Fall Balogun: Droht FIFA-Boss Infantino Ungemach?
Fall Balogun: Droht Infantino Ungemach?

Die Rote Karte für US-Stürmer Folarin Balogun im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina und die darauf folgende Bewährungsstrafe durch die FIFA haben weitreichende politische und sportliche Diskussionen ausgelöst. Besonders brisant: Der Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino, der den Verdacht einer Einflussnahme auf die FIFA-Gerichtsbarkeit nährt. Doch trotz der öffentlichen Empörung sind konkrete Konsequenzen für Infantino unwahrscheinlich.

Der Fall Balogun: Urlaub und Bewährung

Nach dem Achtelfinal-Aus der USA gegen Belgien (1:4) befindet sich Balogun im WM-Urlaub. Seine Rote Karte aus dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) und die von der FIFA auf Bewährung ausgesetzte Sperre bleiben jedoch ein Thema. Juristisch ist der Fall abgeschlossen: Balogun muss innerhalb eines Jahres bei Länderspielen keine weitere Rote Karte erhalten. Sollte er doch vom Platz fliegen, müsste er zusätzlich zur neuen Strafe ein Spiel aussetzen, das ihm nun erlassen wurde.

UEFA und DFB fordern Aufklärung

Die UEFA hat sich klar positioniert und eine Aufklärung gefordert. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der die UEFA im FIFA-Council vertritt, äußerte sich: „Ich bin mir mit der UEFA einig, dass dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf, zunächst aber unter den europäischen Fußballverbänden weiter besprochen werden muss.“ Allerdings wird dies wohl erst nach der WM geschehen, möglicherweise bei der nächsten UEFA-Exekutivkomitee-Sitzung im September. Bis dahin könnte die Aufregung abgekühlt sein.

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Warum die UEFA so lautstark protestiert

Drei Gründe sind ausschlaggebend: Erstens haben europäische Verbände ein ausgeprägteres Verständnis für moralisch verwerfliche Abläufe. Zweitens ist Infantino für viele ein rotes Tuch. Drittens gehört der vermeintlich Benachteiligte, Belgien, zu den eigenen Mitgliedern. Ähnlich verhält es sich mit politischen Einwürfen, wie der Forderung von EU-Abgeordneten nach einer Untersuchung gegen Infantino – auch hier geht es oft um Symbolpolitik.

Mögliche Folgen für Infantino

Infantino musste internationale Empörung und Häme über sich ergehen lassen, ist dies aber gewohnt. Theoretisch könnte ihm Ungemach aus dem Weltverband drohen, etwa durch die FIFA-Ethikkommission, die ihn suspendieren oder sogar des Amtes entheben könnte. Dies wäre jedoch nur bei Belegen für eine Einflussnahme auf die Disziplinarkommission möglich – ein Verdacht, den Infantino und die FIFA strikt zurückweisen. Auch der FIFA-Kongress könnte ihn nicht im Amt bestätigen; die nächste Wahl findet am 18. März in Rabat statt, und Infantino ist bislang der einzige Kandidat.

Warum Konsequenzen unrealistisch sind

Trotz aller Empörung sitzt Infantino fest im Sattel. Die XXL-WM wird er als persönlichen Erfolg verkaufen. Kritik am Fall Balogun kam nur aus Europa; alle anderen Konföderationen stützen den Schweizer. Bis zum Finale am 19. Juli wird der Fall nur noch ein kleiner Schandfleck sein. Die Kontrollinstanzen wie die Ethikkammern werden keine aktiven Untersuchungen einleiten, da ihre Mitglieder alle unter Infantinos Ägide ins Amt kamen.

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