Die Ernennung von Thorsten Frei zum neuen Beauftragten für besondere Aufgaben stößt in der Unionsfraktion auf wenig Begeisterung. Dabei könnte die Personalie für Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mehr Vor- als Nachteile bieten, wie eine Analyse des Handelsblatt Morning Briefings zeigt.
Hintergründe zur Personalie
Thorsten Frei, bislang Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wurde vom Kanzler in eine neue Position berufen. Die Entscheidung kam überraschend und wird in der Union kritisch gesehen. Viele Abgeordnete befürchten, dass Frei damit von der Opposition ins Regierungslager wechselt und die Union geschwächt wird.
Laut Handelsblatt bietet die Ernennung jedoch strategische Vorteile für Scholz. Frei gilt als erfahrener Politiker mit guten Verbindungen in alle Lager. Seine Berufung könnte die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Union verbessern und gleichzeitig die innerparteilichen Spannungen in der CDU/CSU verstärken.
Reaktionen aus der Union
„Die Ernennung von Thorsten Frei ist ein Schachzug des Kanzlers, der die Union spalten soll“, zitiert das Handelsblatt einen namentlich nicht genannten Unionsabgeordneten. Ein anderer Fraktionskollege ergänzt: „Frei war einer unserer besten Leute. Sein Weggang schwächt uns.“
Gleichzeitig gibt es Stimmen, die die Personalie als Chance sehen. „Frei kann Brücken bauen zwischen den Lagern. Das könnte der ganzen Regierung helfen“, so ein CDU-Mitglied aus dem Kreis der Vermittler.
Auswirkungen auf die Regierungsarbeit
Die Berufung Freis erfolgt in einer Phase, in der die Ampelkoalition mit mehreren Krisen kämpft. Der Kanzler erhofft sich von Frei Unterstützung bei der Bewältigung der Haushaltskrise und der Migrationspolitik. Experten sehen darin eine kluge Personalentscheidung: „Frei ist ein Pragmatiker, der Ergebnisse liefert. Das ist genau das, was die Regierung jetzt braucht“, sagt der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Michael Wehner von der Universität Bonn.
Ob die Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Ernennung von Thorsten Frei verändert die politische Landschaft in Berlin. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Kanzler mit diesem Zug tatsächlich einen strategischen Vorteil erzielt oder ob die Union neue Geschlossenheit demonstriert.



