Kiew erlebt schwersten Luftangriff seit Kriegsbeginn: 20 Tote
Kiew: Schwerster Luftangriff seit Kriegsbeginn – 20 Tote

Kiew hat in der Nacht zum Donnerstag den schwersten Luftangriff seit Kriegsbeginn erlebt. Nach Angaben der ukrainischen Behörden setzte Russland 496 Drohnen und 74 Raketen ein. Mindestens 20 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Die Explosionen waren noch tief in Luftschutzkellern und U-Bahnhöfen zu hören, berichtete der „Kyiv Independent“. Erst am Morgen endete der Angriff, der die Bevölkerung erneut in die Schutzräume zwang.

„Jede Nacht eine Lotterie“: Zivilisten in Angst

Sabina Mambetowa, eine 32-jährige Anwohnerin, stand ratlos vor den Trümmern ihrer Wohnung. „Das Dach ist weg“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. „Ich weiß nicht, was ich tun soll.“ Sie ist nun mit ihrem Kind obdachlos. Eine andere Bewohnerin, Zherska Anastasiia, beschrieb die Situation gegenüber dem „Kyiv Independent“: „Jede Nacht fühlt sich wie eine Lotterie an. Man wacht am Morgen auf und denkt: Wieder eine Nacht überlebt. Dann verstehst du, dass du weiterleben musst.“ Sie gehe heute zur Arbeit und sei sicher, morgen wieder da zu sein.

Russland: Angriffe galten Rüstung und Energie

Moskau erklärte, die Angriffe hätten Rüstungsbetrieben und der Energieinfrastruktur gegolten. Der Kreml kündigte an, den Druck auf Kiew zu verstärken, „um seine gesetzten Ziele zu erreichen“. Russland ist von diesen Zielen jedoch weit entfernt: 1,4 Millionen Gefallene, Vermisste oder Verletzte in den eigenen Reihen, keine nennenswerten Geländegewinne, erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe und ein Drohnenkrieg, der Russland in eine Energiekrise stürzt.

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Selenskyj fordert Patriot-Raketen in Eigenproduktion

Präsident Wolodymyr Selenskyj drängte am Donnerstag auf mehr Unterstützung bei der Flugabwehr. Sein Land zähle „sehr stark“ darauf, künftig Patriot-Raketen in Lizenz selbst produzieren zu dürfen. Nur so könnten Angriffe wie der aus der Nacht verhindert werden.

Internationale Reaktionen: EU kündigt neue Sanktionen an

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte das Bombardement „auf das Schärfste“ und sprach von „erschütternden Bildern der Zerstörung“. Ein Sprecher betonte, Kreml-Chef Wladimir Putin zeige „keinerlei Verhandlungsbereitschaft“ und setze weiter auf „Raketen- und Drohnenterror gegen die Bevölkerung, während Russland an der Front enorme Verluste erleidet“. Deutschland werde gemeinsam mit Partnern den Druck auf Russland erhöhen.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte neue Sanktionen gegen Moskau. „Je mehr Moskau Zivilisten angreift, desto mehr Sanktionen müssen verhängt werden.“ Sie werde vorschlagen, „weitere Einrichtungen zu sanktionieren, die Russlands militärisch-industriellen Komplex unterstützen“. „Worte der Verurteilung allein werden die Angriffe auf Kiew nicht stoppen“, argumentierte Kallas. Dies könnten „nur anhaltende militärische Unterstützung für die Ukraine und wachsender Druck auf Moskau“ erreichen.

Leben in Trümmern: Kiew räumt auf

In Kiew geht das Leben derweil weiter. Brände werden gelöscht, Schutt beiseitegeräumt. Die Angst aber bleibt. Viele Bewohner fragen sich, ob die nächste Nacht erneut Angriffe bringt. Die ukrainische Führung appelliert an die internationale Gemeinschaft, die Luftabwehr zu verstärken, um die Hauptstadt und ihre Bewohner zu schützen.

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