Die traditionalistische Piusbruderschaft hat am vergangenen Wochenende in der Schweiz vier Männer unerlaubt zu Bischöfen geweiht – und damit bewusst die Autorität von Papst Leo XIV. herausgefordert. Die Weihe erfolgte trotz eines dringenden Appells des Papstes, der die Bruderschaft kurz zuvor aufgefordert hatte, von diesem Schritt abzusehen. Für den Vatikan ist dies ein offener Affront, der das bereits angespannte Verhältnis weiter belastet.
Kalkulierte Provokation in der Schweiz
Die Zeremonie fand in einer Kirche im Kanton Freiburg statt, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Augenzeugen berichtete. Die vier neuen Bischöfe gehören dem engsten Kreis der Piusbruderschaft an, die die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ablehnt und die Messe ausschließlich in lateinischer Sprache nach dem Ritus von 1962 feiert. Der Vatikan hatte die Bruderschaft mehrfach aufgefordert, sich zu mäßigen und die Autorität des Papstes anzuerkennen. Doch die Führung um den Generaloberen Bischof Bernard Fellay zeigt sich unbeeindruckt.
Papst Leo XIV. unter Druck
Die Weihe stellt eine schwere Missachtung der päpstlichen Weisungsbefugnis dar. Papst Leo XIV., der erst vor knapp zwei Jahren gewählt wurde, hatte sich in einem persönlichen Schreiben an Fellay gewandt und die geplante Weihe als „illegitim und schismatisch“ bezeichnet. Er drohte mit kanonischen Sanktionen. Die Bruderschaft ignorierte dies jedoch. Kirchenrechtler sehen darin einen weiteren Schritt in Richtung eines offenen Schismas. „Die Piusbruderschaft hat sich damit endgültig außerhalb der katholischen Kirche gestellt“, sagte der Kölner Kirchenrechtler Prof. Norbert Lüdecke der Deutschen Presse-Agentur. „Die Exkommunikation der Beteiligten ist nun unausweichlich.“
Historischer Konflikt
Die Piusbruderschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und befindet sich seit 1988 in einem kanonischen Schwebezustand, nachdem Lefebvre ohne päpstliche Erlaubnis vier Bischöfe geweiht hatte. Papst Benedikt XVI. hatte 2007 die Exkommunikation der Bischöfe aufgehoben und Gespräche zur Wiederannäherung eingeleitet. Unter Papst Franziskus verschlechterte sich das Verhältnis jedoch wieder. Leo XIV. hatte gehofft, durch eine Mischung aus Dialog und Härte die Bruderschaft zurückzugewinnen. Die jetzige Weihe zeigt, dass diese Strategie gescheitert ist.
Reaktionen aus dem Vatikan
Aus dem Vatikan hieß es, man prüfe die rechtlichen Schritte. Eine offizielle Stellungnahme steht noch aus. Insidern zufolge bereitet die Glaubenskongregation ein Dekret vor, das die vier neuen Bischöfe und die beteiligten Weiheliturgien für ungültig erklärt und mit der Exkommunikation belegt. Auch der Generalobere Fellay könnte sanktioniert werden. Die Bruderschaft selbst gibt sich siegessicher. In einem Kommuniqué sprach sie von einem „Akt der Notwendigkeit“ und betonte, die katholische Kirche in ihrer traditionellen Form bewahren zu wollen.
Auswirkungen auf die katholische Kirche
Die Weihe vertieft den Graben zwischen Traditionalisten und dem reformorientierten Kurs des Papstes. In vielen Ländern, besonders in Frankreich, Deutschland und der Schweiz, hat die Piusbruderschaft eine treue Anhängerschaft. Ihre Gemeinden boomen, während die offizielle Kirche Mitgliederschwund erlebt. Für Papst Leo XIV. ist die Provokation ein Rückschlag. Er hatte gehofft, die traditionalistischen Kreise durch Zugeständnisse bei der Liturgie zu befrieden. Doch die Fundamentalisten zeigen keine Kompromissbereitschaft.



