler. Er räumte jedoch ein: „Verhindern lassen wird sich sowas nicht.“

Reaktionen aus der Politik

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) verurteilte die Tat deutlich. „Wer Molotowcocktails schmeißt, nimmt Opfer in Kauf“, erklärte er in einer Mitteilung des Innenministeriums. Die Bewohner des Wohnprojekts zeigen sich trotz des Angriffs entschlossen. „Wir bleiben hier, wir bleiben stark, wir bleiben sichtbar“, sagte Buchholz gegenüber der taz. Die Ermittlungen dauern an.

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