Philipp Lahm (42), Weltmeister-Kapitän von 2014 und ehemaliger Turnierdirektor der Heim-EM 2024, hat in seiner Kolumne für die „Zeit“ deutliche Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) und der laufenden Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko geübt. Der langjährige Bayern-Profi, der an drei Weltmeisterschaften (2006, 2010, 2014) teilnahm, warf Infantino vor, sich zu sehr an Machthaber wie US-Präsident Donald Trump anzunähern. „Am bedenklichsten ist Gianni Infantinos Nähe zu Machthabern wie Donald Trump. Man hegt den Verdacht, dass sie persönliche Vorteile aus ihren Ämtern ziehen. Die WM wird verkauft. Das raubt dem Fußball Glaubwürdigkeit“, schrieb Lahm.
Kritik an Ticketpreisen und dynamischem Preismodell
Besonders scharf ging Lahm mit den Ticketpreisen ins Gericht. Wegen des umstrittenen „dynamischen Preismodells“ der Fifa ändern sich die Preise ständig je nach Nachfrage. Die teuersten Karten für das Finale am 19. Juli wurden zwischenzeitlich für 10.990 Dollar (rund 9630 Euro) verkauft – nach anfänglich 6730 Dollar (5900 Euro). „Kritik sollte man dort üben, wo sie angebracht ist. Da wären zum Beispiel die Ticketpreise. Die maximiert die Fifa, indem sie keine ehrlichen Angaben über die wahre Nachfrage macht“, so Lahm. Er forderte ein starkes Europa und eine starke Uefa als Gegengewicht: „Richtig so, dass Aleksander Ceferin (Uefa-Präsident) niedrige Ticketpreise für die EM 2028 angekündigt hat. Er will zudem darauf achten, dass Übernachtungen und Reisen bezahlbar bleiben. Fußball darf auf keinen Fall einer Elite vorbehalten sein.“
Kritik an WM alle zwei Jahre und Klub-WM
Ein weiterer Kritikpunkt des früheren Verteidigers war der wiederkehrende Vorschlag, die Weltmeisterschaft alle zwei Jahre auszutragen. „Ein Turnier braucht Vorbereitung und Nachbereitung, um nachhaltig zu wirken“, schrieb Lahm. Zudem kritisierte er die aufgeblähte Klub-WM, die den ohnehin vollen Kalender verdichtet habe: „Mit einem zusätzlichen Turnier über mehrere Wochen und teilweise extremen Temperaturen ist die Belastung für die Spieler weiter gestiegen.“
Lob für WM-Aufstockung auf 48 Teams
Trotz der harschen Kritik an Infantino fand Lahm auch lobende Worte für die Erweiterung der WM von 32 auf erstmals 48 Mannschaften. „Es ist nun mal die Aufgabe der Fifa, den Fußball überall weiterzuentwickeln. Das geht nur über Teilhabe. Qualitätsunterschiede sind in Kauf zu nehmen“, erklärte der 42-Jährige, der seine Karriere 2017 beendete. Abschließend betonte er: „Ich finde also, dass die Fifa einiges richtig macht. Dass sie wirtschaftliches Wachstum vorantreibt, wie ihr viele vorhalten, ist notwendig. Durch den neuen Modus mit dem Sechzehntelfinale besitzt die WM-Vorrunde zunehmend den Charakter einer ersten Pokalrunde. Die würde kein Traditionalist abschaffen wollen, bloß bei einer WM stören sich viele daran.“



