Der Bundestag hat am Freitag das Sportfördergesetz verabschiedet, das den deutschen Spitzensport grundlegend reformieren soll. Mit 561 Ja-Stimmen bei 43 Gegenstimmen wurde der Gesetzentwurf angenommen, wie Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour mitteilte. Die Fraktionen von Union, SPD, AfD und Grünen stimmten mehrheitlich dafür, während die Linksfraktion das Vorhaben ablehnte.
Kern der Reform: Unabhängige Spitzensportagentur
Herzstück des Gesetzes ist die Gründung einer unabhängigen Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig. Sie soll ab 2027 ihre Arbeit aufnehmen und von zwei hauptamtlichen Vorständen geführt werden. Ein Stiftungsrat aus Vertretern der Politik und des organisierten Sports dient als zentrales Aufsichtsorgan. Die Agentur soll Steuermillionen unabhängig verteilen, Bürokratie abbauen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Athleten steigern. Zu ihren Aufgaben gehören die Verbandsförderung, individuelle Athletenförderung, wissenschaftliche Unterstützung, die Förderung und Neuausrichtung von Olympia- und Bundesstützpunkten sowie die Festlegung von Kaderkriterien. Ab 2031 sind jährliche Kosten von 8,4 Millionen Euro vorgesehen.
Mehr Mitsprache für den Sport
Die Koalition reagierte auf Forderungen des organisierten Sports und erhöhte die Zahl der Stiftungsratsmitglieder von neun auf zehn. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) darf nun vier statt drei Mitglieder entsenden, wobei ein Platz von der Athletenkommission besetzt werden muss. DOSB-Präsident Thomas Weikert begrüßte die Anpassungen: „Das Gesetz bietet eine gute Grundlage, auf der wir Erfolge aufbauen können. Wir wollen Deutschland zurück in die Weltspitze des Sports führen. Wir wollen ein System gestalten, das nachhaltige Spitzenleistungen hervorbringt.“
Kritik von Linksfraktion und AfD
Die Linksfraktion lehnte das Gesetz ab. Abgeordneter Jorrit Bosch kritisierte eine „Sportförderung je nach Kassenlage“ und bemängelte die mangelnde soziale Absicherung von Trainern. Auch von der AfD kam Kritik: Abgeordneter Jörn König sagte: „Das Gesetz kommt aber viel zu spät und ist nur ein Anfang.“ Er forderte, dass institutionelle Zuwendungsempfänger wie der DOSB keinen Platz im Stiftungsrat haben sollten.
Nächste Schritte
Der Bundesrat soll im Herbst abschließend über das Gesetz beraten. Erst nach seiner Zustimmung kann das Sportfördergesetz in Kraft treten und die Reform des Spitzensports in Deutschland beginnen. Ziel ist es, deutsche Athleten langfristig wieder an die Weltspitze zu führen und mehr Medaillen bei internationalen Wettbewerben zu gewinnen.



