Count Binface fordert Nigel Farage bei Nachwahl in Clacton heraus
Count Binface vs. Farage: Duell in Clacton

Count Binface, ein als „unabhängiger Weltraumkämpfer“ auftretender Kandidat mit einem Mülleimer auf dem Kopf, fordert bei der Nachwahl im britischen Wahlkreis Clacton am 13. August den Rechtspopulisten Nigel Farage heraus. Der bisherige Abgeordnete Farage war am 7. Juli von seinem Mandat zurückgetreten, nachdem er sich zwei parlamentarischen Untersuchungen wegen nicht ordnungsgemäß angegebener Millionenspenden hatte stellen müssen. Er kündigte an, erneut anzutreten, und stellt die Wahl als Kampf des Volkes gegen das Establishment dar.

Boykott der großen Parteien

Die großen Parteien – Konservative, Labour, Grüne und Liberaldemokraten – boykottieren die Abstimmung und bezeichnen sie als Ablenkungsmanöver. Stattdessen hat sich Count Binface als Einheitskandidat gegen Farage positioniert. Er erklärte, es sei kein Problem, noch nie in Clacton gewesen zu sein, schließlich sei es Teil des Jobs, sich genau wie Farage vom Wahlkreis fernzuhalten.

Der Spaßkandidat, hinter dem der Comedian Jonathan David Harvey (Jahrgang 1980) steckt, sammelte binnen kurzer Zeit Tausende Pfund an Wahlkampfspenden und erhielt breite mediale Aufmerksamkeit. Der „Guardian“ titelte: „Der unaufhaltsame Aufstieg von Count Binface“. In sozialen Netzwerken wird er gefeiert, Anhänger erstellen Wahlkampfposter im Stil von Barack Obama und KI-Videos.

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Umfragen sehen Binface vorn

Einer Ipsos-Befragung zufolge bevorzugen 33 Prozent der Briten Binface als Sieger der Nachwahl, während nur 21 Prozent Farage den Vorzug geben. 32 Prozent bevorzugen keinen der beiden, 13 Prozent antworteten mit „weiß nicht“. Eine Umfrage von Public First ergab, dass 33 Prozent Binface für ehrlicher halten als Farage (22 Prozent). Zudem ist Binface mit 35 Prozent sympathischer als Farage (28 Prozent). Nur in puncto Nähe zu Clacton liegt Farage vorn.

Unterstützung erhält Binface auch von Politikern der etablierten Parteien. Verteidigungsminister Dan Jarvis (Labour) wünschte ihm viel Glück. Die konservative Parteichefin Kemi Badenoch meinte, wenn es um einen Kampf des Volkes gegen das Establishment gehe, sei Binface womöglich der Kandidat des Volkes. Als sie im Unterhaus eine TV-Debatte zwischen Farage und Binface forderte, gab es lautes Gelächter. Der liberaldemokratische Ex-Minister Ed Davey erklärte mit typisch britischem Humor: „Wir nehmen Wahlen ernst. Ich kann keinen Spaßkandidaten mit lächerlichen politischen Forderungen unterstützen. Ich hoffe, Count Binface schlägt ihn.“

Tradition der Spaßkandidaten

Spaßkandidaten haben in Großbritannien Tradition. Die Official Monster Raving Loony Party will Clacton in ein britisches Disneyland umbauen. Einen echten Sieg gab es bereits: Stuart Drummond gewann 2002 im Kostüm des Fußballmaskottchens in Hartlepool die Bürgermeisterwahl mit 52 Prozent und wurde zweimal wiedergewählt.

Count Binface trat erstmals 2017 als Lord Buckethead gegen Theresa May an und erhielt 0,4 Prozent. Später erfand er den neuen Charakter, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Sein Motto: „Make Your Vote Count“. Er trat gegen Boris Johnson, Rishi Sunak und bei Londoner Bürgermeisterwahlen an. Insgesamt hat er nach eigenen Angaben 117.000 Stimmen gesammelt.

Skurrile Wahlversprechen

Seine Forderungen sind teils absurd, teils gesellschaftskritisch: Er verspricht, „wenigstens ein erschwingliches Haus zu bauen“, die Sängerin Adele zu verstaatlichen, den Videoschiedsrichter abzuschaffen, Döner Kebab für zwei Pfund und die Rückkehr des analogen BBC-Teletexts. Die Chefs britischer Wasserversorger will er zwingen, in verdreckten Flüssen zu schwimmen, und den Brexit rückgängig machen, indem europäische Länder dem Vereinigten Königreich beitreten.

Auf die Frage, ob er gewinnen könne, antwortete Binface der BBC: „Wahrscheinlich nicht. Meine Aufgabe ist es, die Vorzüge der britischen Demokratie zu würdigen und zu verteidigen.“ Tatsächlich wählt Clacton eher rechts: Bei der Unterhauswahl 2024 erhielt Farage 46,2 Prozent. Ihm reicht eine einfache Mehrheit. Doch jeder Prozentpunkt für Binface ist eine Blamage für denjenigen, der Premier werden will.

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