Die Beziehungen zwischen China und Russland sind enger, als es auf den ersten Blick scheint. Laut dem Politikwissenschaftler Björn Alexander Düben eint die beiden Staatsführer Xi Jinping und Wladimir Putin nicht nur geopolitische Interessen, sondern auch eine gemeinsame innenpolitische Strategie: die Konzentration von Macht auf eine einzelne Person. In einem Interview mit dem SPIEGEL erklärte Düben: „China hat Russland genau dort, wo es Russland haben möchte.“ Diese Aussage unterstreicht die symbiotische Natur der Allianz, die weit über militärische Kooperation hinausgeht.
Gemeinsame Machtprinzipien
Düben betont, dass beide Regime sich gegenseitig darin bestärken, Macht zunehmend zu personalisieren. „Es geht für beide nicht nur um Geopolitik, sondern auch um Ideologie und Regimeerhalt“, so der Experte. Xi Jinping hat in China die Verfassung ändern lassen, um seine Amtszeit unbegrenzt zu verlängern, während Putin in Russland ähnliche Schritte unternommen hat. Diese Parallelen schaffen eine ideologische Basis, die die Partnerschaft stabilisiert.
Geopolitische Implikationen
Die enge Verbindung hat direkte Auswirkungen auf die globale Sicherheitsarchitektur. Beide Länder treten gemeinsam gegen die von den USA geführte liberale Weltordnung auf. Düben zufolge nutzen sie internationale Foren wie die Vereinten Nationen, um ihre Interessen zu bündeln und westliche Sanktionen zu unterlaufen. „Die Allianz ist strategisch und ideologisch fundiert“, sagt er. „Das macht sie besonders widerstandsfähig gegenüber äußeren Druck.“
Wirtschaftliche Verflechtungen
Neben der politischen Kooperation vertiefen sich auch die wirtschaftlichen Bande. China ist Russlands größter Handelspartner, insbesondere im Energiebereich. Im Jahr 2025 stieg der bilaterale Handel um 15 Prozent auf über 200 Milliarden US-Dollar. Diese Abhängigkeit gibt Peking Einfluss auf Moskau, aber auch umgekehrt. Düben warnt jedoch vor einer Überschätzung: „Russland ist nicht der Juniorpartner, sondern ein gleichberechtigter Akteur, der seine eigenen Interessen verfolgt.“
Militärische Zusammenarbeit
Die militärische Kooperation hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gemeinsame Manöver wie „Vostok“ und „Sea Interaction“ demonstrieren die operative Kompatibilität beider Streitkräfte. Laut Düben geht es dabei nicht nur um Abschreckung, sondern auch um den Austausch von Technologien und Taktiken. „Beide profitieren von den Stärken des anderen – China von Russlands Erfahrung in der konventionellen Kriegsführung, Russland von Chinas technologischer Innovationskraft“, erklärt er.
Auswirkungen auf Europa
Für Europa bedeutet diese Allianz eine wachsende Herausforderung. Die gemeinsame Frontstellung gegen die NATO und die EU zwingt die europäischen Staaten zu einer Neubewertung ihrer Sicherheitspolitik. Düben empfiehlt, die Beziehungen zu beiden Ländern differenziert zu betrachten: „Eine pauschale Konfrontation wäre kontraproduktiv. Europa muss eigene strategische Optionen entwickeln, um nicht zwischen die Fronten zu geraten.“



