Nato-Gipfel: Erfolge und Herausforderungen für die Ukraine
Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündete drei neue Drohnendeals mit Estland, Dänemark und den Niederlanden. Die drei Nato-Länder wollen zusammen mit der Ukraine künftig Drohnen produzieren. Dies ist der neunte Vertrag dieser Art. Für Kyjiw sind sie Teil einer größeren Strategie: Das Kriegsland will sich vom „Bittsteller“ zum unverzichtbaren Rüstungspartner für die Nato machen.
Patriot-Raketen und Flugabwehr
Flugabwehr gegen ballistische Raketen kann die Ukraine im Gegensatz zu Drohnen nicht selbst herstellen. Deshalb drängte Selenskyj zuletzt auf zusätzliche Flugabwehrraketen. Am Mittwoch kam die Zusage: Donald Trump erlaubte der Ukraine nun den Bau von Patriot-Raketen. Ein guter Schritt, aber bis die Raketen gebaut sind, kann Russland in der Ukraine viel Schaden anrichten.
Finanzhilfen und Nato-Beitritt
Die Nato sichert der Ukraine allein in diesem Jahr 70 Milliarden Euro zu. Im kommenden Jahr soll in etwa die gleiche Summe zur Verfügung stehen. Selenskyj wiederholte die Forderung nach einem Nato-Beitritt der Ukraine. Er sagte: „Glauben Sie wirklich, es ist richtig, ein Land mit einer derartigen Verteidigungsfähigkeit außen vor zu lassen?“ Trotz der cleveren rhetorischen Frage zeigt sich die Nato aktuell nicht bereit, die Ukraine aufzunehmen.
Kyjiw von Explosionsserie erschüttert
Kyjiw ist am Mittwochmorgen von einer Serie von Explosionen erschüttert worden. Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP aus der ukrainischen Hauptstadt berichteten, erfolgte die erste heftige Explosion noch vor dem Ertönen der Luftschutzsirenen. Laut Bürgermeister Vytali Klytschko setzte Russland ballistische Raketen ein – Waffen, gegen die die Ukraine sich immer schwerer verteidigen kann, weil es an Patriot-Abfangraketen aus den USA fehlt.
Russische Anwerber suchen Saboteure in EU
Ein russisches Netzwerk, das zuvor über Telegram Personen für Sabotageakte in der Ukraine rekrutierte, hat seine Aktivitäten offenbar auf Länder der EU ausgeweitet. Das geht aus einer Recherche des unabhängigen russischsprachigen Exilmediums „Vot Tak“ hervor. Den angeworbenen Personen wurden Geldbeträge unter anderem für Brandanschläge auf Fahrzeuge mit ukrainischen Kennzeichen, Nato-Militärtechnik oder kritische Infrastruktur angeboten.
Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ziele
Der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme (SBS), Robert Brovdi („Madjar“), teilte auf seinem offiziellen Telegram-Kanal mit, dass ukrainische Einheiten in der Nacht auf Mittwoch neun Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte im Asowschen Meer getroffen haben. Ukrainische Langstreckendrohnen haben am Mittwochmorgen eine Ölanlage in der russischen Stadt Ufa (Republik Baschkortostan) angegriffen. Nach vorläufigen Angaben legten die Drohnen mehr als 1400 Kilometer bis zu ihrem Ziel zurück. Die ukrainische Armee hat erneut auf die Ölindustrie ihres Gegners gezielt. In den Raffinerien von Saratow an der Wolga und Nischnekamsk in Tatarstan brachen Brände aus. In Saratow, knapp 800 Kilometer von der Ukraine entfernt, wurde nach Angaben von Gouverneur Roman Bussargin ein Mann getötet.
USA und Westbalkan: Strategiepapier und Kritik
Das US-Außenministerium schreibt in einem Strategiepapier: „China und Russland versuchen aktiv, Instabilität, Korruption und schwache Regierungsführung in der Region auszunutzen.“ China investiert etwa in Serbien in Kupferminen und missachtet Menschenrechte. Russland exportiert sein Gas in die Region. Die USA nennen die Länder deshalb „bösartige Akteure“. Doch Kritiker werfen den USA selbst korruptes Verhalten vor: Trump-Schwiegersohn Jared Kushner will in Albanien Luxusresorts in eines der letzten unberührten Ökosysteme am Mittelmeer bauen. Eine Firma, die Trump-Vertrauten nahesteht, soll eine Pipeline in Bosnien und Herzegowina ausbauen, und die US-Regierung schasste dafür den Hohen Repräsentanten. Aktivisten und Politikwissenschaftler in der Region sagen deutlich: Was die US-Regierung da macht, ist Korruption.



