Podcast-Erfolg: „Inside Austria“ mit über 90.000 Hörern
Seit fast fünf Jahren berichtet der Podcast „Inside Austria“ jede Woche über Skandale und Kuriositäten in Österreich. Gestartet im Herbst 2021 mit einer Serie über den Aufstieg und Fall des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz, hat sich das Format zu einer festen Größe entwickelt. Die Hörerzahlen steigen kontinuierlich: Inzwischen hören regelmäßig mehr als 90.000 Menschen pro Folge – nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern auch in Australien, der Türkei oder Brasilien.
Lucia Heisterkamp, Co-Host des Podcasts, und ihre Kollegin Antonia Rauth vom „Standard“ waren zuletzt beim Journalismusfest in Innsbruck zu Gast. Gemeinsam mit Moderatorin Kim Höbel vom SPIEGEL blickten sie auf die vergangenen Jahre zurück und gaben Einblicke in ihre Arbeit: Wie entsteht eine mehrteilige Podcastserie? Wie funktioniert die grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen zwei großen Medienhäusern? Und was fasziniert so viele Deutsche an Österreich, dass sie sich Woche für Woche einen Podcast darüber anhören?
Einblicke in die Arbeit: Von Dialekten bis zu Skandalen
In mehr als 200 Folgen ging es um Immobilienmogule, abtrünnige Verfassungsschützer, geleakte Chatnachrichten, unheimliche Weihnachtsbräuche und deutschnationale Burschenschaften. Heisterkamp verrät, dass sie inzwischen österreichische Lieblingsausdrücke wie „das geht sich aus“ übernommen hat – aber mit manchen Dialekten noch kämpft: „Je nach Bundesland muss meine Kollegin Antonia Rauth manchmal dolmetschen.“
Die aktuelle Folge widmet sich dem mysteriösen Tod des Spitzenbeamten Christian Pilnacek. Der Jurist, der von manchen als heimlicher Chef des Justizministeriums gesehen wurde, wurde Ende Oktober 2023 leblos in einem Seitenarm der Donau gefunden. In der Nacht zuvor war er von einer Polizeistreife als Geisterfahrer mit erhöhtem Alkoholpegel gestoppt worden.
Der Fall Pilnacek: Zweifel am Suizid
Österreichische Ermittler gehen von einem freiwilligen Tod aus, doch neue Gutachten verstärken die Zweifel. Zwei Gerichtsgutachter äußerten sich in dieser Woche: Einer nannte einen angenommenen Suizid „wenig wahrscheinlich“. Der andere Mediziner, der Bestseller-Autor Michael Tsokos aus Berlin, meinte: „Es habe viel für Ertrinken gesprochen, aber es fehlten Befunde, die er erwartet hätte. Ist er ertrunken oder nicht? Möglicherweise.“
Laut Oliver Das Gupta, Autor beim SPIEGEL und beim „Standard“, könnte der Untersuchungsausschuss nun noch einmal in Fahrt kommen. Ein amtliches Papier, das den Medien vorliegt, enthält eine irritierende Stelle: Pilnacek sei „vermutlich in suizidaler Absicht als Geisterfahrer unterwegs“ gewesen. Die Frage bleibt: Warum ließ die Polizei den betrunkenen Spitzenbeamten gehen, anstatt ihn mitzunehmen? Weitere offene Punkte sind mysteriöse Bluetooth-Signale auf Pilnaceks Smartwatch, die darauf hindeuten, dass er sich nicht allein am Donauufer aufgehalten hatte, sowie eine Vergewaltigungsanzeige gegen einen Spitzenpolitiker, die sich auf seinem Schreibtisch fand.
Ausblick: Untersuchungsausschuss nach Sommerpause
Der Untersuchungsausschuss wird nach der Sommerpause die Arbeit fortsetzen. Genug Anhaltspunkte gibt es laut Das Gupta: „Im Pilnacek-Komplex gäbe es noch mehr Aspekte, die die Abgeordneten ausleuchten könnten.“ „Inside Austria“ erscheint jeden Samstag als Newsletter und Podcast. Zum Jubiläum gibt es ein besonderes Angebot: 4 Wochen SPIEGEL+ für 1 Euro, danach 5,99 Euro pro Woche, sowie 1 Monat STANDARD Smart für 1 Euro statt 14,90 Euro.



