Russland droht: Ukraine-Schutztruppe ist „legitimes Ziel“
Russland: Ukraine-Schutztruppe ist „legitimes Ziel“

Russland hat die von westlichen Verbündeten geplante multinationale Schutztruppe für die Ukraine als „legitimes militärisches Ziel“ eingestuft. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte am Mittwoch vor Journalisten: „Die Entsendung jeglicher militärischer Kontingente aus Ländern der sogenannten ‚Koalition der Willigen‘ in die Ukraine ist für unser Land inakzeptabel. Das käme de facto einer ausländischen Intervention und einer Eskalation der Bedrohungen für die Sicherheit Russlands gleich. Wir würden solche Einheiten als legitime militärische Ziele betrachten.“

Erste Übungen der Schutztruppe in Polen

Die Ankündigung Moskaus erfolgte, nachdem die „Koalition der Willigen“ – ein Zusammenschluss von rund 35 Ukraine-Verbündeten – am Montag bei einem Treffen in Paris die ersten Übungen der multinationalen Truppe auf polnischem Boden angekündigt hatte. Ziel der Truppe ist es, die Ukraine im Fall eines Waffenstillstands mit Russland zu unterstützen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte der Nachrichtenagentur PAP zufolge: „Damit wollen wir uns auf konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten.“ Als weitere Teilnehmerstaaten nannte Tusk Frankreich und Großbritannien.

Die Übung soll zunächst klein angelegt sein und vor allem Führungsstrukturen und Entscheidungswege testen. Bei solchen Stabsrahmenübungen werden Entscheidungsfindungen, Koordinationen und Truppenverlegungen trainiert, in der Regel ohne dass militärisches Gerät oder Soldaten im Gelände bewegt werden.

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Deutschland sagt Beteiligung zu

Deutschland hatte sich zunächst zurückhaltend gezeigt, schwenkte dann aber um. Am Mittwoch verkündete Regierungssprecher Stefan Kornelius der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge: „Deutschland wird sich an diesem Manöver beteiligen. Die Bundesregierung prüft, wie diese Beteiligung aussehen wird.“ Zuvor hatte es am Dienstag aus Regierungskreisen geheißen, dass Deutschland nicht teilnehmen werde. Die Entscheidung fiel im Vorfeld einer Sitzung des deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, die für Freitag auf dem Luftwaffenstützpunkt Nörvenich geplant ist, unmittelbar vor einer Tagung des Ministerrats beider Länder in Brühl bei Köln. Neben Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werden zahlreiche Minister teilnehmen.

Merz hatte am Montag lediglich davon gesprochen, dass die „Koalition der Willigen“ bereit sei, bei den Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand eine „wichtige Rolle“ zu spielen, in enger Zusammenarbeit mit den USA. „Über Art und Umfang des deutschen Beitrags werden die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag ebenfalls entscheiden“, sagte der Kanzler.

Bulgarien lehnt Teilnahme ab

Der EU- und Nato-Mitgliedstaat Bulgarien hat eine Teilnahme an der „Koalition der Willigen“ abgelehnt. Der neue bulgarische Ministerpräsident Rumen Radew sagte am Dienstag in Paris dem Bulgarischen Nationalen Fernsehen BNT zufolge: „Der Platz von Bulgarien ist nicht dort.“ Bulgarien nehme nicht an einer Koalition teil, die auf eine Fortsetzung der finanziellen und militärischen Hilfe für die Ukraine bestehe. Radew, ein früherer Kampfjetpilot und Chef der bulgarischen Luftstreitkräfte, erklärte: „Die Lösung dieses Konflikts ist nicht in seiner Verlängerung mit militärischen Mitteln, sondern in einer starken diplomatischen Mission, die ein Ende der Eskalation setzt.“ Radew ist seit Mai 2026 Regierungschef des Landes mit rund 6,4 Millionen Einwohnern. Im Gegensatz zu früheren Regierungen in Sofia hatte er sich als Staatschef für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Kriegs eingesetzt.

Hintergrund der Schutztruppe

Die Bildung der multinationalen Truppe unter europäischer Führung zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstands war im Dezember auf einem Ukraine-Gipfel in Berlin beschlossen worden. Der französische Präsident Macron hatte am Montag erklärt, die Truppe sei bereits einsatzfähig. Die ersten Manöver in Polen sollen nun die konkreten Sicherheitsgarantien vorbereiten.

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