Die Nachricht von Kronprinzessin Mette-Marits Lungentransplantation kam für Norwegen völlig überraschend – und nur einen Tag nach Bekanntwerden großer royaler Änderungspläne. Künftig soll auch die Enkelin des Königs, die erst 22-jährige Prinzessin Ingrid Alexandra, vertretungsweise Staatsoberhaupt sein können. Vor allem Kronprinz Haakon soll so entlastet werden. Es soll gesichert sein, dass der politische Apparat des Landes ohne Störungen funktionieren kann.
Hohe Arbeitsbelastung des Kronprinzen
Über die hohe Arbeitsbelastung des bald 53-jährigen Kronprinzen wird im Land schon länger diskutiert. Er muss zusätzlich zu seinen eigenen Aufgaben längst häufig die seines Vaters König Harald (89) übernehmen, der nicht mehr so viel reisen kann wie früher. Die Sorge um die schwerstkranke Kronprinzessin erschwerte den Kronprinzen-Auftrag offenkundig zusätzlich. Jüngst verkürzte Haakon mit Hinweis darauf seine Japan-Reise um einen Tag, und zuletzt sagte er sehr kurzfristig zwei Termine im Inland ab.
Kritik an der späten Einbindung der Prinzessin
Der norwegische Historiker Trond Norén Isaksen hatte dem Königshaus, dem Parlament und der Regierung erst vor einer Woche Versäumnisse vorgeworfen: Es sei acht Jahre her, seit bei der Kronprinzessin eine Lungenfibrose diagnostiziert wurde. Acht Jahre habe man Zeit gehabt, sich auf die jetzige Situation einzustellen, damit dem Königshaus im Zweifelsfall nicht das Personal ausgehe, schrieb er in der Zeitung „Aftenposten“. Dass die von ihm vor einigen Jahren ins Spiel gebrachte Einbindung der jungen Prinzessin nun kommen solle, sei gut – aber das hätte bereits zu deren 18. Geburtstag geklärt sein müssen. Bei allem Verständnis für das persönliche Drama der Familie: Das Königshaus müsse weiter seinen Pflichten nachkommen, damit die Menschen dessen Existenz nachvollziehen könnten, so der Königshausexperte.
Prinzessin Ingrid Alexandra: Warum alle Augen auf sie gerichtet sind
Norwegen nach außen hin zu repräsentieren und Staatsbesuche entgegenzunehmen, aber auch im eigenen Land bei unterschiedlichen Anlässen präsent zu sein, ist das eine. Aber als Staatsoberhaupt ist Norwegens König, oder stellvertretend der Kronprinz, auch Teil des innenpolitischen Apparats. Jeden Freitag um elf kommen Ministerpräsident und Kabinett ins Schloss zu dem „König im Staatsrat“ genannten obersten Verwaltungsorgan. Der König leitet die Sitzung, wird über aktuelle Regierungsvorhaben informiert und unterzeichnet Gesetze. Das ändert nichts am demokratischen Prozess – gegengezeichnet werden muss immer vom Regierungschef, nichts wird unterschrieben, was nicht eine Mehrheit im Parlament hat. Aber die Vorgehensweise gehört zu Norwegen, sie ist im Grundgesetz festgelegt. Bisher hat neben dem König nur der Kronprinz im Staatsrat einen Sitz – ohne Stimme, wenn der König da ist, und in dessen Abwesenheit übernimmt er die Leitung.
Nun hat dieses historisch betrachtet noch junge Königshaus – nach der Ablösung von Schweden hat Norwegen seit 1905 wieder ein eigenes – mit Prinzessin Ingrid Alexandra erstmals eine volljährige Thronerbin in der dritten Generation. Die Gelegenheit, sie König Harald und Kronprinz Haakon als offiziell befugte Stellvertreterin an die Seite zu stellen, will sich Norwegen nun nicht mehr entgehen lassen.



