Der britische König Charles III. und sein Sohn Prinz William haben im jährlichen Finanzbericht der Royals erstmals ihre Steuerzahlungen offengelegt. Demnach zahlte der 77-jährige Monarch seit seiner Thronbesteigung mehr als 30 Millionen Pfund (rund 34,8 Millionen Euro) an Steuern. William musste über 20 Millionen Pfund (etwa 23 Millionen Euro) an den Fiskus abführen. Trotz dieser neuen Offenheit gibt es deutliche Kritik, da weiterhin unklar bleibt, wie hoch die tatsächlichen Einnahmen der Royals sind.
Experten bemängeln mangelnde Transparenz
Dan Neidle von der Denkfabrik Tax Policy Associates bezeichnete die Veröffentlichungen als „höchst undurchsichtig“. Im Interview mit BBC Radio 4 sagte er: „Wir wissen nicht, wie viel davon Kapitalertragsteuer und wie viel Einkommensteuer ist.“ Er fügte hinzu: „Vor allem wissen wir nicht, welche abzugsfähigen Ausgaben er geltend gemacht hat, um das zu versteuernde Einkommen zu ermitteln.“ Auch der Professor für forensische Buchführung, Atul Shah, beklagte im Gespräch mit Sky News mangelnde Transparenz. „Wir haben definitiv keine Ahnung vom Gesamtbild des Vermögens des Königs und der Königsfamilie.“ Es gebe lediglich Anzeichen auf ein umfangreiches Anlageportfolio, so Shah. Mehr Offenheit könne das Vertrauen der Menschen stärken, die bisherige Veröffentlichung sei jedoch „partiell, unvollständig und selektiv“.
Rufe nach Kostensenkung für Steuerzahler
Der frühere Innenstaatssekretär der Liberaldemokraten und Royal-Kritiker Norman Baker forderte eine Senkung der Kosten für die Steuerzahler. Die veröffentlichten Zahlen zeigten vor allem, dass das Einkommen der Royals enorm sei. „Wenn Charles und auch William davon sprechen, die Monarchie zu verschlanken, wollen wir, dass die Kosten gesenkt werden und nicht nur weniger Leute auf dem Balkon des Buckingham-Palasts stehen“, sagte er der BBC zufolge.
Finanzielle Verflechtungen und Kritik an Prinz Andrew
Die Finanzen der Royals waren zuletzt durch einen Bericht des britischen Rechnungshofs in die Schlagzeilen geraten. Darin wurde offenbart, dass Charles' Bruder Prinz Andrew für sein luxuriöses Anwesen Royal Lodge nur eine symbolische Miete zahlte, aber Geld durch Untervermietungen einnahm. Andrew war wegen seiner Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein in Verruf geraten und musste das Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor inzwischen räumen. Zudem zahlt der König die Miete für seine Töchter Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie in royalen Anwesen, obwohl die beiden keine royalen Aufgaben wahrnehmen.
Private Einkommensquellen des Königs
Zu den privaten Einkommensquellen des Königs gehören unter anderem Erträge aus Investitionen und Einnahmen aus seinen privaten Anwesen wie Balmoral in Schottland. Auch das Herzogtum Lancaster (Duchy of Lancaster) verschafft dem Monarchen Jahr für Jahr ein Millioneneinkommen. Dabei handelt es sich um ein privates Portfolio aus Landbesitz, Immobilien und Investitionen. Die mangelnde Transparenz über diese Einkünfte und die daraus resultierenden Steuerzahlungen bleibt ein zentraler Kritikpunkt.



