Bundeswehr erwartet mehr Tierversuche
Die Bundeswehr rechnet in den kommenden Jahren mit einer Zunahme von Tierversuchen. Grund dafür sei die veränderte geopolitische Lage und die hohe Komplexität der Forschungsfragen, wie aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Die Antwort liegt der Deutschen Presse-Agentur vor und wurde zuvor von der „Rheinischen Post“ berichtet.
Zahlen unter Verschluss
Konkrete Zahlen für die Jahre 2020 bis 2025 stufte das Ministerium als Verschlusssache ein – mit Verweis auf das Staatswohl. Frühere Angaben zeigen jedoch, dass 2019 knapp 400 Versuchstiere in Bundeswehr-Einrichtungen erfasst wurden, darunter vor allem Ratten. Auch Hunde, Esel und Maultiere werden in Lehrgängen eingesetzt. In den 1980er Jahren lagen die Zahlen bei mehreren Tausend Tieren jährlich.
Forschung für den Ernstfall
Die Tierversuche dienen der medizinischen Forschung, um verwundeten Soldaten besser helfen zu können. Erprobt werden unter anderem Therapien für Haut- und Nierenverletzungen an Mäusen, Ratten, Meerschweinen und Schweinen. Das Ministerium betont, dass alle Tierschutzvorgaben eingehalten werden und man sich an Leitlinien zur Vermeidung und Verminderung von Tierversuchen orientiert.
Linke kritisiert und fordert Ausstieg
Ina Latendorf, Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken, übte scharfe Kritik. „Anstatt mehr Tierversuche bräuchte es einen konkreten Ausstiegsplan und ein sofortiges Verbot von schweren Tierversuchen“, sagte sie. Das Ministerium erklärte, dass derzeit keine Versuche mit höherem Schweregrad geplant seien.
Politischer Hintergrund
Der erwartete Anstieg steht im Zusammenhang mit der Aufrüstung der Bundeswehr. Die schwarz-rote Bundesregierung hat ein historisches Finanzpaket geschnürt, und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plant einen Aufwuchs auf 460.000 Soldaten – mehr als doppelt so viele wie die derzeit rund 185.000 aktiven Kräfte.



