Der britische Premierminister Keir Starmer steht nach dem Parlamentseinzug seines parteiinternen Rivalen Andy Burnham massiv unter Druck und könnte laut britischen Medien noch in dieser Woche seinen Rücktritt erklären. Die Zeitung The Guardian berichtete am Sonntag, Starmer werde am Montag seinen Rücktritt bekanntgeben, nachdem der Druck der Labour-Abgeordneten enorm gewesen sei, Andy Burnham den Weg zum Parteichef freizumachen. Auch The Observer meldete am Samstag unter Berufung auf Quellen innerhalb der Labour-Partei, dass Starmer schon am Montag zurücktreten und einen Zeitplan für seinen Abgang vorlegen werde.
Downing Street dementiert
Aus der Downing Street hieß es der BBC zufolge hingegen noch am Samstagabend, dass sich an der Position des Premiers seit Freitag nichts geändert habe. Nach dem Einzug Burnhams ins Parlament bekräftigte Starmer am Freitag, weiter im Amt bleiben und sich jeder möglichen Wahl um den Parteivorsitz stellen zu wollen. Auch Wirtschaftsminister Peter Kyle widersprach den Rücktrittsberichten. „Ich habe keinen Grund zur Annahme, dass sie wahr sind. Ich sehe da draußen lauter Spekulationen“, sagte er dem Sender Sky. Dennoch räumte er ein, dass Starmer über Vieles nachdenke: „Gleichzeitig versucht er auch, einen Raum zu schaffen, in dem er über die politischen Realitäten und Herausforderungen sowie die vor uns liegenden Chancen nachdenken und reflektieren kann.“
Druck aus den eigenen Reihen
Der Druck auf den Premier war in den letzten 48 Stunden massiv gewachsen. Berichten zufolge legten ihm zahlreiche Abgeordnete und Kabinettsmitglieder einen Abgang nahe – darunter nach Informationen des Senders Sky auch hochrangige Figuren wie Außenministerin Yvette Cooper. Der Premier zog sich am Wochenende mit seiner Familie auf seinen Landsitz Chequers zurück. Burnham hatte am Donnerstag die Nachwahl im Bezirk Makerfield gewonnen. Erst durch den gewonnenen Parlamentssitz kann er Starmer in die Wahl um den Vorsitz der Regierungspartei Labour zwingen und bei einem Erfolg als Premierminister ablösen. Als weiterer möglicher Kandidat für eine Führungswahl gilt der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting.
Sollte Starmer trotz aller Spekulationen bei seiner Haltung bleiben, einen Rücktritt auszuschließen, dürfte Burnham sehr bald den Prozess für eine Führungswahl bei der Regierungspartei Labour auslösen. Die politische Krise in Großbritannien spitzt sich damit weiter zu, und die kommenden Tage werden entscheidend sein für die Zukunft von Keir Starmer und der Labour-Partei.



