Ukraine meldet massive Drohnenangriffe auf Russland – 660 Drohnen abgewehrt
Massive Drohnenangriffe: 660 Drohnen über Russland abgewehrt

Das russische Verteidigungsministerium meldete am Freitagmorgen massive ukrainische Drohnenangriffe auf mehrere Regionen des Landes, darunter auch die Hauptstadt Moskau. Nach offiziellen Angaben wurden insgesamt 660 Drohnen über russischen Gebieten und der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim abgewehrt. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass bezeichnete dies als den heftigsten ukrainischen Drohnenangriff seit Jahresbeginn, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete.

Selenskyj kündigt 40-tägige Offensive an

Erst am Donnerstag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine 40-tägige Offensive gegen russische Ziele angekündigt. Zweck der Operation sei es, Druck auf den Aggressor auszuüben, um ein Ende des Krieges zu erzwingen, teilte der Staatschef auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russischen Invasionstruppen und hat ihre Gegenangriffe in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet, um den Krieg zurück auf russisches Territorium zu tragen.

Angriffe auf Moskau und Region Tula

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, innerhalb von etwa einer Stunde seien mindestens 28 auf die Hauptstadt zusteuernde Drohnen zerstört worden. Der Gouverneur der südlich von Moskau gelegenen Region Tula, Dmitri Miljajew, berichtete bei Telegram von allein 157 über dem Gebiet abgewehrten Drohnen. Ihm zufolge wurden in Nowomoskowsk eine Hochspannungsleitung und ein Industriebetrieb beschädigt. Einsatzkräfte seien vor Ort, Details nannte er nicht. Außerdem sei im Kreis Schtschokino ein Wohnhaus beschädigt und eine Frau verletzt worden.

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In Nowomoskowsk befindet sich der Chemiebetrieb Asot, eines der wichtigsten Chemiewerke in Russland. Nach Angaben von Beobachtern brach dort ein Großbrand auf dem Werksgelände aus.

Strategie der Ukraine: Hohe Kosten für Russland

Der Militärexperte Franz-Stefan Gady wertet die ukrainischen Schläge auf der Krim als Teil einer Strategie, möglichst hohe Kosten bei den Russen zu verursachen. „Sie verlieren dort überproportional viele Radarsysteme. Man kann in Ansätzen erkennen, was die Ukrainer vorhaben. Sie greifen die Versorgungsstraßen über die Landbrücke an, um die Russen zu zwingen, die Krim über die Kertsch-Brücke zu versorgen. Diese werden sie dann wohl versuchen zu sprengen“, sagte er am Freitag dem „Spiegel“.

Als Reaktion auf ukrainische Drohnenangriffe hatten die Behörden auf der Krim bereits weitere Stromabschaltungen angekündigt. „Die Energieinfrastruktur wurde durch feindliche Angriffe beschädigt, daher wird es auf der gesamten Krim zu vorübergehenden Stromausfällen kommen“, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow am Donnerstag mit. Die Unterbrechung der Stromversorgung erfolge „gezielt“ und je nach Bedarf.

Putins Unterstützer sehen Lage kritisch

Selbst Unterstützer von Präsident Wladimir Putin sehen die Lage inzwischen kritisch. Der Künstler Wadim Zyganow, der den Einmarsch in der Ukraine immer lautstark verteidigt hat, klagt über die Machtlosigkeit der russischen Armee gegen die ukrainischen Drohnenangriffe. „Den Russen stehen harte Zeiten bevor“, warnte Zyganow der dpa zufolge.

Die Ukraine zielt mit ihren Gegenangriffen vor allem auf die russische Rüstungs- sowie die Öl- und Gasindustrie, um den Treibstoffnachschub für die russische Armee zu stören und dem Kreml die Kriegsfinanzierung zu erschweren.

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