Kanada wird 2027 erstmals am Eurovision Song Contest (ESC) teilnehmen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt CBC/Radio-Canada gab die Teilnahme am kanadischen Nationalfeiertag, dem 1. Juli, bekannt. Zuvor war CBC der Europäischen Rundfunkunion (EBU) als Vollmitglied beigetreten, eine notwendige Voraussetzung für die Teilnahme.
Kanada als erstes neues Land seit Australien
Kanada wird das erste neue Land sein, das seit Australien im Jahr 2015 zum ESC hinzukommt. Australien war damals auf Einladung der EBU zum Jubiläum des Wettbewerbs angetreten. Die kanadische Teilnahme erfolgt im regulären Modus: Der Act muss sich im Halbfinale qualifizieren. Der ESC 2027 findet in Bulgarien statt.
Marie-Philippe Bouchard, Präsidentin von CBC/Radio-Canada, zeigte sich erfreut: „Unsere Teilnahme erlaubt es, kanadische Talente auf einer der berühmtesten Musikbühnen der Welt zu präsentieren.“ Die Auswahlkriterien für den kanadischen Beitrag sind noch nicht bekannt.
Großes Interesse aus Kanada
Die EBU teilte mit, dass das Interesse aus Kanada am ESC bereits groß sei. Beim „Rest of the World“-Votum, bei dem Zuschauer aus nicht teilnehmenden Ländern an der Publikumsabstimmung teilnehmen können, kamen 2026 die drittmeisten Stimmen aus Kanada. Zudem reisten viele Kanadier nach Wien, um die ESC-Shows live zu verfolgen.
Bereits in der Vergangenheit haben kanadische Künstler am ESC teilgenommen – jedoch für andere Länder. So traten La Zarra (2023) und Natasha St-Pier (2001) für Frankreich an. 1988 waren zwei Kanadierinnen unter den Top Five: Lara Fabian wurde für Luxemburg Vierte, und Céline Dion gewann den Wettbewerb für die Schweiz mit dem Song „Ne Partez Pas Sans Moi“.
EBU-Strategie zur Globalisierung
Für die EBU ist die Teilnahme Kanadas ein Erfolg ihrer Strategie, den ESC zu globalisieren. ESC-Direktor Martin Green sagte: „Es ist ein weiteres Zeichen, dass der Wettbewerb zwar in Europa geboren ist, aber die Welt willkommen heißt.“ CBC/Radio-Canada ist nun Teil der „Eurovision-Familie“.
Die EBU hat mehrere außereuropäische Mitglieder. So nehmen Sender aus Aserbaidschan, Armenien, Georgien und Israel seit Jahren teil. Marokko nahm 1980 einmalig teil, während andere nordafrikanische und nahöstliche Länder bisher darauf verzichteten.
Boykott und sinkende Quoten
Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund von Boykotten mehrerer europäischer Länder. Fünf Rundfunkanstalten, darunter aus Spanien, Irland und den Niederlanden, hatten den ESC 2026 boykottiert – aus Protest gegen die israelische Kriegsführung im Gazastreifen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023. Die Einschaltquoten des ESC 2026 lagen deutlich unter denen der Vorjahre. Siegerin des Wettbewerbs war die bulgarische Sängerin Dara mit dem Titel „Bangaranga“.



