Der Tag danach: David Camerons Geständnis
Am Morgen nach dem Referendum trat David Cameron vor die Kameras. Dunkelblauer Anzug, rote Krawatte, Sorgenfalten im Gesicht. Der damalige britische Premierminister musste eingestehen: Das Ganze war nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Eine knappe Mehrheit von 51,9 Prozent hatte für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt – ein Ergebnis, das Cameron selbst nicht erwartet hatte.
Der Brexit als Selbstfindungskurs
Hinter der Entscheidung gegen Europa steckte mehr als nur EU-Skepsis. Der Brexit war auch ein Votum gegen die eigene Regierung, gegen Globalisierung und gegen das Establishment. Zehn Jahre später zeigt sich: Die Spaltung der Gesellschaft ist tiefer denn je. Während Brexit-Befürworter die Rückgewinnung nationaler Souveränität feiern, beklagen Gegner wirtschaftliche Einbußen und internationale Isolation.
Wirtschaftliche Folgen und politische Neuausrichtung
Die britische Wirtschaft hat sich seit dem Votum erholt, aber das Wachstum bleibt hinter dem der EU zurück. Handelsabkommen mit Drittstaaten konnten die Verluste durch den Wegfall des Binnenmarkts nicht vollständig ausgleichen. Politisch hat der Brexit die Tories gespalten und Labour in eine Identitätskrise gestürzt. Der Nordirland-Konflikt schwelt weiter, und Schottland erwägt erneut eine Unabhängigkeitsabstimmung.
Ein Essay von Lion Grote
Der Tagesspiegel-Autor Lion Grote analysiert in seinem Essay die tiefgreifenden Veränderungen, die der Brexit ausgelöst hat. Er beschreibt ein Land auf der Suche nach sich selbst – zwischen Nostalgie und Zukunft, zwischen nationaler Identität und globaler Verflechtung. „Großbritannien hat sich für einen Alleingang entschieden, aber die Welt ist nicht stehen geblieben“, schreibt Grote. Die Frage, was der Brexit für die Briten bedeutet, bleibt zehn Jahre nach dem Votum aktuell.



