Entlang der Grenze zu Kaliningrad und Belarus bereitet sich Polen mit der „Operation Ostschild“ auf eine mögliche Invasion vor. Das gewaltigste Festungswerk der modernen Nato-Geschichte entsteht im ehemaligen Ostpreußen, wie ein Besuch von BILD vor Ort zeigt.
Panzersperren und Minenfelder auf 200 Kilometern
Unzählige Panzersperren, sogenannte „Hedgehogs“ (Igel), stehen in einer scheinbar endlosen grauen Reihe aus Beton und Stahl. Jede dieser Sperren wiegt 1,2 Tonnen. Davor befindet sich ein etwa drei Meter tiefer Graben und Stacheldraht, der die 200 Kilometer der russischen Grenze markiert. Im Falle eines Angriffs werden die Beton-Igel mit massiven Stahlseilen verkettet. Major Dominik Płaza, Presseoffizier der polnischen Armee, erklärte gegenüber BILD: „Wir haben das mit einem Schützenpanzer getestet. Das Fahrzeug rammte die Igel. Durch die Stahlseile haben sie sich um den Panzer gewickelt. Er konnte sich nicht mehr bewegen. Es funktioniert perfekt.“
2,5 Milliarden Euro für die Grenzsicherung
Rund 2,5 Milliarden Euro werden investiert, um die Grenze Polens zu Kaliningrad und im Osten zu Belarus abzuriegeln. Pro Kilometer werden 2400 Panzersperren verbaut. Hinter der ersten Linie sollen im Kriegsfall 100 Meter Minenfeld liegen, gefolgt von einer zweiten Linie Panzersperren. Die Maßnahmen umfassen auch die Wiederaufforstung ganzer Landstriche und die künstliche Unterwassersetzung von Mooren, um sie für russische Kettenfahrzeuge unpassierbar zu machen.
Lektionen aus dem Ukraine-Krieg
Polen lernt dabei aus dem Ukraine-Krieg. „Die Ukraine ist für uns eine wichtige Quelle für neue Lösungen“, so Major Płaza. Von dort übernehme man Erfahrungen mit Drohnenschwärmen, elektronischer Kampfführung und dem Bau von Schutzbunkern. „Wir wollen den potenziellen Feind davon abhalten, in unser Territorium einzudringen, und seine Beweglichkeit einschränken. Wir bereiten uns auf einen großangelegten Konflikt wie in der Ukraine vor.“
Bundeswehr-Unterstützung ab Juli
Bald soll zusätzliche Unterstützung kommen: Pioniere der Bundeswehr werden ab Juli an der Grenze erwartet, um beim Ausheben der Gräben und Errichten der Panzersperren zu helfen – rund 550 Kilometer entfernt von Berlin. Major Płaza betont: „Ich als polnischer Bürger fühle mich durch den Ostschild sicherer. Mit jeder Panzersperre, die wir aufstellen, wird meine Familie sicherer.“
Strenge Kontrollen an der Grenze
Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch: Als BILD-Reporter die stillgelegten Bahngleise nahe der Grenze betraten, erschienen Beamte der polnischen Grenzpolizei und forderten: „Zeigt eure Ausweise! Keine Fotos mehr!“ Jedes Foto, das auch nur im Hintergrund russisches Staatsgebiet zeigt, musste sofort gelöscht werden. Sonst könnte Russland Spionagevorwürfe erheben, erklärten die Beamten. Nach über einer Stunde rückten die Grenzpolizisten wieder ab.



