Mehrere Abgeordnete des Europäischen Parlaments fordern in einem Brief die Fußballverbände der EU-Staaten auf, sich für eine Untersuchung gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino einzusetzen. Hintergrund ist die Aufhebung der Roten-Sperre gegen den US-Fußballer Folarin Balogun, nachdem US-Präsident Donald Trump persönlich bei der FIFA interveniert hatte.
Rote Linie überschritten: EU-Abgeordneter kritisiert Infantino
„Eine rote Linie wurde überschritten“, erklärte der dänische sozialdemokratische EU-Parlamentarier Niels Fuglsang, einer der drei Initiatoren des Schreibens. „Fußball sollte Menschen zusammenbringen und nicht als eine Plattform für politische Begünstigung dienen. Wenn der FIFA-Präsident die Grenzen zwischen Sport und Politik verwischt, wird die Integrität des Spiels dadurch riskiert.“
Die Frist für die Unterzeichnung des Briefes läuft am Mittwochabend aus. Wenige Stunden vor Ablauf hatten bereits mehr als 55 Abgeordnete unterschrieben, wie aus den Parlamentsbüros verlautete.
FIFA-Ethik-Kodex: Politische Neutralität gefordert
In dem Schreiben betonen die EU-Parlamentarier, dass die Fußballverbände nach dem Ethik-Kodex der FIFA verpflichtet seien, Funktionäre zur Verantwortung zu ziehen, wenn es Beweise für einen Bruch der Regel politischer Neutralität gebe. Der Entscheidungsprozess zur Aufhebung der Sperre gegen den US-Stürmer müsse daher überprüft werden.
Balogun war beim 2:0-Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit der Roten Karte vom Platz gestellt und damit für das Achtelfinale gegen Belgien gesperrt worden. Die FIFA hob die Sperre jedoch überraschend auf.
Trump-Anruf sorgt für Kritik
Trump hatte zuvor nach eigenen Angaben telefonisch bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten, was breite Kritik auslöste. Balogun stand gegen Belgien zwar in der Startelf des WM-Mitgastgebers, spielte in dem Duell aber keine große Rolle.
Die EU-Abgeordneten fordern nun eine vollständige Aufklärung, ob Infantino an der Entscheidung beteiligt war und ob politischer Druck aus den USA eine Rolle gespielt hat.



