Seoul – Einem nordkoreanischen Soldaten ist erneut die Flucht über die streng gesicherte innerkoreanische Grenze nach Südkorea gelungen. Nach Medienberichten wurde der Mann in der Nacht zu Mittwoch nach seinem Grenzübertritt in Gewahrsam genommen. Der mutmaßliche Überläufer sei „an der zentralen Front“ aufgegriffen worden, teilte der südkoreanische Generalstab mit, ohne weitere Details zu nennen. In der Regel werden Überläufer zunächst dem südkoreanischen Geheimdienst zur Überprüfung übergeben.
Erster Fluchtfall im Jahr 2026
Laut der Nachrichtenagentur Yonhap soll der Soldat vor seiner Flucht die Absicht geäußert haben, nach Südkorea überzulaufen. Weitere Ermittlungen wurden eingeleitet. Es handelt sich um den ersten solchen Fall in diesem Jahr. Die innerkoreanische Grenze ist stark vermint, weshalb Grenzübertritte auf diesem Weg äußerst selten sind.
Mehr als 30.000 Nordkoreaner leben mittlerweile in Südkorea. Die meisten von ihnen flohen zunächst über die durchlässigere Grenze nach China und gelangten dann über Drittländer wie Thailand in den Süden. Der Anteil der Frauen unter den Flüchtlingen ist dabei deutlich höher: 2024 kamen insgesamt 236 Personen nach Südkorea – 88 Prozent davon waren Frauen.
Südkorea sichert Aufnahme und Staatsbürgerschaft zu
Nach eingehender Prüfung sichert Südkorea geflohenen Nordkoreanern einen Aufenthalt und die Staatsbürgerschaft zu. Seit der Beteiligung nordkoreanischer Soldaten im Ukraine-Krieg kommt es häufiger zur Fahnenflucht. Im Dezember war der Fall zweier Soldaten aus der Armee von Diktator Kim Jong-un bekannt geworden, die aus der Kriegsgefangenschaft in der Ukraine ihre Absicht mitteilten, nach Südkorea überzulaufen. Ihren Brief hatten sie bereits im Oktober verfasst; Ende des Jahres wurde das Schreiben über einen Dokumentarfilmer übergeben.
Ukraine-Krieg und Fahnenflucht
Die Übergabe der beiden Gefangenen hat jedoch noch nicht stattgefunden; sie befinden sich weiterhin in einem Lager bei Kiew. Am Dienstag erklärte das südkoreanische Außenministerium, man werde alle nordkoreanischen Kriegsgefangenen aufnehmen, wenn sie künftig in Südkorea leben wollten. Den erzwungenen Transfer nach Nordkorea oder Russland im Zuge eines Gefangenenaustauschs lehne man ab. Die Außenminister von Südkorea und der Ukraine werden am 30. Juni Gespräche in Seoul abhalten.



