US-Präsident Donald Trump will der Ukraine eine Lizenz zum Bau von Patriot-Abwehrraketen erteilen. Das kündigte er am Rande des Nato-Gipfels in Ankara an. Die Ukraine benötigt die knappen Abwehrraketen dringend, um sich gegen russische ballistische Raketen zu verteidigen. Russland nutzt die kritische Lücke in der ukrainischen Luftabwehr gezielt aus. Zudem kündigte Trump ein Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an. Putin wünsche sich ein Treffen in Moskau, so Trump. Er hoffe auf ein baldiges Treffen. Nach Trumps Einschätzung ändern sich Putins Bedingungen für ein Kriegsende; beide Seiten wollten eine Beilegung des Konflikts. Die USA arbeiten laut Trump an einer Sicherheitsgarantie für die Ukraine, um Leben zu retten.
Milliardenhilfen und neue Verteidigungszusagen
Die Nato-Staaten haben der Ukraine beim Gipfel in Ankara neue milliardenschwere Militärhilfen zugesagt. Für dieses Jahr sagen die Verbündeten 70 Milliarden Euro für Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung zu. Die europäischen Verbündeten und Kanada übernehmen demnach eine größere Verantwortung für die Verteidigung und kündigen neue Rüstungsbeschaffungen im Gesamtvolumen von mehr als 50 Milliarden Dollar an, wie aus dem Abschlussdokument hervorgeht. 2027 soll die Militärhilfe mindestens auf diesem Niveau fortgesetzt werden. Die Staats- und Regierungschefs bekräftigten ihre „unerschütterliche Verpflichtung“ zur kollektiven Verteidigung nach Artikel fünf des Bündnisvertrags.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte die Unterstützung der Mitgliedsländer für die Ukraine. „Wir werden der Ukraine weiter helfen“, erklärte Merz vor Beginn der Beratungen. Russland habe „keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen“ und „keine Chance, die Kriegsziele zu erreichen“. Zur geforderten stärkeren Übernahme von Verteidigungsaufgaben durch die Europäer sagte Merz, das Bündnis solle in Ankara „europäischer“ gemacht werden, damit es „transatlantisch bleiben kann“. Von dem Gipfel müsse „ein neuer Geist“ für die Nato ausgehen.
EU-Parlament kritisiert Selenskyj im Streit mit Polen
Das Europaparlament hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für die Benennung einer Armee-Einheit, die zum Konflikt mit Polen führte, kritisiert. Die Abgeordneten bezeichneten das Vorgehen, bei dem Selenskyj die umstrittene ukrainische Partisaneneinheit UPA aus dem Zweiten Weltkrieg ehrte, in einem Beschluss als „unnötige und unprovozierte Eskalation“. Sie bedauerten, dass bei der Entscheidung die Empfindlichkeiten und das Leid Polens ausgeblendet worden seien. Der Text wurde mit 460 Ja-Stimmen, 136 Nein-Stimmen und 59 Enthaltungen angenommen. Selenskyj hatte den Geschichtsstreit Ende Mai ausgelöst, als er einer Armee-Einheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh. Kyjiw ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee, weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges waren die Bewaffneten aber für Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine verantwortlich. Polens Präsident Karol Nawrocki verschärfte den Konflikt, indem er Selenskyj den höchsten polnischen Orden aberkannte.
Inmitten des Geschichtsstreits haben Nawrocki und Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels miteinander gesprochen. Es habe einen kurzen Austausch von Höflichkeiten gegeben, ohne das Geschichtsthema zu berühren, sagte Nawrocki. Nawrocki schloss ein weiteres Gespräch mit Selenskyj nicht aus. „Es scheint mir natürlich, dass Nachbarländer, die Russland als gemeinsamen Feind haben, im Dialog miteinander bleiben sollten – unabhängig von gewissen bilateralen Spannungen“, sagte er. Selenskyj äußerte sich nicht zu der Begegnung.
Kreml: Türkei soll Ukraine von Angriffen auf Energieanlagen abbringen
Der Kreml fordert die Türkei und andere Staaten auf, ihren Einfluss zu nutzen, um die Ukraine von Angriffen auf Energieinfrastruktur abzubringen. Russland wirft der Ukraine vor, die Gazprom-Pumpstation Krasnodarskaja angegriffen zu haben. Über die Anlage wird Erdgas durch die Blue-Stream-Pipeline in die Türkei exportiert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Angriff vor Journalisten als „sehr gefährlich“. Russland ergreife Maßnahmen, um die Gefahr derartiger Angriffe zu minimieren.
Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Energie- und Militärziele
Ukrainische Drohnentruppen haben nach eigenen Angaben neun Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte im Asowschen Meer getroffen. An der Operation waren die 414. selbstständige Brigade „Madjars Vögel“, das 413. selbstständige Regiment „Reid“ sowie das 1. selbstständige Zentrum der SBS beteiligt. Nach Angaben von Kommandeur Robert Brovdi wurden innerhalb von 72 Stunden insgesamt 21 Schiffe der Schattenflotte sowie ein Frachtschiff und eine Fähre im Raum Kertsch getroffen. Ferner griffen ukrainische Drohnen 53 militärische Ziele auf der besetzten Krim und im Süden der besetzten Gebiete an. Zudem seien sechs Umspannwerke getroffen worden, womit die Zahl der seit dem 1. Juli ausgeschalteten Energieknoten auf 50 gestiegen sei.
Ukrainische Langstreckendrohnen haben eine Ölanlage in der russischen Stadt Ufa (Republik Baschkortostan) angegriffen. Nach vorläufigen Angaben legten die Drohnen mehr als 1400 Kilometer zurück. Welches Objekt genau getroffen wurde, ist nicht offiziell bestätigt. Es könnte sich entweder um eine Anlage des Ölraffineriekomplexes von Ufa oder um die Pump- und Verteilerstation „Tscherkassy“ des Pipelinebetreibers Transneft Ural handeln. Der Raffineriekomplex zählt zu den größten Ölverarbeitungszentren Russlands. In der Nacht auf Mittwoch haben ukrainische Drohnen zudem den russischen Militärflugplatz Borissoglebsk in der Region Woronesch angegriffen. Auf dem Gelände brach ein Feuer aus. Der Flugplatz galt vor dem Krieg als einer der wichtigsten Standorte der russischen Luftstreitkräfte.
Die ukrainische Armee hat Russland erneut mit Drohnenangriffen bis tief ins Hinterland überzogen. In den Raffinerien von Saratow an der Wolga und Nischnekamsk in Tatarstan brachen Brände aus. In Saratow wurde ein Mann getötet. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, bis zum Morgen seien 415 feindliche Drohnen abgefangen worden. Ein Brand wurde auch von einem Militärflugplatz im Gebiet Woronesch gemeldet.
Kreml lobt Aufhebung von Sanktionen gegen russische Sportler
Der Kreml hat die vorläufige Aufhebung der Sanktionen gegen russische Athleten durch das IOC begrüßt. Die Kehrtwende sei „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Wiederherstellung der legitimen Rechte unserer Sportler auf die Teilnahme an internationalen Wettbewerben“, kommentierte Kremlsprecher Peskow. Moskau werde seine Arbeit fortsetzen, um die vollwertigen Rechte aller russischen Athleten zu erstreiten. Das IOC hatte die bisher geltenden Beschränkungen für die Teilnahme von Russen an internationalen Wettbewerben außer Kraft gesetzt. Ob die Athleten bei den Sommerspielen 2028 in Los Angeles wieder mit eigener Flagge und Hymne starten dürfen, solle erst später beurteilt werden.
Russische Anwerber suchen über Telegram Saboteure in EU-Staaten
Ein russisches Netzwerk von Anwerbern, das zuvor über Telegram Personen für Sabotageakte in der Ukraine rekrutierte, hat seine Aktivitäten auf Länder der Europäischen Union ausgeweitet. Das geht aus einer Recherche des unabhängigen russischsprachigen Exilmediums „Vot Tak“ hervor. Den angeworbenen Personen wurden Geldbeträge für Brandanschläge auf Fahrzeuge mit ukrainischen Kennzeichen, Nato-Militärtechnik, kritische Infrastruktur sowie Einrichtungen ukrainischer Organisationen angeboten. Aufträge wurden in Polen, Litauen, Lettland und Tschechien angeboten. Für den Brandanschlag auf ein Nato-Fahrzeug in Litauen wurden 1500 US-Dollar versprochen, für Angriffe auf ukrainische Einrichtungen in Polen oder das Büro des ukrainischen Dachverbands „Vitsche“ in Riga bis zu 3000 US-Dollar. Allein am 12. Mai registrierten die Reporter rund 10.000 nahezu identische Anzeigen. Seit Anfang 2026 wurden mehr als 20 Millionen entsprechende Anzeigen über Telegram verbreitet.
Pistorius verhandelt mit USA über Tomahawk-Kauf
Deutschland führt nach den Worten von Verteidigungsminister Boris Pistorius produktive Gespräche mit den USA über den Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern. Er sei optimistisch, dass der Kauf zustande kommen könne, sagte der Minister im Deutschlandfunk. Die Verhandlungen kämen voran, es gebe jedoch noch keine Ergebnisse.
Polnische Presse: Streit mit Ukraine schwächt Polen
Die Warschauer Tageszeitung „Rzeczpospolita“ befürchtet, dass der gegenwärtige Streit mit der Ukraine den internationalen Einfluss Polens verringert. Die E3-Gruppe entwickle sich zum wichtigsten potenziellen Partner für Verhandlungen mit Moskau. In diesem Dreierbündnis spiele Berlin die erste Geige, da Frankreich und Großbritannien in politischen Krisen steckten. Polen habe sich seit vielen Monaten bemüht, in die E3-Gruppe aufgenommen zu werden. Heute seien viele Argumente hinfällig geworden.



