Linke-Spitzenkandidatin Eralp im AfD-Hochburg Marzahn-Hellersdorf
Eralp besucht Marzahn-Hellersdorf – Kampf gegen AfD

Der 18-stöckige Wohnblock an der Mehrower Allee ragt in den Himmel über Marzahn. „Das war auch für mich eine Premiere“, sagt Elif Eralp. Die Spitzenkandidatin der Linken besuchte am Donnerstag den Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Der Kreisverband hatte sie eingeladen – in einen Bezirk, der einst als sichere Hochburg der Linken galt, dann aber zunächst an CDU und SPD und schließlich an die AfD verloren ging.

Erste Station: Ein Hochhaus mit defektem Aufzug

Die Tour durch den umkämpften Bezirk begann in einem Wohnhaus der Deutsche Wohnen, einer Tochter von Vonovia. Der Aufzug war lange außer Betrieb. Ein Mieter führte Eralp und ihr Team durch das Gebäude. Er trug ein Headset und sprach in ein Mikrofon. Es sei „nicht das erste Mal“, dass der Aufzug defekt sei. Zehn Menschen standen um sie herum, fotografierten, filmten, schrieben. Sogar Der Spiegel war dabei. Eralp betrachtete den Vermieter, neigte den Kopf, nickte. Dann ging die Gruppe die Treppe hinauf – bis in die 18. Etage.

Der Aufstieg der Linken und von Elif Eralp

Ein passender Moment, um über Aufstiege zu sprechen: den der Linken seit Heidi Reichinneks Rüge an die CDU im Bundestag. Plötzlich wurde die Linke stärkste Kraft in Berlin, und mehr als ein Jahr später hat sie realistische Chancen, das Rathaus zu erobern. Auch Eralps Aufstieg ist bemerkenswert: Sie schloss 2009 ihr Jurastudium ab, arbeitete ab 2010 als Referentin der Linksfraktion im Bundestag, trat 2017 in die Partei ein, war 2018 im Landesvorstand, zog 2021 ins Abgeordnetenhaus und ist heute Spitzenkandidatin. Ihr Wahlkampf dreht sich vor allem um Wohnen. Die Linke geht gegen den Regierenden Bürgermeister vor: „Kai Wegner macht Politik für Reiche und schützt kriminelle Vermieter“, heißt es auf der Parteiseite.

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AfD in Marzahn-Hellersdorf die stärkste Kraft

Im Kampf ums Rathaus ist Wegner der Hauptgegner. In Marzahn-Hellersdorf sitzt der Gegner jedoch ganz rechts. Bei der Wiederholungswahl 2023 holte die AfD rund 19 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt sie rund 31 Prozent der Zweitstimmen – mit Abstand stärkste Kraft im Bezirk. Seither scheint die Zustimmung gestiegen. Bei der anstehenden Berlin-Wahl wird die AfD wohl deutlich vorn liegen. Das bedeutet auch: CDU und Linke müssen möglicherweise eng zusammenarbeiten, wenn die Brandmauer zur AfD halten soll. Je härter der Wahlkampf, desto schwieriger wird die Kooperation. Ist es hilfreich, die CDU so aggressiv anzugreifen? „Die CDU greift uns massiv an“, sagt Eralp. Sie wirft den Christdemokraten vor, „in Teilbereichen AfD-Politik“ zu betreiben. „Aber der eigentliche Gegner ist die AfD.“ Reichen klare Versprechen wie „Stoppt die Mietabzocke“ aus, um die AfD herauszufordern? „Das Wichtigste ist, dass wir hier sind“, sagt Eralp. Präsenz zeigen, zuhören, unterstützen. „Wir sind da, um dieser Stadt zu dienen.“

Steigende Mieten auch in Marzahn-Hellersdorf

Zurück im Treppenhaus in der Mehrower Allee. Auf der 18. Etage angekommen, verschnauft Eralp. „Wunderschön“, sagt sie und blickt über Marzahn. Die Mieten sind hier noch vergleichsweise günstig – der Mieter zahlt „achthundertundirgendwas Euro“. Doch auch hier spürt man den Druck auf dem Wohnungsmarkt und die Frustration über Vermieter, die ihre Immobilien vernachlässigen. Der Mieter zeigt auf ein Hakenkreuz an der Wand, das nicht entfernt wurde. Er spricht von Urin im Treppenhaus und dem kaputten Aufzug. Der Vermieter habe einen Tragedienst organisiert – zwei Männer trugen die Bewohner bis in die oberste Etage. Fast einen Monat lang. „Der Gegner ist die AfD“, sagt Eralp. Sie ist kein Fan von Vonovia. Die Linke will die Enteignung von Deutsche Wohnen & Co. umsetzen, betont Eralp auch in Marzahn. „Die Menschen erwarten das von uns.“ Der Mieter nickt. „Danke für Ihr Engagement“, sagt Eralp. Weiter zur nächsten Station.

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Gespräche am Tal-Center und im Restaurant

Am Tal-Center spricht Eralp mit Anwohnern, die beim Abriss und Neubau des alten Einkaufszentrums mitreden wollen. Im Restaurant „Die Sattmacher“ isst sie Kartoffeln mit Rotkohl und spricht über Quartierskantinen – eine Idee der Linken für bezahlbare, öffentlich geförderte Kantinen. Deutsche Flaggen liegen auf den Tischen. Obwohl die Linke in Marzahn-Hellersdorf in den letzten Jahren verloren hat, ist der Bezirk für ihre jüngsten Erfolge nicht unwichtig. Katalin Gennburg, die den Bezirk im Bundestag vertritt, kämpfte sich durch interne Konflikte. Bjoern Tielebein, Fraktionschef in der BVV, gilt als einer der Architekten des Aufschwungs. Er führt die Landesliste für das Abgeordnetenhaus und die BVV an. In Hellersdorf endet die Tour auf einem Höhepunkt. Am Eingang der Gärten der Welt verrät Eralp, dass sie eine Jahreskarte für Grün Berlin besitzt. Mit der Seilbahn fährt sie den Kienberg hinauf. Fotos werden gemacht. Eralp posiert mit Tielebein und Sarah Bigall, die auf Platz zwei der Listen steht. Doch die Aussichten für die Linke in Marzahn-Hellersdorf sind nicht so schön wie der Blick vom Kienberg.