Wenige Stunden nach seiner Vereidigung durch König Charles III. hat der neue britische Premierminister Andy Burnham die ersten Schlüsselpositionen seines Kabinetts besetzt. Die überraschendste Personalie: Der frühere Verteidigungsminister John Healey übernimmt das Amt des Schatzkanzlers. Healey hatte im Juni das Kabinett von Burnhams Vorgänger Keir Starmer aus Protest gegen dessen politischen Kurs verlassen und maßgeblich zu Starmers Rücktritt beigetragen.
Ed Miliband wird Außenminister, Mahmood bleibt Innenministerin
Der bisherige Klima- und Energieminister Ed Miliband übernimmt die Leitung des Außenministeriums. Innenministerin Shabana Mahmood behält ihren Posten. Andere enge Vertraute Starmers hingegen sind nicht mehr im Kabinett vertreten, darunter der frühere Vize-Regierungschef und Justizminister David Lammy sowie die ehemalige Finanzministerin Rachel Reeves. Auch die Ressorts für Wirtschaft und Wohnungsbau werden neu besetzt.
„Ich wäre stolz gewesen, weiterhin im Kabinett zu dienen“, sagte Lammy der Nachrichtenagentur PA. „Aber ein neuer Premierminister hat das Recht, sein eigenes Team zusammenzustellen.“
Erste Telefonate mit Trump und Selenskyj
Zu den ersten offiziellen Amtshandlungen Burnhams gehörte ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. Unter Starmer war das Verhältnis zwischen Großbritannien und den USA merklich abgekühlt. Burnham äußerte laut einem Sprecher die Hoffnung, „dem Präsidenten bei einem künftigen Besuch zeigen zu können, was Manchester zu bieten hat“. Trump war zuletzt im September 2025 von König Charles III. zu einem Staatsbesuch empfangen worden; im April 2026 besuchte das Königspaar den US-Präsidenten.
Zudem telefonierte Burnham mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte dem neuen Premier am Mittag und schrieb: „Das Vereinigte Königreich und Deutschland sind einander enge Verbündete und Partner. Gerade in diesen Zeiten beweist sich unsere tiefe Verbundenheit.“ Merz lud Burnham zu einem Besuch in Berlin ein.
Schwerpunkt auf Reindustrialisierung und Sicherheit
Burnhams Schwerpunkt als Premierminister werde „auf der Reindustrialisierung des gesamten Landes liegen“, hieß es in einer Mitteilung der Downing Street. Außerdem wolle er sich für Verteidigung und Sicherheit engagieren. Gegenüber Trump betonte Burnham, dass die oberste Priorität seiner politischen Agenda die Sicherheit des Vereinigten Königreichs und seiner Verbündeten sei.
Vor seiner Rückkehr in die nationale Politik Anfang 2026 war Burnham fast zehn Jahre lang Bürgermeister von Greater Manchester. Er gilt als pragmatischer Politiker mit starkem Fokus auf regionale Wirtschaftsentwicklung und soziale Gerechtigkeit.



